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Ronald Stöferle: Unser Kursziel bleibt bei 2.300 Dollar

Für Sie gelesen

Ende Juni war es so weit: Die zehnte Ausgabe der jährlich erscheinenden Studie „In Gold we Trust“ im Umfang von über 160 Seiten wurde veröffentlicht. Wieder einmal haben die beiden Autoren Ronald-Peter Stöferle und Mark J. Valek von der Liechtensteiner Vermögensverwaltung Incrementum AG das gelbe Edelmetall unter die Lupe genommen. Anlässlich dieses Jubiläums führte pro aurum mit Ronald Stöferle ein Interview.

Herr Stöferle, der Goldpreis hat im ersten Halbjahr 2016 über 23 Prozent zugelegt. Welche Faktoren machen Sie dafür verantwortlich?

Ich glaube, ein ganz wesentlicher Faktor ist die steigende Inflationsdynamik, die sich ab Juli aufgrund des Basiseffekts noch deutlich verstärken wird. Das heißt: Unserer Meinung nach ist Inflation – gemäß der Definition der Österreichischen Schule der Nationalökonomie – die Ausweitung der ungedeckten Geldmenge. In den vergangenen Jahren haben wir vor allem eine Asset-Price-Inflation gesehen: Steigende Aktienkurse und steigende Immobilienpreise waren eine Konsequenz der monetären Inflation. Was wir jetzt langsam sehen, sind wieder steigende Verbraucherpreise. Und das ist genau das, was die Notenbanken – koste es, was es wolle – herbeidrucken wollen. Das Problem dabei ist: Man kann die Inflationsdynamik nicht wie einen Thermostaten regulieren. Das ist ein sehr gefährliches Spiel. Wir sehen, dass die Inflationsdynamik wieder nach oben dreht, was für den Goldpreis sehr positiv ist. Wir sehen aber auch, dass systemische Risiken wieder langsam in den Markt zurückkommen. Hier sind vor allem der „Brexit“, die italienische Bankenkrise sowie die allgemeinen Bankenprobleme zu nennen, die besonders gut durch die gestiegenen CDS-Prämien für die Deutsche Bank zum Ausdruck kommen. Eine unserer Kernthesen des aktuellen Goldreports ist daher, dass sich Gold wieder in einem Bullenmarkt befindet und wir den Bärenmarkt im Dezember beendet haben. Nun dürfen wir uns wieder auf einige schöne Jahre freuen.

Wie sieht Ihr mittelfristiges Kursziel für Gold aus und welche konkreten Anlagetipps haben Sie für Privatinvestoren?

Wir halten – wie im Vorjahr auch – weiterhin an unserem bisherigen Kursziel in Höhe von 2.300 Dollar fest. Bis Juni 2018 sollten wir uns in Richtung dieser Kursregion bewegen. Im Vorjahr wurden wir dafür noch belächelt, mittlerweile scheint es meiner Meinung nach aber doch recht realistisch zu sein, zumal sich Gold wieder in einem Bullenmarkt befindet. Meine konkrete Empfehlung für den Anleger: Zunächst sollte sich jeder einmal die Frage nach der eigenen Motivation stellen. Wieso kaufe ich eigentlich Gold? Will ich es zum Beispiel als Versicherung gegen monetäre Events wie eine Währungsreform, hohe Inflationsraten bis hin zur Hyperinflation oder eine Bankenkrise haben? Dann sollte man physisches Gold kaufen und im näheren Umfeld sicher lagern, um das Gegenpartei-Risiko möglichst gering zu halten. Wer nicht mit dem Worst-Case-Szenario rechnet und mit Gold in erster Linie Performance erzielen möchte, sollte auf andere Instrumente, wie zum Beispiel Minenaktien, Futures, Zertifikate etc., ausweichen. Das ist im Endeffekt genau das, was wir mit unseren Fonds abdecken.

In einem Kapitel Ihres Goldreports beschäftigen Sie sich ausführlich mit dem Thema „finanzielle Repressionen“. Auf welche „Folterwerkzeuge“ müssen sich die Privatanleger künftig noch einrichten?

Da gibt es leider noch sehr viele in der „Werkzeugkiste“ der finanziellen Repression. Ein heißer Kandidat ist natürlich eine Einschränkung des Bargelds, aber auch Negativzinsen gehören zum Repertoire dazu. Wir sehen mittlerweile in fünf wesentlichen Währungsräumen negative Zinsen – vor zwei Jahren hätte das niemand für möglich gehalten. Mittlerweile ist es traurigerweise so, dass man als Finanzmarktteilnehmer in erster Linie damit beschäftigt ist, zu antizipieren, was die Notenbanken wohl als Nächstes machen werden. Und das allein zeigt, wie krank das System eigentlich ist, aber wir können uns sicher sein, dass diese Interventionen munter weitergehen werden.

Es sieht doch sehr danach aus, dass die weltweiten Notenbanken mit ihrer ultraexpansiven Geldpolitik gescheitert sind. Sie bezeichnen die gegenwärtige Lage als „Lose-Lose-Situation“. Gibt es überhaupt keine Chance auf ein Happy End?

Wir haben eine systemische Krise und diese wird nicht nachhaltig lösbar sein, wenn wir nicht an die Wurzeln ihres Ursprungs gehen. Und diese Wurzel liegt mitunter im Geldsystem. Das heißt: Ein Geldsystem, das sich permanent auf Inflationieren beruft und ständig eine aufgeblähte Geldmenge benötigt, bringt nun einmal Probleme mit sich. Seit 2008 haben wir ein instabiles Geldsystem, und die Notenbanker versuchen derzeit, dieses Geldsystem weiter aufrechtzuerhalten. Es wird aber – das hat die Vergangenheit immer wieder gezeigt – auf mittlere oder auch auf lange Sicht zu Änderungen kommen. Grundsätzlich könnte dies jedoch auch schneller eintreten, als viele auf dem Radar haben.

Auf den Punkt gebracht: „In Gold we Trust“

  • Gold ist zurück und befindet sich in einem „Bullenmarkt“.
  • Wachsende wirtschaftliche und politische Unsicherheiten treiben den Goldpreis.
  • Die geldpolitische Expansion geht weiter: Die Bank von Japan und die EZB drucken jeden Monat Geld im Gegenwert einer jährlichen Goldproduktion.
  • Brexit: Die Unsicherheit wird das Wirtschaftswachstum belasten.
  • Die Hoffnung auf eine wirtschaftliche Erholung zerbröselt: Eine US-Rezession kann nicht ausgeschlossen werden.
  • Die Dollarabwertung und steigende Rohstoffpreise könnten zu Inflation bzw. Stagflation führen.
  • Anhaltend niedrige Zinsen führen zu einem Wiedererwachen des Goldinteresses.
  • Incrementum bestätigt das bisherige Kursziel von 2.300 Dollar (bis Juni 2018).

Ansprechpartner

 Ronald Stöferle

Herr Ronald Stöferle

Managing Director, Incrmentum AG


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