Der Goldpreis hat gute Chancen, den höchsten Monatsgewinn seit 1999 zu erzielen. Damals legte er dank des Abkommens wichtiger Zentralbanken zur Begrenzung der Goldverkäufe um 13,7 Prozent zu. Bislang hat er im August eine Wertsteigerung um 13,9 Prozent erzielt (Stand: 27.08.26).
Der Goldpreis hat im August erneut für Aufsehen gesorgt. Gleich mehrere Entwicklungen kamen zusammen und sorgten dafür, dass Privatanleger dem Edelmetall verstärkt Aufmerksamkeit schenkten: Turbulenzen an den Anleihemärkten, eine spürbar anziehende Nachfrage bei Gold-ETFs sowie ein wachsender Optimismus unter Edelmetallanalysten. Der folgende Überblick ordnet die wichtigsten Einflussfaktoren ein.
Rekordschulden und Turbulenzen an den Anleihemärkten
Ein zentrales Thema im August war die Entwicklung der US-Staatsverschuldung. Erstmals überschritt die Gesamtverschuldung der Vereinigten Staaten die Marke von 40 Billionen US-Dollar. Bemerkenswert war dabei vor allem das Tempo: Innerhalb von nur fünf Monaten war eine weitere Billion Dollar hinzugekommen. Hintergrund sind anhaltend hohe Haushaltsdefizite und stark steigende Zinskosten, die den Bundeshaushalt zunehmend belasten. Allein die Zinsausgaben summieren sich mittlerweile auf mehr als eine Billion Dollar pro Jahr.
Robert Hartmann, Mitgründer von pro aurum, sieht mit Blick auf das Überschreiten dieser Schuldenberg-Marke keinen Grund überrascht zu sein. Er betrachtet sie eher als eine Zwischenstation und prognostiziert: „Wir werden hinsichtlich der US-Staatsschulden auch noch die Marke von 50 Billionen Dollar überwinden und danach die 100 Billionen Marke erleben.“
In diese Phase der starken Verunsicherung passt die Ankündigung des US-Finanzministeriums, die Anleiherückkäufe zu verdoppeln, um die Märkte zu beruhigen. Besonders pikant: Die Ankündigung erfolgte am selben Tag, an dem das Überschreiten der 40-Billionen-Dollar-Schuldenmarke gemeldet wurde. Dies löste folgende Reaktionen aus: Die Renditen von US-Staatsanleihen gaben leicht nach. Fallende Anleiherenditen nehmen zinslosen Anlagen wie Gold traditionell einen Teil ihres Nachteils gegenüber verzinsten Wertpapieren, was die Nachfrage nach dem Edelmetall zusätzlich stützte. Marktbeobachter deuteten die Maßnahme zudem als Signal, dass Anleger auf weitergehende geldpolitische Eingriffe hoffen und sehen sie als Indiz für ein relativ labiles Finanzsystem.
Für Edelmetallexperte Hartmann steht eines außer Frage. Er sagt: „Wir haben in unseren Goldreports sehr oft darauf hingewiesen, dass die massive Staatsverschuldung wichtiger Industrienationen am Ende nur dann tragfähig wird, wenn die realen Zinsen – also die Zinsen abzüglich der Inflationsrate – negativ bleiben. Dies ist nach wie vor der wichtigste fundamentale Grund für weiter steigende Edelmetallpreise in der Zukunft.“
Im August meldete sich auch der bekannte Investor Ray Dalio zu Wort und sorgte für zusätzliche Aufmerksamkeit im Edelmetallsegment. Der Gründer von Bridgewater Associates warnte vor einer möglichen Schuldenkrise in den USA, die er innerhalb der kommenden drei Jahre für denkbar hält. Als Grundlage seiner Einschätzung führte er an, dass die Staatsausgaben die Einnahmen deutlich übersteigen und der Schuldendienst inzwischen einen erheblichen Anteil der Staatseinnahmen beansprucht. Vor diesem Hintergrund empfahl Dalio Anlegern, den Anteil von Anleihen im Portfolio zu reduzieren und stattdessen verstärkt auf knappe Vermögenswerte zu setzen. Konkret riet er zu einer Goldquote von rund 10 bis 15 Prozent des Gesamtportfolios, ergänzt um eine kleinere Position in Bitcoin. Diese Einschätzung reiht sich in eine Reihe ähnlicher Analysen ein, die strukturelle Risiken der hohen Staatsverschuldung als langfristigen Treiber für Gold hervorheben.
