Der Goldpreis hat in dieser Woche den höchsten Stand seit Mitte Mai erreicht und sich zeitweise der Marke von 4.700 US-Dollar je Feinunze genähert. Damit setzt das Edelmetall seine kräftige Erholung fort. Binnen einer Woche legte der Spotpreis rund fünf Prozent zu und verbuchte den dritten Wochengewinn in Folge.
Ende Juni war Gold zeitweise unter 4.000 Dollar gefallen, nachdem der Spotpreis im Januar bei knapp 5.600 Dollar ein Rekordhoch erreicht hatte. Hinter den großen Schwankungen steht der rasche Wechsel der Erwartungen an den amerikanischen Zins-, Anleihe- und Devisenmärkten. Steigende Realzinsen und ein fester Dollar hatten die Korrektur beschleunigt. Nun hat sich das Umfeld wieder zugunsten von Gold gedreht.
Washington sendet ein zweischneidiges Signal
Den entscheidenden Impuls lieferte das US-Finanzministerium. Nachdem die Rendite 30-jähriger Staatsanleihen auf mehr als 5,3 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit 2007 gestiegen war, kündigte die Behörde größere Rückkäufe lang laufender Anleihen an. Bei Laufzeiten zwischen zehn und 30 Jahren soll das maximale Volumen ab September von zwei auf mindestens vier Milliarden Dollar je Operation steigen. Offiziell geht es um eine bessere Marktliquidität.
Die Ankündigung ließ die langfristigen Renditen zunächst sinken, schwächte den Dollar und gab Gold zusätzlichen Auftrieb. Ein schwächerer Dollar kann das Edelmetall für Käufer außerhalb des Dollarraums günstiger machen. Sinkende Realrenditen verringern zugleich den Nachteil, dass Gold keine laufenden Zinsen abwirft.
Die Rückkäufe sind kein Anleihekaufprogramm der US-Notenbank und gemessen am riesigen Markt für US-Staatsanleihen überschaubar. Ihre Signalwirkung ist dennoch erheblich. Anleger sehen darin teilweise den Versuch, den Anstieg der staatlichen Finanzierungskosten zu begrenzen. Das hat den sogenannten „Debasement Trade“ neu belebt: Investoren suchen Anlagen, deren Angebot nicht durch politische Entscheidungen beliebig ausgeweitet werden kann. Gold profitiert von der Sorge, hohe Schulden könnten langfristig durch negative Realzinsen, finanzielle Repression oder eine schleichende Währungsabwertung tragfähiger gemacht werden.
Das unbereinigte US-Haushaltsdefizit erreichte im Juli 432 Milliarden Dollar. Rund 99 Milliarden davon gingen allerdings auf kalenderbedingt vorgezogene Zahlungen zurück; bereinigt lag die Lücke bei etwa 333 Milliarden Dollar. Seit Beginn des Fiskaljahres summierte sich das unbereinigte Defizit dennoch auf knapp 1,8 Billionen Dollar. Eine Initiative zur Haushaltskonsolidierung ist bislang nur angekündigt.
Starke Nachfrage – doch die Rally bleibt anfällig
Inzwischen wird die Bewegung von einer breiteren Nachfrage getragen. Goldgedeckte börsengehandelte Fonds verzeichneten die stärksten wöchentlichen Zuflüsse seit zehn Monaten, vor allem in Nordamerika und Europa. Zudem überwand der seinen 200-Tage-Durchschnitt. Dieses technische Kaufsignal zog weitere Anleger an.
Auch die Zinserwartungen geben Gold Rückenwind. In den USA blieb der monatliche Preisauftrieb im Juli verhalten: Die Verbraucherpreise stiegen lediglich um 0,1 Prozent, während die Erzeugerpreise stagnierten. Im Jahresvergleich lagen sie allerdings noch 3,4 beziehungsweise 4,7 Prozent höher. Dennoch galt eine Zinserhöhung im September zuletzt nicht als wahrscheinlichstes Szenario. Bleibt die US-Notenbank zurückhaltend, könnte der Aufwärtsdruck auf Realrenditen und Dollar nachlassen – ein günstiges Umfeld für Gold.
Die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten und die verschärften Sanktionen gegen Iran halten die Unsicherheit hoch und können die Nachfrage nach Gold als sicherem Hafen stützen. Der Weg zurück zum Allzeithoch dürfte dennoch keine Einbahnstraße sein. Entscheidend bleiben vor allem Zinsen und Dollar: Sollten die Energiepreise erneut anziehen und den Inflationsdruck verstärken, könnten auch die Erwartungen an eine straffere Geldpolitik und die Realrenditen steigen. Ein wieder stärkerer Dollar würde zusätzlichen Gegenwind bringen. Nach der kräftigen Erholung sind zudem Gewinnmitnahmen und Konsolidierungsphasen möglich.
Was der Kursanstieg für Privatanleger bedeutet
Für Privatanleger wird einmal mehr deutlich, welche wichtige Rolle Gold im Portfolio spielt: Es sorgt für Diversifikation und dient dem langfristigen Vermögensschutz. Wer eine Goldposition aufbauen oder ergänzen möchte, kann mit dem regelmäßig investieren. Da die Käufe zu unterschiedlichen Kursniveaus erfolgen, ergibt sich im Laufe der Zeit ein Durchschnittspreis. So lässt sich Schritt für Schritt ein Bestand an physischem Gold aufbauen, ohne auf den vermeintlich perfekten Einstiegszeitpunkt warten zu müssen.
Bildnachweis: Pakin Jarerndee
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