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Goldreport 10/26: Zinsen, Dollar und Inflation sorgen für Verschnaufpause

Posted in: Top News Goldreport
30. Oktober 2026
Goldreport 10/26: Zinsen, Dollar und Inflation sorgen für Verschnaufpause

Der Goldpreis fiel im Oktober in Richtung der Marke von 4.000 Dollar, zeitweise sogar darunter. Kurz vor dem Monatsende er ein Minus von 2,9 Prozent. Hauptgrund für den wachsenden Verkaufsdruck waren die gestiegenen Anleiherenditen, die dem zinslosen Edelmetall zunehmend Konkurrenz durch verzinste Anlagen bescherte (-> Opportunitätskosten).

Anleihemärkte und Zinssorgen prägen den Oktober

Der Goldpreis stand im Oktober unter signifikantem Druck. Verantwortlich dafür waren vor allem steigende Anleiherenditen (insbesondere in den USA und Frankreich), ein starker Dollar und anhaltende Inflationssorgen. Besonders deutlich zeigte sich die Nervosität an den US-Anleihemärkten. Die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen kletterten zeitweise über 5,3 Prozent und markierten damit den höchsten Stand seit 24 Jahren, während dreißigjährige Papiere sogar mehr als 5,6 Prozent abwarfen. Für Goldanleger ist diese Entwicklung problematisch: Da das Edelmetall keine laufenden Zinsen bietet, erhöhen steigende Anleiherenditen stets die Opportunitätskosten einer Goldanlage.

Zusätzlichen Gegenwind verursachte der Dollar. Der Dollarindex, der die amerikanische Währung mit sechs wichtigen Devisen vergleicht, bewegte sich gegen Monatsende knapp unter seinem Jahreshoch. Da Gold international überwiegend in Dollar gehandelt wird, verteuert eine starke US-Währung das Edelmetall für Käufer außerhalb des Dollarraums und kann dadurch die Nachfrage bremsen.

Frankreichs Schuldenkrise belastet Europas Anleihemärkte

Auch in Europa sorgten die Anleihemärkte für Unruhe. Die politische und finanzpolitische Krise in Frankreich ließ die Risikoprämien französischer Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen kräftig steigen. Der wachsende Renditeabstand (aktuell: 157 Basispunkte), auch Spread genannt, verdeutlichte die zunehmende Skepsis der Investoren gegenüber der französischen Haushaltslage.

Als weiterer Belastungsfaktor erwies sich der Ölpreis. Hohe beziehungsweise stark schwankende Energiepreise schürten Inflationsängste und erhöhten die Wahrscheinlichkeit einer längerfristig restriktiven Geldpolitik. Die Aussicht auf anhaltend hohe Leitzinsen und steigende Realrenditen dämpfte die Attraktivität von Gold. Damit geriet dessen traditionelle Funktion als Inflationsschutz etwas in den Hintergrund. Entscheidend für die weitere kurzfristige Goldpreisentwicklung bleibt, ob die Anleiherenditen und der Dollar auf hohem Niveau verharren oder wieder nachgeben.

Robert Hartmann, Mitgründer des Edelmetallhändlers pro aurum, sieht in den Anleihemärkten die größte Gefahr für die Finanzstabilität. Er weist seit Monaten darauf hin, dass die ausufernden Staatsschulden und eine beginnende Vertrauenskrise großer Kapitalsammelstellen gegenüber Staatsanleihen die größte Bedrohung darstellen. Zweifelten Anleger an der Risikotragfähigkeit von Staaten, könnten die Renditen betroffener Länder kaskadenartig steigen. Er sagt: „Ich gehe davon aus, dass die Notenbanken dann wieder mit Anleihekäufen eingreifen werden. Ob dieses Kalkül dieses Mal aufgeht, bleibt abzuwarten“.

