Roland Leuschel über die weitreichenden Folgen des Brexit, die Zukunft Europas und Gold

Quer gedacht

Liebe Leser,

in der aktuellen Ausgabe meines Börsenbriefes Krisensicher Investieren finden Sie ein ausführliches Interview mit der Börsenlegende Roland Leuschel. Im Folgenden lesen Sie einige Auszüge dieser hochinteressanten Ausführungen Leuschels, der bis zu seiner genialen Crashprognose des Jahres 1987 den Ruf des ewigen Börsenoptimisten genoss. Nach seinem Volltreffer von 1987 wurde er in den von einfachem Schubladendenken beherrschten Medien allerdings nur noch als Crash-Prophet bezeichnet, obwohl seine sehr differenzierten Analysen und Prognosen diese simple Kategorisierung in keiner Weise rechtfertigen. 

In unserer kurzlebigen Zeit, in der von den Massenmedien vor allem einfache Formeln nachgefragt werden, scheint für differenzierte Analysen und Gedanken einfach kein Platz mehr zu sein. Dabei habe ich erhebliche Zweifel, dass sich die Mehrheit der Bürger tatsächlich mit tumben Erklärungen bis hin zu dreisten Lügen der politischen „Elite“ abspeisen lassen möchte. Der Erfolg von Internetportalen wie goldseiten.de stützt diese Vermutung ebenso wie die weitverbreitete Politikverdrossenheit. 

Doch nun zu den Ausführungen Leuschels über den sinnvollen Ursprung der EU, die Fehlentwicklung der vergangenen Jahre, die Bedeutung des Brexit, die Notwendigkeit der Rückkehr zu einem seriösen Währungssystem und was Sie als Anleger in diesen irren Zeiten tun sollten, um Ihr Vermögen zu schützen und zu mehren.

Frage: Herr Leuschel, Sie leben als Deutscher bereits seit 1963 in Belgien und haben einen zweiten Wohnsitz in Portugal. Sie sind so etwas wie ein Europäer der ersten Stunde. Denn Sie sind damals, also 1963, als junger Finanzanalyst nach Belgien gegangen, um beim Aufbau des ersten europäischen Analystenteams mitzuwirken, das über die Ländergrenzen hinausschauen und eine europäische Ausrichtung haben sollte. Wie denken Sie über Europa? 

Leuschel: Zunächst finde ich es auch heute noch sehr bemerkenswert, dass die europäischen Zweige der Rothschilds in der frühen Nachkriegszeit die Weitsicht hatten, über die Ländergrenzen Europas hinwegzuschauen, um tatkräftig die Europäisierung im Finanzsektor voranzutreiben. Die Idee, den gefährlichen Nationalismus mit Hilfe einer Freihandelszone und enger wirtschaftlicher Zusammenarbeit zu überwinden, war richtig und wichtig. Auch ich und meine deutsche Frau, die ich erst in Brüssel kennengelernt habe, wurden damals von einer regelrechten Europa-Euphorie erfasst, die allerdings sehr gut begründet war, da es ja um einen nicht nur ökonomisch sinnvollen Plan ging, dessen Umsetzung eine bessere Zukunft versprach – was eine Zeit lang ja auch tatsächlich eingetreten ist.

Frage: Wie beurteilen Sie den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union?

Leuschel: Eigentlich bin ich überrascht, dass die Briten mit ihrer Freiheitsliebe und ihrer großen marktwirtschaftlichen und demokratischen Tradition der EU nicht schon viel früher die rote Karte gezeigt haben. Der Austritt GBs ist eine gute Entwicklung für Europa und die ganze Welt, weil er für jedermann sichtbar macht, dass sich die EU in eine falsche Richtung entwickelt hat. 

Die ursprüngliche sehr gute Idee einer Kerngemeinschaft mit assoziierten Mitgliedern wurde aufgegeben zugunsten eines von Größenwahn und ökonomischer Unkenntnis zeugenden Drangs nach purer Größe und Zentralisation. Es sollte zusammengezwungen werden, was ökonomisch nicht zusammen passt. Das kann und wird nicht funktionieren. 

Frage: Die Europäische Union wird inzwischen von vielen Menschen als undemokratischer bürokratischer Moloch wahrgenommen, der mehr Schaden anrichtet als Nutzen zu stiften. Was ist bei der EU falschgelaufen.

Leuschel: Der Austritt Großbritanniens ist ein Schuss vor den Bug selbstherrlich gewordener EU-Politiker, die das Leben, die Wünsche und die Sorgen der Menschen aus den Augen verloren haben bzw. als Berufspolitiker gar nicht mehr kennen. Ich hoffe sehr, dass dieser Warnschuss erhört wird. Nach der bisherigen Reaktion der Junckers und Schulzes bin ich diesbezüglich aber nicht gerade optimistisch gestimmt.

