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„Gold spielt für mich eine ganz wichtige Rolle“

21. August 2026
„Gold spielt für mich eine ganz wichtige Rolle“

Bionorica-Chef Prof. Michael Popp spricht über Unternehmergeist, Phytoneering und gesellschaftliche Verantwortung – und über Gold als Stabilitätsanker bei der Geldanlage.

Herr Prof. Popp, Bionorica steht für pflanzliche Arzneimittel „Made in Germany“ und Sie führen das Unternehmen bereits in der dritten Generation. Wie wichtig waren in diesem Zusammenhang familiäre Bande für Sie?

Enorm wichtig! Meine Familie hat mich schon früh unternehmerisch geprägt. Eine wichtige Rolle spielte dabei meine Tante Erna Popp. Sie war Pharmazeutin und führte Bionorica über viele Jahrzehnte. Auch mein Vater, der Medizin studiert hatte und eine Praxis betrieb, hat mich sicherlich beeinflusst. Mein Großvater Josef Popp, der das Unternehmen 1933 gegründet hat, ist bereits 1945 gestorben. Ihn habe ich daher leider nie persönlich kennengelernt. Dennoch haben natürlich sein Vermächtnis und sein Forschergeist auch meinen eigenen Weg mitbestimmt.

Besonders prägend war für mich auch mein Großvater mütterlicherseits. Er hatte mehrere Unternehmen aufgebaut und leitete eine Papierfabrik. Schon als kleiner Bub durfte ich ihn immer wieder ins Büro begleiten. So habe ich früh erlebt, was Unternehmertum bedeutet. Mit diesen Eindrücken stand für mich schon bald fest, dass ich diesen Weg ebenfalls einschlagen wollte.

Später musste ich mich entscheiden, ob meine berufliche Zukunft in der Papierbranche oder in der pharmazeutischen Industrie liegen sollte. Ich entschied mich für die Pharmazie und Bionorica. Das Unternehmen kannte ich bereits sehr gut, denn seit meinem 15. Lebensjahr hatte ich dort in praktisch allen Abteilungen mitgearbeitet. Eigentlich hatte ich noch andere Pläne, doch als meine Tante die Unternehmensleitung im Alter von 70 Jahren abgeben wollte, musste ich früher als erwartet Verantwortung übernehmen. So bin ich 1989 als junger Mann mit großen Plänen an die Spitze von Bionorica gekommen.

Der deutschen Wirtschaft geht es gesundheitlich derzeit nicht sonderlich gut. Was stufen Sie als die gravierendsten Probleme innerhalb Ihrer Branche ein?

Mit Sorge betrachten wir in der Branche derzeit die aktuellen Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen. Aus meiner Sicht braucht es hier weniger kurzfristige Sparmaßnahmen als vielmehr grundlegende strukturelle Veränderungen. Das eigentliche Rezept müsste lauten: Strukturen effizienter gestalten und vorhandene Mittel gezielter einsetzen.

Schauen Sie zum Beispiel auf die große Zahl der Krankenkassen. Ich bin davon überzeugt, dass auch zehn Krankenkassen ausreichen würden. Angesichts von Verwaltungskosten in Milliardenhöhe ließe sich hier erheblich sparen. Ähnliches gilt für die Krankenhauslandschaft: Wir haben in Deutschland sehr viele Kliniken und Betten. Auch dort sehe ich Einsparpotenzial. Aber damit Sie mich nicht missverstehen: Richtig umgesetzt, müssten solche Reformen nicht zulasten der Patienten gehen. Im Gegenteil: Niedrigere Kosten und eine höhere Qualität der medizinischen Versorgung könnten durchaus Hand in Hand gehen.

Sie haben den Begriff „Phytoneering“ geprägt und damit Natur und Hightech miteinander verbunden. Welche Rolle spielt Innovationskraft heute für den nachhaltigen Erfolg Ihres Unternehmens?

Als ich ins Unternehmen kam, stand die gesamte Branche vor einer enormen Herausforderung. Als Folge des Contergan-Skandals waren die regulatorischen Anforderungen an Arzneimittel in Europa zu Recht deutlich verschärft worden. Davon waren auch pflanzliche Präparate betroffen. Wir mussten die Qualität, Sicherheit und Wirksamkeit unserer Produkte wissenschaftlich belegen und entsprechende klinische Studien durchführen. Für Bionorica war das eine Schicksalsfrage. Ich musste damals gewissermaßen darum kämpfen, dass unsere Arzneimittel – insbesondere Sinupret – überhaupt am Markt bleiben durften.

Das erforderte erhebliche Investitionen für den Wirksamkeitsbeleg gemäß den damals neuen regulatorischen Anforderungen, unter anderem in Pharmakologie und Toxikologie. Was zunächst eine große Belastung war, erwies sich später als entscheidender Vorteil. Die wissenschaftliche Evidenz erleichterte uns den Zugang zu europäischen Märkten und legte den Grundstein für unsere weitere Expansion.

Damit begann die Transformation von der „kleinen Firma“ zu einem international tätigen Hightech-Unternehmen. Heute verbinden wir die Wirkstoffe der Natur mit moderner Forschung und Technologie. Dazu gehören hochentwickelte Verfahren zur Steuerung der Extraktion ebenso wie umfassende wissenschaftliche Analysen und zahlreiche internationale Patente. Genau diese Verbindung aus Pflanzenheilkunde und Hightech verstehe ich unter „Phytoneering“. Innovation ist für Bionorica bis heute die Grundlage nachhaltigen Erfolgs.