Terminmärkte und ETF-Sektor im Blick

Während steigende Anleiherenditen und ein starker Dollar den Goldpreis belasteten, gingen von den Terminmärkten und dem ETF-Sektor unterschiedliche Impulse aus. An den Futures-Börsen verstärkten kurzfristig orientierte Anleger durch den Abbau spekulativer Positionen den Verkaufsdruck. Dagegen erwiesen sich die anhaltenden Zuflüsse in physisch besicherte Gold-ETFs als stabilisierender Faktor.

In den Monaten Juli bis September schwankten die weltweiten ETF-Zuflüsse laut World Gold Council (WGC) zwischen 23,5 und 120,4 Tonnen und repräsentierten insgesamt eine Goldmenge in Höhe von fast 212 Tonnen. Im Oktober geriet dieser Trend zwar ins Stocken, in den ersten drei Oktoberwochen beliefen sich Zuflüsse aber auf immerhin zehn Tonnen Gold. Von der US-Terminbörse gab es hingegen keinen Rückenwind. Laut jüngstem Commitments-of-Traders-Report der US-Aufsichtsbehörde CFTC reduzierten große Terminspekulanten (Non-Commercials) ihre Netto-Long-Position (mehrheitlich optimistisch gestimmt) seit Ende September von 218.600 auf 199.900 Futures (-8,6 Prozent) und unterschreiten damit den Stand von Ende Dezember sogar um 13,5 Prozent.

Notenbanken generieren Rückenwind

Die Zentralbanken blieben hingegen ein wichtiger Nachfragefaktor. Nach WGC-Angaben stockten sie ihre Goldreserven im August per saldo um 39 Tonnen auf. Seit Jahresbeginn summierten sich die gemeldeten Nettokäufe damit auf 170 Tonnen. Zu den besonders aktiven Käufern gehörten China, Polen und Usbekistan. Chinas Notenbank setzte ihre Goldkäufe im September fort und meldete mit plus 23 Tonnen den stärksten Goldkauf seit drei Jahren und den 23. Monatlichen Zuwachs in Folge.

Die anhaltende Kaufbereitschaft vieler Notenbanken dürfte vor allem mit dem Wunsch zusammenhängen, Währungsreserven breiter aufzustellen und die Abhängigkeit von Staatsanleihen zu reduzieren. Hartmann erwartet, dass sich dieser Trend fortsetzt: „Ich bin überzeugt, dass insbesondere die Notenbanken Chinas und einiger ehemaliger Ostblockstaaten ihre Goldreserven weiter aufstocken. Dort werden Staatsanleihen im Gegensatz zur Vergangenheit eher untergewichtet bleiben.“

Damit stehen kurzfristig belastenden Terminmarktbewegungen weiterhin längerfristig orientierte Käufer gegenüber. Für die weitere Goldpreisentwicklung dürfte entscheidend sein, ob die Nachfrage von ETFs und Zentralbanken den Verkaufsdruck spekulativer Marktteilnehmer auch künftig ausgleichen kann.

Auf Tuchfühlung mit charttechnischer Unterstützung

Nach der monatelangen Korrektur am Goldmarkt rückt eine wichtige Kursmarke zunehmend in den Mittelpunkt: 4.000 Dollar. Ein weiterer Rückschlag in Richtung dieser psychologisch bedeutsamen Schwelle könnte darüber entscheiden, ob der Goldpreis einen tragfähigen Boden ausbildet oder zunächst weiter nachgibt. Für Anleger stellt sich damit die Frage, ob die jüngste Kursschwäche bereits eine günstige Gelegenheit zum schrittweisen Wiedereinstieg bietet oder weiterhin Geduld gefragt ist.

Aus charttechnischer Sicht gibt es trotz des jüngsten Rückschlags Anzeichen für eine mögliche Stabilisierung. So hat die Abweichung des Goldpreises von seiner 200-Tage-Linie mittlerweile ein Niveau erreicht, das zuletzt Ende Juli zu beobachten war. Damals bildete das Edelmetall einen kurzfristigen Boden aus, bevor eine deutliche Erholung einsetzte.