Frage: Sie haben gerade gesagt, dass mit der EU etwas zusammengezwungen werden soll(te), was ökonomisch nicht zusammen passt. Was genau meinen Sie damit?

Leuschel: Ich sehe in der Osterweiterung der EU einen Kardinalfehler, der politischem Wunschdenken entsprungen ist. Großbritannien hat seine Grenzen damals ohne Übergangsregelung geöffnet. Das hat dazu geführt, dass seit 2004 genauso viele osteuropäische

Einwanderer nach Großbritannien gekommen sind wie aus dem gesamten Commonwealth. Allein die polnische Gemeinde ist auf über eine Million Menschen angewachsen. So sehr ich die Polen auch schätze, Einwanderungswellen dieser Dimension erzeugen Ängste und schaffen in großen Teilen der Bevölkerung Unmut. Man mag das bedauern, aber es ist die Realität, die man eben nicht ungestraft ignorieren kann. Der Alleingang von Kanzlerin Merkel in der Flüchtlingsfrage war dann wohl der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat.

Frage: Sie sind bereits in Ihrem Buch „Das Greenspan Dossier“ sehr scharf mit den Zentralbanken ins Gericht gegangen. Wie Recht Sie mit der darin formulierten Kritik damals hatten, kann man eigentlich erst heute ermessen. Wie sehen Sie die Lage jetzt?

Leuschel: „Das Greenspan Dossier“ war uns, das heißt Claus Vogt und mir, eine echte Herzensangelegenheit. Wir brannten regelrecht darauf, dieses Buch zu schreiben, weil wir uns sicher waren, dass der eingeschlagene geld- und staatsschuldenpolitische Weg in die Katastrophe führen wird. Inzwischen hat die finanzielle Repression, das heißt die Enteignung der Sparer längst begonnen, und an den Finanzmärkten wurde eine weitere Spekulationsblase erzeugt, deren Dimension noch sehr viel größer ist als in 2007 oder in 2000, weil dieses Mal neben den Aktienmärkten und einigen Immobilienmärkten vor allem die Rentenmärkte betroffen sind.

Frage: Wie wird es geldpolitisch weitergehen?

Leuschel: Ein Eingeständnis des Scheiterns dieser gefährlichen geldpolitischen Machenschaften und eine freiwillige Umkehr wird es wohl nicht geben. Dazu fehlt den Zentralbankbürokraten nicht nur die Einsicht, sondern auch die Größe. Deshalb rechnen wir mit einer Fortsetzung dieser unseriösen Politik der Umverteilung, welche die Marktwirtschaft zerstört, die Demokratie gefährdet und letztlich zu einer großen Geldentwertung führen wird. Erstmals in der Geschichte befindet sich die ganze Welt in einer Inflationsfalle.

Der Schaden, den diese kurzsichtige Geldpolitik in den vergangenen Jahren bereits angerichtet hat, lässt sich leider nicht mehr abwenden. Es wird zwingend zu einer sehr großen Anpassungskrise kommen, in der die zahlreichen Fehlentwicklungen, Ungleichgewichte und faulen Kredite bereinigt werden. Je länger diese notwendige Bereinigung mit Hilfe der Gelddruckmaschine hinausgeschoben wird, desto größer wird die anschließende Krise. Das lässt sich leider nicht mehr ändern, denn die Fehler der Greenspans, Bernankes und Draghis dieser Welt sind ja längst gemacht, auch wenn uns die Endabrechnung dieser irregeleiteten Politik noch nicht präsentiert wurde.

Frage: Was wäre denn die Alternative?

Leuschel: Die Einführung eines seriösen Währungssystems und die Abschaffung der Allmacht heutiger Zentralbanken. Diese sind zu selbstherrlichen Planwirtschaftsbehörden verkommen, deren Mitarbeiter Gott spielen, weil sie offenbar ernsthaft glauben, dass sie alles besser wissen als der Markt. Das ist eine ungeheuerliche Anmaßung, die jeglicher ökonomischen Einsicht und Vernunft Hohn spricht.

Frage: Wenn es dennoch zur weltweiten Wiedereinführung einer Golddeckung kommen sollte, zu welchem Goldpreis wäre das denn möglich?

Leuschel: Eine konkrete Zahl kann ich hier nicht nennen, aber anhand historischer Vorgaben und bestehender globaler Geldmengen kommt man bei einer Überschlagsrechnung auf einen Unzenpreis im mittleren bis hohen fünfstelligen Bereich. Anerkannte Experten haben eine entsprechende Studie vorgelegt, nach welcher der Goldpreis bei 60.000 $ pro Unze liegen müsste, wenn der US-Dollar wieder an Gold gebunden würde. Denn eine Erhöhung der Goldbestände durch eine Ausweitung der Produktion ist nicht möglich. Genau das ist ja der große Vorteil einer goldgedeckten Währung.

Frage: Was heißt das alles für den Anleger?

