Eine US-Aktie steigt um zehn Prozent – trotzdem kommt beim deutschen Anleger kaum ein Gewinn an. Was zunächst widersprüchlich klingt, kann an Wechselkursen liegen. Wer international investiert, sollte deshalb neben Kursen und Zinsen auch Währungsrisiken kennen.
Währungsrisiko einfach erklärt: Warum der Wechselkurs mitentscheidet
Für Anleger aus Deutschland ist der Euro die Heimatwährung. Wer ausschließlich Euro-Guthaben oder in Euro notierte Wertpapiere besitzt, ist keinem direkten Wechselkursrisiko ausgesetzt. Anders sieht es bei internationalen Investments aus. Wer beispielsweise US-Aktien, japanische Anleihen oder einen weltweit investierenden ETF hält, ist häufig zusätzlich von der Entwicklung ausländischer Währungen abhängig.
Ein Beispiel verdeutlicht die Wirkung. Ein Anleger tauscht 10.000 Euro in Dollar und investiert das Geld in amerikanische Aktien. Steigen diese innerhalb eines Jahres um zehn Prozent, hat das Investment aus Sicht eines US-Anlegers zehn Prozent gewonnen. Für den deutschen Anleger ist die Rechnung damit jedoch noch nicht abgeschlossen. Verliert der Dollar währenddessen acht Prozent gegenüber dem Euro, fällt seine Rendite in Euro deutlich niedriger aus.
Dabei dürfen Aktien- und Währungsrendite nicht einfach addiert oder subtrahiert werden. Beide Entwicklungen wirken nacheinander auf das Investment. Vereinfacht lautet die Rechnung:
Euro-Rendite = (1 + Wertpapierrendite) × (1 + Währungsrendite) − 1
Bei zehn Prozent Kursgewinn und acht Prozent Währungsverlust ergibt sich damit eine Euro-Rendite von lediglich rund 1,2 Prozent. Entwickelt sich die Fremdwährung dagegen zugunsten des Anlegers, wirkt der Effekt in die Gegenrichtung: Ein stärkerer Dollar kann die Rendite einer US-Anlage aus Euro-Sicht erhöhen oder Kursverluste teilweise ausgleichen.
Währungsrisiko bedeutet deshalb nicht automatisch Verlust. Wechselkursschwankungen können die Rendite sowohl vermindern als auch erhöhen. Anleger können sich gegen dieses Risiko teilweise absichern, etwa durch währungsgesicherte ETF-Varianten, sollten dabei aber die Kosten der Absicherung beachten.
Warum Wechselkurse schwanken
Der Devisenmarkt gehört zu den größten und liquidesten Finanzmärkten der Welt. Wechselkurse entstehen durch Angebot und Nachfrage nach den jeweiligen Währungen. Dahinter stehen zahlreiche Einflussfaktoren.
Besonders wichtig sind die Geldpolitik und das Zinsniveau. Steigen beispielsweise die Zinsen in einem Land stärker als in einem anderen, können Anlagen in diesem Land für internationale Investoren attraktiver werden. Dadurch kann zusätzliche Nachfrage nach der entsprechenden Währung entstehen. Entscheidend sind allerdings nicht allein die aktuellen Zinsen, sondern vor allem die Erwartungen hinsichtlich der künftigen Geldpolitik. Zudem kommt es nicht nur auf die nominalen Zinsen an, sondern auch auf die Inflation: Maßgeblich sind die Realzinsen.
Auch Inflation, Wirtschaftswachstum, Kapitalströme, Staatsfinanzen und geopolitische Entwicklungen beeinflussen Wechselkurse. Hinzu kommen die Stimmung und das Vertrauen der Marktteilnehmer. In unsicheren Zeiten suchen Anleger häufig Schutz in als sicher geltenden Währungen. Eine Währung kann deshalb trotz vergleichsweise hoher Zinsen fallen, wenn Investoren beispielsweise Zweifel an den wirtschaftlichen oder fiskalischen Aussichten eines Landes haben.
Die Vielzahl der Einflussgrößen macht deutlich, weshalb Wechselkurse selbst für professionelle Marktteilnehmer schwer vorherzusagen sind. Eine langfristige Anlagestrategie sollte deshalb nicht davon abhängen, den nächsten Anstieg oder Rückgang des Dollars, des Yen oder des Schweizer Frankens richtig zu prognostizieren.
Aktien und ETFs: Wo Währungsrisiken tatsächlich stecken
Bei Aktien ist die Sache komplizierter, als es auf den ersten Blick erscheint. Der Sitz eines Unternehmens oder die Währung, in der seine Aktie an der Börse gehandelt wird, sagt noch nicht alles über das tatsächliche Währungsrisiko aus. Entscheidend sind auch die Währungen, in denen ein Unternehmen Umsätze erzielt, Kosten trägt und Vermögenswerte hält.