Robert Hartmann bewertet die länger anhaltende Schwächephase der Edelmetalle vergleichsweise gelassen. Er erklärt: „Die Korrektur an den Edelmetallmärkten zieht sich schon über rund 10 Monate. Das ist meines Erachtens ein gesundes ‚Luftholen‘ für den nächsten Aufschwung“. Angesichts der bisherigen Kursverluste hält er eine nachhaltige Bodenbildung zunehmend für möglich. Während zu Jahresbeginn noch eine Reduzierung überhöhter Edelmetallbestände sinnvoll gewesen sei, sieht Hartmann inzwischen wieder Chancen, die Edelmetallquote im Portfolio schrittweise anzuheben.

Negative Realzinsen als langfristige Unterstützung für Gold

Seinen Optimismus begründet Hartmann vor allem mit den langfristigen Inflationsrisiken. Er bezweifelt, dass die Notenbanken ihre Inflationsziele von zwei Prozent dauerhaft erreichen können. Steigende Energiepreise verteuern die Produktion und belasteten die Wettbewerbsfähigkeit energieintensiver Unternehmen. Produktionsverlagerungen in Länder mit günstigeren Rahmenbedingungen könnten den Preisdruck zusätzlich verstärken.

Entscheidend sei deshalb nicht allein die nominale Verzinsung von Staatsanleihen, sondern deren tatsächlicher Ertrag nach Inflation und Steuern. Hartmann verweist auf zehnjährige Bundesanleihen mit einer Rendite von 3,3 Prozent, bei denen Anleger unter seinen Annahmen einen realen Verlust von etwa 1 bis 1,5 Prozent hinnehmen müssten. Negative Realrenditen verringern die Attraktivität verzinslicher Anlagen gegenüber Gold. Hartmann bezeichnet dieses Umfeld deshalb als „Treibsatz für weiter steigende Goldkurse“.

Ob sich seine positive Einschätzung bestätigt, hängt kurzfristig allerdings auch von der Charttechnik ab. Solange die Marke von 4.000 Dollar verteidigt wird, bleibt eine Stabilisierung möglich. Ein nachhaltiger Bruch dieser Unterstützung könnte dagegen eine weitere Verkaufswelle auslösen.

Drei Fragen an die Privatkunden von pro aurum

An der von pro aurum im Internet durchgeführten Edelmetall-Stimmungsumfrage beteiligten sich im Oktober 240 Personen (September: 273). Die Kaufbereitschaft hat dabei weiter zugenommen: Der Anteil der Käufer stieg von 51,6 auf 57,5 Prozent. Gleichzeitig ging der Anteil der abwartenden Anleger von 40,7 auf 36,3 Prozent zurück. Die Verkaufsbereitschaft sank leicht von 7,7 auf 6,2 Prozent. Trotz des Rücksetzers beim Goldpreis nutzen also mehr Befragte das niedrigere Preisniveau für Zukäufe.

Bei der Bewertung der Edelmetallpreise zeigt sich ein deutlich zurückhaltenderes Bild. Nur noch 22,5 Prozent der Befragten halten Edelmetalle für unterbewertet, nach 28,6 Prozent im September. Der Anteil derjenigen, die von einer Überbewertung ausgehen, stieg kräftig von 19,8 auf 30,0 Prozent. Mit 47,5 Prozent (September: 51,6 Prozent) hält weiterhin knapp die Hälfte die aktuellen Preise für fair bewertet, die Mehrheit ist damit allerdings verloren gegangen.

Bei der Frage nach der Preisentwicklung im kommenden Quartal hat sich die Stimmung leicht eingetrübt. 45,0 Prozent der Befragten rechnen mit steigenden Preisen (September: 48,3 Prozent), 20,0 Prozent erwarten fallende Kurse (September: 17,6 Prozent). Eine Seitwärtsbewegung prognostizieren 35,0 Prozent nach zuvor 34,1 Prozent. Insgesamt zeigt die Oktober-Umfrage damit eine weiter gestiegene Kaufbereitschaft, während die Zuversicht hinsichtlich der Preisentwicklung leicht nachgelassen hat und Edelmetalle häufiger als überbewertet gelten.


Bildquelle: pro aurum / Composing

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