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Goldpreis zwischen Zinsdruck und anhaltender Nachfrage

Posted in: Top News Gold
29. Oktober 2026
Goldpreis zwischen Zinsdruck und anhaltender Nachfrage

Die US-Notenbank hält ihre Zinsen konstant, doch Gold gerät weiter unter Druck: Am Donnerstagmorgen kostete die Feinunze zeitweise rund 4.024 US-Dollar. Zugleich flossen zuletzt Milliarden in Gold-ETFs, und Zentralbanken stockten ihre Reserven auf. Wie passt das zusammen?

Fed-Zinspause bedeutet keine Entwarnung

Am 28. Oktober beließ die Federal Reserve den Leitzinskorridor bei 3,75 bis 4,00 Prozent. Zwei der zwölf stimmberechtigten Mitglieder wollten den Zins um 0,25 Prozentpunkte anheben. Die Inflation bleibt erhöht, während die US-Wirtschaft laut Fed kräftig wächst. Ob im Dezember eine weitere Zinserhöhung folgt, bleibt offen.

Für Gold zählen vor allem die Erwartungen an Zinsen und Inflation. Steigen die realen Renditen von Staatsanleihen, werden verzinsliche Anlagen gegenüber Gold attraktiver, das selbst keine Zinsen abwirft. Ein festerer US-Dollar kann ebenfalls belasten. Vor der Fed-Sitzung war Gold zeitweise unter 4.000 Dollar gefallen.

Warum Gold auch in unsicheren Zeiten fallen kann

Zwei weitere Faktoren könnten den Rückgang erklären. Erstens treiben hohe Ölpreise die Inflationssorgen. Das kann die Fed veranlassen, ihre Geldpolitik länger restriktiv zu halten. Geopolitische Konflikte wirken damit nicht automatisch preisstützend: Über Energiepreise und Zinserwartungen können sie Gold sogar unter Druck setzen.

Zweitens kann die Lage an den Aktienmärkten Verkäufe auslösen. Nach Einschätzung von Commerzbank-Analyst Carsten Fritsch könnten Investoren Gold veräußert haben, um Verluste bei Aktien auszugleichen oder zusätzliche Sicherheiten für kreditfinanzierte Geschäfte bereitzustellen. Solche „Margin Calls“ können auch liquide Anlagen wie Gold treffen. Als Erklärung ist das plausibel, aber nicht eindeutig nachgewiesen.

Rekordzuflüsse zeigen das anhaltende Interesse an Gold

Umso auffälliger sind die Daten des World Gold Council: Im September flossen weltweit netto rund zehn Milliarden US-Dollar in physisch besicherte Gold-ETFs. Im dritten Quartal erreichten die Zuflüsse mit 31 Milliarden Dollar einen Rekord. Die hinterlegten Goldbestände stiegen im Quartal um 211 Tonnen auf 4.256 Tonnen Ende September – obwohl der Goldpreis allein im September um 8,5 Prozent nachgab.

Ein Widerspruch ist das nicht. Während ETF-Anleger Goldbestände aufbauten, reduzierten andere Marktteilnehmer ihre Positionen am Terminmarkt. Zusammen mit gestiegenen US-Anleiherenditen und einem stärkeren Dollar trug das laut World Gold Council zur Preisschwäche bei. Hohe ETF-Zuflüsse bedeuten also nicht, dass sämtliche Anlegergruppen gleichzeitig kaufen.

Auch Zentralbanken bleiben wichtige Nachfrager. Weltweit erwarben sie im zweiten Quartal netto 289 Tonnen Gold. Chinas Zentralbank stockte ihre Reserven im dritten Quartal um 63 Tonnen auf. Dabei spielt auch das Interesse eine Rolle, Reserven breiter zu streuen und die Abhängigkeit von einzelnen Währungen und Schuldnern zu begrenzen.

Genau darin liegt der Unterschied zwischen kurzfristiger Preisentwicklung und langfristiger Anlageentscheidung. Hohe Nominalzinsen schützen nicht zwangsläufig vor Kaufkraftverlusten: Entscheidend ist, was nach Inflation und gegebenenfalls Steuern bleibt. Gerade angesichts hoher Staatsschulden kann zudem bedeutsam sein, dass physisches Gold kein Zahlungsversprechen einer Bank oder eines Staates ist. Diese Eigenschaften können die Nachfrage auch bei hohen Zinsen stützen. Gold bleibt allerdings Kursschwankungen unterworfen und bietet keinen garantierten Inflationsschutz. Auch Kauf- und Verwahrungskosten sind zu berücksichtigen.


Bildnachweis: Neuroshock
Bildnummer: 607063406
Bildquelle: AdobeStock.com 

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