Ein weltweit tätiger US-Konzern kann beispielsweise einen großen Teil seiner Umsätze außerhalb der USA erzielen. Ein stärkerer Dollar kann dann dazu führen, dass im Ausland erzielte Gewinne bei der Umrechnung in Dollar weniger wert sind. Auch deutsche Unternehmen erzielen häufig erhebliche Umsätze in Dollar oder anderen Fremdwährungen. Ein schwächerer Dollar kann für sie belastend wirken, ein stärkerer dagegen unterstützend. Unternehmen versuchen solche Risiken teilweise selbst durch Finanzinstrumente oder eine entsprechende Struktur von Einnahmen und Ausgaben abzusichern.
Besonders wichtig ist diese Unterscheidung bei ETFs. Ein weit verbreiteter Irrtum lautet: Wird ein internationaler ETF an einer deutschen Börse in Euro gehandelt, besteht kein Währungsrisiko. Die Handelswährung allein ändert jedoch grundsätzlich nichts an den Währungsrisiken der im Fonds enthaltenen Wertpapiere.
Das ist bei globalen Aktienindizes besonders relevant. Internationale Indizes enthalten Unternehmen aus zahlreichen Währungsräumen. Bei globalen Aktienportfolios spielt der Dollar aufgrund des hohen Gewichts amerikanischer Unternehmen häufig eine besonders große Rolle. Die Umrechnung des ETF-Kurses in Euro beseitigt diese Einflüsse nicht.
Etwas anderes gilt bei ausdrücklich währungsgesicherten Produkten. Bezeichnungen wie „EUR Hedged“ weisen darauf hin, dass der Fonds versucht, Wechselkursschwankungen gegenüber dem Euro weitgehend abzusichern. Eine solche Absicherung ist allerdings nie vollständig und verursacht Kosten. Sie betrifft zudem nur das Währungsrisiko, nicht das Kursrisiko der enthaltenen Aktien.
Anleihen: Wenn Wechselkurse den Zins überlagern
Bei Anleihen kann das Währungsrisiko besonders stark ins Gewicht fallen. Der Grund liegt im Charakter dieser Anlageklasse. Während Aktien erhebliche Kursschwankungen aufweisen können, werden Anleihen häufig wegen vergleichsweise gut kalkulierbarer Zinszahlungen und ihrer stabilisierenden Funktion im Portfolio gekauft. Weil die Zinserträge meist überschaubar sind, können Währungsbewegungen sie leicht überlagern.
Angenommen, eine US-Anleihe rentiert in Dollar mit fünf Prozent. Verliert der Dollar während des Anlagezeitraums zehn Prozent gegenüber dem Euro, kann der Währungsverlust den Zinsertrag mehr als aufzehren: Aus Sicht des deutschen Anlegers ergibt sich rechnerisch ein Verlust von rund 5,5 Prozent. Die vermeintlich attraktive Fremdwährungsrendite sagt deshalb wenig darüber aus, was beim Anleger in Euro tatsächlich ankommt.
Bei internationalen Anleihen spielt eine Währungsabsicherung daher oft eine wichtige Rolle. Sie kann dazu beitragen, dass die Wertentwicklung stärker von den zugrunde liegenden Anleihen und weniger von den Wechselkursen bestimmt wird. Allerdings verursacht die Absicherung Kosten, die sich im Wesentlichen aus dem Zinsunterschied zwischen den Währungen ergeben, und sie ist nie vollständig.
Ähnliches gilt für Fremdwährungskonten. Ein höherer Zins auf einem Dollar-Guthaben ist nicht automatisch attraktiver als ein niedrigerer Euro-Zins. Entscheidend ist die Gesamtrendite nach Berücksichtigung der Wechselkursentwicklung sowie möglicher Umtauschkosten.
Goldpreis in Euro: Zwei Entwicklungen bestimmen die Rendite
Gold liefert ein besonders anschauliches Beispiel für Währungseffekte. Auf den internationalen Märkten wird der Goldpreis überwiegend in Dollar je Feinunze angegeben. Für Anleger im Euroraum ist jedoch entscheidend, welchen Wert ihr Gold in Euro besitzt.
Der Zusammenhang lässt sich vereinfacht so betrachten: Steigt der Goldpreis in Dollar, während der Dollar gleichzeitig gegenüber dem Euro aufwertet, profitieren Euro-Anleger von beiden Entwicklungen. Steigt dagegen der Euro gegenüber dem Dollar, wird der in Dollar erzielte Goldpreisanstieg bei der Umrechnung geschmälert, unter Umständen sogar vollständig aufgezehrt.