Wie stark beeinflusst der Klimawandel Ihre „natürlichen Rohstoffquellen“?

Die Auswirkungen des Klimawandels beschäftigen uns natürlich. Privat habe ich die Veränderungen bereits deutlich zu spüren bekommen: Auf meinem Weingut gab es beispielsweise mehrere Jahre, in denen keine Rotweinproduktion möglich war.

Bei unseren Heilpflanzen ist die Situation etwas anders. Wir setzen auf eigene Züchtungen und streuen unsere Anbauregionen über unterschiedliche Länder und Vegetationszonen. Unsere Pflanzen wachsen unter anderem in Spanien, Frankreich, Ungarn, der Türkei, Österreich und sogar in Südafrika. Diese internationale Aufstellung hilft uns, auf klimatische Veränderungen flexibler zu reagieren.

Derzeit stellt uns lediglich eine Heilpflanze vor größere Herausforderungen. Durch unsere breit aufgestellte Anbaustrategie können wir solche Risiken jedoch gut abfedern und wir arbeiten bereits an nachhaltigen Lösungen.

Seit 2007 engagieren Sie sich mit der heutigen „Natureheart Foundation for Kids“ für Kinder und Jugendliche. Was hat Sie damals dazu bewogen, eine eigene Stiftung ins Leben zu rufen und welche Strategie verfolgt diese?

Den Anstoß für die Stiftung gaben meine Erfahrungen in der Ukraine. Bionorica war dort mit seinen pflanzlichen Arzneimitteln bereits sehr erfolgreich, und dadurch hatten wir eine enge Verbindung zu dem Land aufgebaut. Beim Besuch einer urologischen Kinderklinik in Kiew wurde mir erstmals in aller Deutlichkeit bewusst, wie groß der Unterstützungsbedarf war. Die medizinische Versorgung war unzureichend und es fehlte an modernen, minimal-invasiven Operationsmöglichkeiten. Besonders bewegt hat mich auch das Schicksal vieler Waisenkinder.

Aus diesen Eindrücken entstand der Wunsch, nachhaltig zu helfen. Ein weiteres frühes Projekt war die Förderung eines Waisenheims in Kirgistan. Inzwischen engagieren wir uns aber auch bei zahlreichen Projekten in Deutschland, beispielsweise für Bildung und Nachhilfe oder die Versorgung benachteiligter Kinder.

Im Mittelpunkt steht dabei immer dasselbe Ziel: Kindern und Jugendlichen bessere Chancen für ihren Lebensweg zu eröffnen. Aktuell entsteht an unserem Heimatstandort Neumarkt ein besonders großes Projekt. Die Stadt stellt dafür zwei Gebäude zur Verfügung, die zu einem Kindertreff ausgebaut werden. Dort sollen Kinder und Jugendliche Unterstützung, Gemeinschaft und neue Perspektiven finden.

Wie sind die Projekte der Natureheart Foundation normalerweise konzipiert und welche liegen Ihnen derzeit besonders am Herzen?

Mir ist besonders wichtig, dass die Unterstützung genau dort ankommt, wo sie gebraucht wird. Jeder gespendete Euro fließt direkt in die jeweiligen Projekte. Die Verwaltungskosten der Stiftung übernehme ich persönlich. Eine wichtige Rolle spielen zudem die vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, ohne die unsere Arbeit in dieser Form nicht möglich wäre.

Was mich immer wieder motiviert, sind die positiven Rückmeldungen und die sichtbaren Veränderungen. Zu sehen, wie Kinder und Jugendliche durch unsere Projekte neue Perspektiven gewinnen, ist für mich die größte Motivation, dieses Engagement weiter auszubauen.

Besonders am Herzen liegt mir derzeit das neue Projekt mit der Stadt Neumarkt. Die Stadt hat dafür erhebliche Mittel bereitgestellt. Dieses Projekt zeigt sehr schön, was möglich ist, wenn unterschiedliche Partner gemeinsam an einem Ziel arbeiten.

Zum Abschluss noch eine persönliche Frage zum Thema Geldanlage: Wenn Sie an den Aufbau und die Absicherung von Vermögen denken – welche Anlageklassen bevorzugen Sie persönlich und welche Rolle spielt dabei Gold für Sie?

Für mich kommt es bei der Geldanlage vor allem auf den richtigen Mix an. Eine breite Streuung des Vermögens ist wichtig, dazu gehören für mich beispielsweise Immobilien und Aktien. Eine ganz wesentliche Rolle spielt aber auch Gold. Ich persönlich halte einen zweistelligen prozentualen Anteil am Vermögen für sinnvoll.

Gold betrachte ich dabei vor allem als Stabilitätsanker, der dazu beitragen soll, Risiken innerhalb des Gesamtvermögens abzufedern. Dass sich das Edelmetall in den vergangenen Jahren ausgesprochen stark entwickelt hat, ist natürlich erfreulich. Für mich steht aber weniger die kurzfristige Performance im Vordergrund als vielmehr die langfristige Funktion von Gold als „Wertbewahrer“.

 

Bildquelle: © Sabine Freudenberger / Bionorica

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