ETF-Nachfrage zieht im August spürbar an
Neben den fiskalischen Sorgen rückte im August aber auch das gestiegene Interesse an Gold-ETFs in den Fokus. Nach einer eher verhaltenen ersten Jahreshälfte, in der institutionelle Anleger zeitweise sogar Kapital abgezogen hatten, kehrte im Sommer eine massive Kauflaune zurück. Der World Gold Council bezifferte die Zuflüsse in physisch besicherte Gold-ETFs allein für die ersten drei Augustwochen auf 92,8 Tonnen, nachdem für Juli Zuflüsse von 23,5 Tonnen und für Juni sogar Abflüsse in Höhe von 76,8 Tonnen gemeldet wurden. Diese Größenordnung verdeutlicht, wie stark sich die Stimmung unter Investoren im Vergleich zu den vorangegangenen Monaten aufgehellt hat.
Ergänzt wurde dieses Bild durch aktuelle 13F-Meldungen zum weltgrößten physisch besicherten Gold-ETF, den SPDR Gold Shares. Diese Pflichtmeldungen an die US-Börsenaufsicht SEC geben Aufschluss darüber, wie institutionelle Investoren mit einem verwalteten Vermögen von mindestens 100 Millionen Dollar ihre Positionen zum Quartalsende ausgerichtet haben. Im zweiten Quartal 2026 griffen mehrere namhafte Banken beim SPDR Gold Shares kräftig zu.
Besonders auffällig war der Neueinstieg der US-Investmentbank Morgan Stanley, die binnen eines Quartals eine Position von knapp 10,75 Millionen ETF-Anteilen aufbaute und damit auf Anhieb zum zweitgrößten Anteilseigner aufstieg, hinter der Bank of America (11,02 Millionen ETFs). Auch die Bank of Montreal (plus 1,25 Millionen Anteile), die japanische Mizuho Bank (plus 810.000 Anteile) sowie die Bank of Korea (plus 680.000 ETFs) stiegen dem Bericht zufolge neu ein und in die Top-50 auf, während UBS und Citigroup ihre bestehenden Positionen deutlich ausbauten.
Zwar zeigte sich das Bild nicht einheitlich, da einzelne Großbanken wie JPMorgan Chase, Barclays und Goldman Sachs ihre Positionen im selben Zeitraum reduzierten. Unter dem Strich stieg die Zahl der insgesamt gemeldeten Anteile am SPDR Gold Shares im Quartalsvergleich jedoch von 126,3 Millionen auf 131,2 Millionen an. Dies spricht dafür, dass ein relevanter Teil der institutionellen Anleger die zwischenzeitliche Preisschwäche bei Gold als Einstiegsgelegenheit genutzt hat, statt sich dauerhaft vom Edelmetall abzuwenden.
Der erfahrene Edelmetallprofi Hartmann bewertet diese Entwicklung eindeutig positiv. Angesprochen auf die massiven Zukäufe einiger US-Investmentbanken beim SPDR Gold Shares entgegnete er: „Wo sollen die großen Kapitalsammelstellen sonst investieren? Heute und höchstwahrscheinlich auch in Zukunft werden Gelder an den Anleihemärkten abgezogen!“ Das meiste davon werde nach seiner Einschätzung dem Aktienmarkt zufließen, ein Teil aber sicherlich auch dem Rohstoffmarkt im Allgemeinen und dem Edelmetallmarkt im Speziellen.
Analysten blicken zunehmend optimistisch auf das Jahresende
Auch unter Edelmetallanalysten hat sich die Stimmung im Laufe des Sommers erheblich verändert. Die London Bullion Market Association (LBMA) befragt seit vielen Jahren regelmäßig Edelmetallexperten zu ihren Preiserwartungen für Gold, Silber, Platin und Palladium. Im August hat die LBMA ihre Umfrage zur Jahresprognose für 2026 einem Zwischencheck unterzogen, mit interessanten Ergebnissen.