Leuschel: Gerade für den Kleinanleger sehe ich eigentlich nur eine Möglichkeit, dem Chaos zu entkommen und das Vermögen zu erhalten, und das ist Gold in Form von Barren und Münzen, die außerhalb des Bankensystems gehalten werden. Darüber hinaus sollten auch Goldminenaktien berücksichtigt werden, um einen Vermögenszuwachs zu erzielen, sowie diverse Beimischungen, wie wir sie in den Depots unseres Börsenbriefes Krisensicher Investieren empfehlen

Goldpreis pro Unze in $, 1997 bis 2016

Goldpreis pro Unze in $, 1997 bis 2016
In Euro gerechnet hat die neue Goldhausse sogar schon 2014 begonnen. Quelle: StockCharts.com

Frage: Blicken Sie optimistisch in die Zukunft?

Leuschel: Im Hinblick auf die völlig unseriöse Geld- und Staatsschuldenpolitik der vergangenen Jahre möchte ich auf diese Frage mit Wilhelm Busch antworten: „Wehe, wehe, wenn ich auf das Ende sehe.“ Dabei dürfen Sie aber nicht vergessen, dass wir hier lediglich über das Ende eines Währungssystems und eines Überschuldungszyklus reden. Im großen Bild der Weltgeschichte ist das nur eine Randnotiz. Deshalb bin und bleibe ich der unverbesserliche Optimist, der ich mein ganzes Leben lang gewesen bin.

Ihr

  

Claus Vogt, Chefredakteur Krisensicher Investieren

PS.: Vergessen Sie nicht: Im Unterschied zu Ihnen müssen Zentralbankbürokraten nichts leisten, um etwas kaufen zu können. Sie bezahlen stattdessen mit Geld, das sie in unbegrenzter Menge aus dem Nichts schaffen können.

Wenn Sie das vollständige Interview mit Roland Leuschel lesen möchten, bestellen Sie noch heute Krisensicher Investieren 30 Tage kostenlos. 

Dieser Beitrag enthält Auszüge aus Claus Vogts Börsenbrief KRISENSICHER INVESTIEREN, den er seit November 2013 gemeinsam mit Roland Leuschel schreibt. Hier verfolgt der ausgewiesene Börsenkenner mit spitzer Feder das Marktgeschehen und unterstützt seine Leser mit fundierten Anlageempfehlungen.


Zum Autor:

Claus Vogt ist Buchautor (Das Greenspan Dossier, Die Inflationsfalle, The Global Debt Trap, jeweils gemeinsam mit Roland Leuschel).

Claus Vogt hat den Beginn einer langfristigen Goldhausse bereits 2001 exakt beim Tiefstkurs von 255 $ vorhergesagt. Gemeinsam mit Roland Leuschel hat er in den Jahren 2000 und 2007 nicht nur rechtzeitig vor dem Platzen der Spekulationsblasen an den weltweiten Aktien- und Immobilienmärkten gewarnt, sondern auch jetzt wieder die aktuelle Krise 2016 prognostiziert. Aktuell untermauern 34 Argumente den Beginn der von Claus Vogt prognostizierten Goldpreis-Rallye. Er ist überzeugt, dass sich Ihnen gerade bei den Goldminenaktien atemberaubende Chancen bieten. Gerade hat der für ihn so wichtige Gold-Preisbänder-Indikator ein Kaufsignal generiert. Jetzt ist die Bahn endgültig frei nach oben.

Gemeinsam mit Roland Leuschel schreibt er den Börsenbrief KRISENSICHER INVESTIEREN. Lesen Sie in der gerade erschienenen Themenschwerpunkt-Ausgabe „Wieviel kostet uns die Flüchtlingskrise“ von KRISENSICHER INVESTIEREN, dem Börsenbrief, der Ihr Vermögen schützt und bewahrt, folgende Themen: „Nur wer die Kosten kennt, kann sinnvolle Entscheidungen treffen“, „Die Schuldenbremse des Grundgesetzes“, „Die Lage der Staatsfinanzen vor der Flüchtlingskrise“, „Auswirkungen des Flüchtlingsstroms in 2015“, „Die Planungen für das laufende Jahr 2016“, „Ausblick 2017/18: Große Finanznöte nach der Wahl“ sowie „Die nächste Rezession führt zu einem sprunghaften Anstieg der Staatsverschuldung - Schützen Sie sich“. Darüber hinaus lesen Sie in der gerade erschienenen August-Ausgabe von KRSIENSICHER INVESTIEREN: „Roland Leuschel im Börsengespräch über die weitreichenden Folgen der Euro-Einführung und die Zukunft Europas“, „Jetzt wird es spannend bei Öl“, „Helikoptergeld ist bullish für Gold“, sowie 2 interessante Kaufempfehlungen abseits der bereits bestehenden Edelmetall- und Shortpositionen, die Ihr Depot noch krisensicherer machen. Handeln Sie jetzt. 

 Claus Vogt

Herr Claus Vogt

Chefredakteur Krisensicher Investieren


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