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55 Jahre Nixon-Schock: Der Tag, an dem der Dollar sein Gold verlor

14. August 2026
55 Jahre Nixon-Schock: Der Tag, an dem der Dollar sein Gold verlor

Am Abend des 15. August 1971 verkündete US-Präsident Richard Nixon eine Entscheidung, die das Weltwährungssystem verändern sollte: Er setzte die Einlösbarkeit des Dollars in Gold „vorübergehend“ aus. Ausländische Zentralbanken und Regierungen konnten ihre Dollarbestände fortan nicht mehr zum garantierten Preis von 35 US-Dollar je Feinunze gegen amerikanisches Gold eintauschen. Das Goldfenster blieb für immer geschlossen – eine neue Ära des Geldes begann.

Bretton Woods: Stabilität mit eingebautem Verfallsdatum

Die Grundlagen der Währungsordnung waren im Juli 1944 gelegt worden. Die beteiligten Staaten banden ihre Währungen zu festen, aber anpassbaren Kursen an den Dollar. Die USA garantierten ausländischen Währungsbehörden dessen Umtausch in Gold. Der Dollar wurde zur Leit- und Reservewährung, Gold blieb der Vertrauensanker.

Bretton Woods schuf stabile Bedingungen für Wiederaufbau, Wachstum und Welthandel. Auch die Bundesrepublik profitierte: Feste Wechselkurse und eine zeitweise unterbewertete D-Mark begünstigten ihren Aufstieg zur Exportnation und den Aufbau großer Goldreserven.

Doch die Weltwirtschaft benötigte immer mehr Dollar. Je mehr davon ins Ausland gelangten, desto unglaubwürdiger wurde das Versprechen, sie gegen die begrenzten US-Goldbestände einzutauschen. Dieses Triffin-Dilemma verschärfte sich durch amerikanische Defizite, den Vietnamkrieg und steigende Inflation. Als 1968 der London Gold Pool zerbrach, entstand bereits ein Zwei-Preis-System: Neben dem offiziellen Kurs wurde Gold privat zu freien Marktpreisen gehandelt.

15. August 1971: Das Goldfenster schließt sich

Unter strengster Geheimhaltung berieten Nixon und seine Wirtschaftsberater in Camp David. Das verkündete Programm umfasste neben der Schließung des Goldfensters einen 90-tägigen Lohn- und Preisstopp sowie einen Aufschlag von zehn Prozent auf zollpflichtige Importe.

Nixon präsentierte das Paket als Schutz amerikanischer Arbeitsplätze und als Verteidigung des Dollars gegen Spekulanten. In den USA stiegen zunächst Aktien- und Anleihekurse. Im Ausland schlossen dagegen mehrere Devisenmärkte, der Dollar geriet unter Druck und Reisende hatten Schwierigkeiten, ihn einzutauschen. Es war die „Nixon-Geldklemme“.

Bretton Woods endete nicht in einem Schritt. Mit dem Smithsonian Agreement vom Dezember 1971 wurde der Dollar abgewertet und der offizielle Goldpreis auf 38 Dollar angehoben – ohne das Goldfenster wieder zu öffnen. Im Februar 1973 folgte eine weitere Abwertung auf 42,22 Dollar. Im März gingen die großen Währungen zu flexiblen Wechselkursen über: Bretton Woods war endgültig Geschichte. Das Jamaica-Abkommen von 1976 und die 1978 geänderten IWF-Statuten besiegelten die Entmonetarisierung des Goldes auch institutionell.

Gold verschwand nicht – seine Rolle veränderte sich

Der Dollar blieb die wichtigste Reserve- und Handelswährung – nun jedoch ohne Einlösungsversprechen in Gold. Zentralbanken gewannen größere Spielräume. Zugleich hing die Geldwertstabilität stärker vom Vertrauen in Institutionen und eine verantwortungsvolle Finanzpolitik ab.

Das Ende der Goldbindung war nicht die alleinige Ursache der hohen Inflation der 1970er-Jahre; auch Ölpreisschocks und expansive Politik trugen dazu bei. Dennoch war eine äußere Grenze für die Schaffung von Geld und Kredit gefallen. Gold wandelte sich vom Währungsanker zum frei gehandelten Reserve- und Anlagewert. Sein Preis vervielfachte sich langfristig, allerdings unter erheblichen Schwankungen. Gold ist daher vor allem als langfristige Absicherung gegen Währungs-, System- und Vertrauensrisiken zu verstehen.

Eine Rückkehr zum Goldstandard zeichnet sich nicht ab. Dennoch gewinnt Gold im modernen Finanzsystem wieder an Bedeutung. Das zeigt sich auch an Basel III. Hinter diesem Begriff stehen internationale Regeln, die Banken stabiler machen sollen. Sie legen unter anderem fest, wie viel Eigenkapital eine Bank zur Absicherung ihrer unterschiedlichen Vermögenswerte vorhalten muss. Physische Goldbarren können dabei unter bestimmten Voraussetzungen mit einem Risikogewicht von null bewertet werden. Der Grund: Anders als bei einer Anleihe oder einem Kredit gibt es bei physischem Gold keinen Schuldner, der zahlungsunfähig werden kann.

Gleichzeitig haben Zentralbanken ihre Goldbestände in den vergangenen Jahren durch außergewöhnlich hohe Käufe ausgebaut. Damit verteilen sie ihre Reserven auf mehrere Anlageformen und verringern ihre Abhängigkeit von einzelnen Währungen und politischen Risiken. Gold ist heute zwar kein offizieller Wertmaßstab mehr, aber weiterhin ein weltweit anerkanntes Reservevermögen. 55 Jahre nach dem Nixon-Schock zeigt sich damit: Nixon konnte den Dollar von Gold lösen – die monetäre Bedeutung des Edelmetalls beseitigen konnte er nicht.

 

Bildnachweis: Fancy/Veer/Corbis
Bildnummer: 97558026
Bildquelle: GettyImages.de

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