Zu Jahresbeginn waren die befragten Analysten noch von einem durchschnittlichen Goldpreis von rund 4.742 Dollar für das Gesamtjahr ausgegangen. Nach einem Rekordhoch Ende Januar folgte jedoch eine deutliche Korrekturphase, die den Preis zeitweise wieder unter die Marke von 4.000 Dollar drückte. Vor diesem Hintergrund senkten die befragten Experten ihre Jahresprognose im aktuellen Zwischencheck auf durchschnittlich rund 4.604 Dollar.
Für den erwarteten Goldpreis zum Jahresende liegt der Mittelwert der 16 befragten Analysten bei rund 4.500 Dollar. Allerdings fällt die Bandbreite der Einzelschätzungen weiterhin sehr groß aus: Sie reicht von rund 3.879 bis zu 5.100 Dollar. Diese Spanne zeigt, dass trotz des insgesamt wachsenden Optimismus keineswegs von einem einheitlichen Konsens über die weitere Kursentwicklung gesprochen werden kann. Gleichwohl lässt sich aus dem Zwischencheck ablesen, dass Analysten die zwischenzeitliche Preisschwäche mehrheitlich als vorübergehend einordnen und für die zweite Jahreshälfte insgesamt wieder mit einer festeren Tendenz rechnen.
Eine ähnlich verhalten optimistische Einschätzung äußert auch Robert Hartmann, der zugleich vor kurzfristiger Euphorie warnt. Ein zweites Halbjahr mit negativer Goldpreis-Performance gab es letztmals 2016 mit minus 13,7 Prozent. Danach gefragt, ob er für den Rest des Jahres eine positive Entwicklung erwartet oder eher zur Vorsicht rät, verwies Hartmann zunächst auf die bereits gelaufene Erholung und sagt: „Seit den Tiefs von Mitte Juli bei Kursen unterhalb von 4.000 Dollar hat sich der Goldpreis um rund 17 Prozent erholt. Ich halte es durchaus für möglich, dass es noch zu einer kleinen Korrektur in Richtung 4.300 Dollar kommen könnte, bevor die Bullen wieder das Ruder übernehmen. Mittel- bis langfristig bleibe ich aber sehr optimistisch, was die Performance der Edelmetalle angeht.“
Drei Fragen an die Privatkunden von pro aurum
Im August haben an der von pro aurum im Internet durchgeführten Edelmetall-Stimmungsumfrage 240 Personen (Juli: 274) teilgenommen. Nach der Achterbahnfahrt der Vormonate hat sich die Anlegerstimmung im August insgesamt kaum verändert, wenngleich die Kaufbereitschaft erneut zugelegt hat. So stieg der Anteil der Käufer von 39,7 auf 43,7 Prozent. Gleichzeitig ist der Anteil der abwartenden Anleger von 53,4 auf 48,7 Prozent zurückgegangen. Die Verkaufsbereitschaft blieb mit einem leichten Anstieg von 6,9 auf 7,6 Prozent nahezu stabil.

Bei der Bewertung der aktuellen Edelmetallpreise zeigte sich im August ein recht ausgeglichenes Bild. Die Einschätzung, dass Edelmetalle derzeit unterbewertet sind, gab leicht nach, von 34,5 auf 33,7 Prozent. Praktisch unverändert blieb der Anteil derer, die die Preise als fair bewertet ansehen – hier stand nach 50,0 Prozent im Juli erneut eine Quote von 50,0 Prozent zu Buche. Die Einschätzung, die Edelmetallpreise seien überbewertet, legte von 15,5 auf 16,3 Prozent leicht zu,.

Mit Blick auf die künftige Preisentwicklung der Edelmetalle in den kommenden drei Monaten zeigten sich die Umfrageteilnehmer im August etwas verhaltener als noch im Juli. Die Quote der Optimisten, die mit steigenden Preisen rechnen, sank leicht von 48,3 auf 46,3 Prozent. Der Anteil der Pessimisten, die von fallenden Preisen ausgehen, nahm dagegen von 19,0 auf 20,0 Prozent zu. Auch die Erwartung einer Seitwärtsbewegung gewann etwas an Zustimmung und stieg von 32,7 auf 33,7 Prozent.

Bildnachweis: Pakin Jarerndee
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