Wer Gold und andere Wertgegenstände zu Hause aufbewahrt, braucht mehr als nur einen schweren Tresor. Markus Hartmann vom Familienunternehmen Hartmann Tresore erklärt, worauf es bei Versicherung, Standort und Zertifizierung ankommt – und warum steigende Goldpreise schnell neue Sicherheitsfragen aufwerfen.
Herr Hartmann, Ihre Familie startete 1835 als Schmiede und Stellmacherei. Wie kommt man von dort zum zertifizierten Hochsicherheitstresor?
Mein Vater hat die ursprüngliche Schmiede nach dem Krieg übernommen und ist in den Tür- und Fensterbau eingestiegen; wir waren also ein Metallbaubetrieb mit Fokus auf Gebäudesicherheit. Der Schritt zum Tresor war dann eher eine Geschäftsgelegenheit: Tresore gab es bis dahin fast nur für Banken und große Geschäftsleute. Warum nicht auch für Privatleute?
Tresore und Gold, Jäger und Anleger – auf den ersten Blick zwei verschiedene Welten. Was verbindet Hartmann Tresore und pro aurum ausgerechnet mit der Messe „Jagd & Hund“?
Wir sind einer der Aussteller, die seit Gründung der Messe dabei sind. In den 70er-Jahren kam die Erkenntnis, dass Waffen sicher verwahrt werden müssen, und so sind wir als Anbieter von Waffentresoren auf die „Jagd & Hund“ gekommen. Jagd hat viel mit Verantwortung, Tradition und langfristigem Denken zu tun. Das sind Werte, die auch viele Menschen mit Gold verbinden. Und was man bewahren möchte, will natürlich auch sicher verwahrt sein.
Angenommen, ein Anleger hat 50.000 Euro in Gold zu Hause. Reicht da ein Tresor aus dem Baumarkt oder braucht es gleich einem mit dem höchsten Widerstandsgrad?
Ein ganz normaler Waffenschrank hat mindestens Widerstandsgrad 0, was für Edelmetalle oft zu wenig ist. Gold und wertvolle Uhren sind in der Hausratversicherung meist gar nicht mitversichert; dafür braucht es einen zertifizierten Tresor. Bei Widerstandsgrad 0 liegt der Versicherungswert für Privatpersonen bei bis zu 40.000 Euro, im Gewerbebereich nur bei 10.000 Euro. Wichtig bei Gold: Prüfen Sie bei starken Preissteigerungen regelmäßig, ob der Tresor noch ausreicht. Viele haben sich vor Jahren einen Tresor mit 40.000 Euro Maximalwert gekauft, danach hat sich der Goldpreis verdoppelt und niemand hat daran gedacht, dass der Tresor dafür nicht mehr reicht.
Viele wissen nicht, dass die Versicherungssumme direkt vom Tresor-Widerstandsgrad abhängt. Was sollten Anleger beachten, damit die Versicherung im Ernstfall zahlt?
Wichtig ist eine Zertifizierung nach EN 1143-1 durch ein unabhängiges Institut, etwa VdS Schadenverhütung oder ECB·S. Erkennbar ist sie an einer Plakette an der Türinnenseite. Die meisten Baumarkt-Tresore für 70 bis 200 Euro sind nicht zertifiziert. Klären Sie zudem mit Ihrer Versicherung, ob sie das gewählte Wertbehältnis akzeptiert, und führen Sie eine Wertgegenstandsliste mit Anschaffungswert, Verkehrswert, Foto und Kaufbeleg. Damit können Sie im Einbruchsfall nachweisen, was im Tresor lag, und die Polizei kann die Stücke zur Fahndung ausschreiben.
Was ist der häufigste Fehler, den Sie bei privaten Käufern erleben: zu klein, falscher Standort oder falsches Schloss?
Alle drei kommen häufig vor. Ein Tresor ist schneller zu klein, als man denkt: Wertvolle Uhren lagern häufig samt Originalverpackung darin, dazu kommen Ordner mit Dokumenten. Beim Standort verstecken die meisten Kunden ihren Tresor im Keller, obwohl dies der ungünstigste Ort dafür ist. Dort ist es feucht, ein Tresor ist nicht wasserdicht und man lässt die schöne Uhr am Ende doch auf dem Nachttisch liegen, weil man keine Lust hat, ständig hinunterzulaufen. Besser ist ein Standort nah am tatsächlichen Nutzungsort: für Akten im Büro, für Schmuck und Uhren im Schlaf- oder Ankleidezimmer. Beim Schloss setzen wir heute fast nur noch auf elektronische Modelle, deren Batterie sich leicht von außen wechseln lässt, denn trotz Warnsignalen vergessen viele Kunden den Batteriewechsel.
Haben Sie konkrete Tipps, wie Edelmetallbesitzer ihren Tresor am besten organisieren können?
Die wenigsten haben nur einen Goldbarren, meist ist es eine Mischung aus Münzen und kleinen Barren, die sich schlecht sauber stapeln lassen. Mein Tipp sind einheitlich große, stapelbare und beschriftbare Dosen, zum Beispiel aus dem Baumarkt, die vor Feuchtigkeit schützen. Sie können den aktuellen Wert notieren und behalten den Überblick. Ich habe schon Tresore erlebt, in denen Münzen und Barren so ungeordnet lagen, dass beim Öffnen der Tür alles herausfiel.
Ihre Signature Safes sehen eher wie Möbelstücke als wie Tresore aus. Muss ein Tresor heute auch etwas hermachen?
Absolut. Sobald ein Tresor nicht mehr im Keller steht, sondern im Ankleidezimmer oder Wohnbereich, muss er sich in das Wohnumfeld einfügen. Bei den Signature Safes zieht man eine Schublade auf und Uhren und Schmuck liegen schön aufgereiht vor einem. So wird der Tresor vom reinen Aufbewahrungsort zur Schatzkiste, die man gern öffnet.
Zum Schluss: Wohin entwickelt sich die Tresorbranche in den nächsten zehn Jahren?
Ich komme aus der IT-Industrie und arbeite seit zehn Jahren im Familienunternehmen daran, wie man mobile Endgeräte mit dem Tresor verbindet. Unsere Safe Agent-App ist hierbei ein erster Schritt, denn viele Menschen wissen gar nicht genau, was in ihrem Tresor liegt. Der nächste Schritt ist die Antwort auf die Frage, wie wir virtuelle Vermögenswerte absichern, etwa Kryptowährungen mit ihren Seed Phrases oder den digitalen Nachlass. Außerdem arbeiten wir seit zwei Jahren an berührungsloser Gesichtserkennung, die gegenüber dem Fingerabdruck von Vorteil ist. Allerdings braucht sie gute Lichtverhältnisse und die meisten Tresore stehen im Keller oder im Dunkeln. Einen Prototyp haben wir bereits vorgestellt, der nun noch zertifiziert werden muss, und hier sind wir auf einem guten Weg.
Bildquelle: Fotograf: Thorsten Hennig / Hartmann Tresore