Umgekehrt kann Gold in Dollar fallen und sich für Euro-Anleger dennoch besser entwickeln als in Dollar gerechnet, wenn gleichzeitig der Euro gegenüber dem Dollar an Wert verliert. Der World Gold Council veröffentlicht Goldrenditen deshalb auch in verschiedenen Währungen.
Wie groß solche Unterschiede sein können, zeigt die Vergangenheit immer wieder. Deshalb reicht für Anleger aus Deutschland der Blick auf Schlagzeilen wie „Gold steigt um fünf Prozent“ nicht aus. Entscheidend ist, in welcher Währung diese Veränderung gemessen wurde.
Bei physischem Gold besteht allerdings ein wichtiger Unterschied zu einer klassischen Fremdwährungsanlage: Wer einen Goldbarren besitzt, hält keine Dollar-Forderung. Der Dollar dient auf den internationalen Goldmärkten vor allem als zentrale Preiswährung. Weil sich der Euro-Preis des Goldes aus dem internationalen Goldpreis und dem jeweiligen Wechselkurs ergibt, besteht für Euro-Anleger wirtschaftlich dennoch ein Währungseffekt.
Währungsabsicherung: Was bedeutet „EUR Hedged“?
Anleger müssen Währungsschwankungen nicht einfach hinnehmen. Mit Devisentermingeschäften und anderen Instrumenten lassen sich Wechselkursrisiken reduzieren. Bei Investmentfonds übernimmt diese Aufgabe gegebenenfalls der Fondsanbieter, in der Regel über regelmäßig erneuerte Devisentermingeschäfte.
Ein ETF mit dem Zusatz „EUR Hedged“ versucht, die Auswirkungen von Wechselkursbewegungen gegenüber dem Euro weitgehend zu neutralisieren. Wertet der Dollar gegenüber dem Euro ab, soll die Absicherung den Währungsverlust weitgehend auffangen.
Das funktioniert allerdings auch in die andere Richtung. Wertet die Fremdwährung auf, profitiert ein abgesicherter Anleger davon weniger oder gar nicht. Zudem ist die Absicherung weder kostenlos noch vollkommen. Kosten, Zinsunterschiede zwischen den Währungsräumen und technische Abweichungen können die Rendite beeinflussen.
Ob eine Absicherung sinnvoll ist, lässt sich daher nicht pauschal beantworten. Neben der Anlageklasse spielen Anlagehorizont, Risikobereitschaft, Kosten und die Bedeutung des jeweiligen Investments für das Gesamtportfolio eine Rolle.
Bei Anleihen spricht mehr dafür, Währungseinflüsse zu begrenzen: Ihre Erträge und Kursschwankungen sind normalerweise gering, sodass Wechselkursbewegungen im Verhältnis stark ins Gewicht fallen. Bei langfristigen Aktieninvestments können Anleger dagegen bewusst mit verschiedenen Währungen leben, weil die Kursschwankungen der Aktien ohnehin dominieren. Internationale Investments bringen schließlich nicht nur Währungsrisiken, sondern auch eine breitere geografische Streuung mit sich.
Währungsrisiken verstehen statt Wechselkurse vorhersagen
Drei Irrtümer sollten Privatanleger vermeiden. Erstens bedeutet ein in Euro gehandelter ETF nicht automatisch, dass kein Fremdwährungsrisiko besteht. Zweitens ist ein schwacher Dollar für ein internationales Portfolio nicht zwangsläufig schlecht: Unternehmen sind selbst in zahlreichen Währungsräumen wirtschaftlich aktiv, und ein schwächerer Dollar kann beispielsweise die Auslandsgewinne amerikanischer Konzerne erhöhen. Drittens beseitigt eine Währungsabsicherung zwar einen Teil der Wechselkursschwankungen, garantiert aber keine höhere Rendite. Sie verursacht Kosten und dient dazu, Risiken zu verringern, nicht dazu, Erträge zu steigern.
Währungsrisiken wirken somit in beide Richtungen: Sie können die Rendite sowohl schmälern als auch erhöhen. Sie sind ein zusätzlicher Einflussfaktor auf die Rendite internationaler Geldanlagen. Wie wichtig dieser Faktor ist, hängt von der jeweiligen Anlageklasse, dem Anlagehorizont und der persönlichen Anlagestrategie ab.
Für Privatanleger besteht die wichtigste Erkenntnis nicht darin, Wechselkurse möglichst genau vorherzusagen. Sinnvoller ist es, zu verstehen, welchen Währungen das eigene Vermögen ausgesetzt ist und wie stark deren Schwankungen das Anlageziel beeinflussen können. Wer diese Zusammenhänge kennt, kann bewusster entscheiden, welche Währungsrisiken er tragen und welche er gegebenenfalls absichern möchte.
Bildnachweis: Natali_Mis
Bildnummer: 1408944498
Bildquelle: https://www.istockphoto.com








