Good Delivery Standard: Das Maß aller Dinge auf dem Goldmarkt

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Sie sind zweifelsohne der Inbegriff von Reichtum und Wohlstand, in Hollywood-Streifen dienen sie regelmäßig als Requisite und für die meisten Edelmetallanleger sind sie die Krönung eines jeden Goldschatzes: Goldbarren sind die bevorzugte Anlageform, wenn große Geldmengen in Gold investiert werden sollen. Von einem bis zu tausend Gramm gibt es für Privatanleger eine breite Auswahl an Barrengrößen.

Doch was die meisten Investoren nicht wissen: Am Londoner Goldmarkt wird das Edelmetall in diesen Größen üblicherweise nicht gehandelt – und die Handelsgröße dürfte den meisten Goldanlegern nie im Leben in die Hände fallen. Die sogenannten „Good Delivery“-Handelsbarren müssen mindestens einen Feingehalt von 995/1000 aufweisen sowie üblicherweise 400 Unzen, also etwa 12,44 Kilogramm wiegen. Der „Good Delivery“-Standard ist auf dem Goldmarkt inzwischen das Maß aller Dinge – denn die „London Bullion Market Association“, ein Zusammenschluss von Bankern, Händlern sowie Betreibern von Prägestätten, Minen und Lagerstätten, wacht mit strengen Kriterien über die Einhaltung der Eigenschaften, die ein Handelsbarren erfüllen muss. Die sogenannten „LBMA-Benchmarks“ enthalten die entsprechenden Regeln, über die ein Komitee von Branchenvertretern wacht. Dazu gibt es eine regelmäßig aktualisierte Veröffentlichung der London Good Delivery-Listen – dort sind alle Hersteller verzeichnet, welche ihre Goldbarren nach den „Good Delivery“-Regeln herstellen. Aus Deutschland stehen derzeit nur sechs Unternehmen auf der Liste: Die Allgemeine Gold- und Silberscheideanstalt (Pforzheim), Aurubis (Hamburg), C. Hafner (Pforzheim), Heimerle + Meule (Pforzheim) sowie Heraeus (Hanau).

Die Anforderungen für die Aufnahme in die Liste zertifizierter Hersteller sind streng, die Firmen müssen ein solides Produktionsvolumen und den Firmenwert vorweisen, außerdem müssen sie sich einer rigorosen technischen Beurteilung der einzelnen Herstellungsschritte (Gießen, Raffination und Qualitätsprüfung) unterziehen. Auch für die Barren gelten enge Gestaltungsregeln:

• Der Mindest-Goldgehalt muss bei 350 Unzen (etwa 10,9 kg) liegen,

• der maximale Goldgehalt bei 430 Unzen (etwa 13,4 kg).


Das Bruttogewicht des Barren sollte in Feinunzen ausgedrückt werden, genauer gesagt: in einem Vielfachen von 0,025, abgerundet auf die nächsten 0.025 einer Feinunze.

Die empfohlenen Abmessungen für einen Liefergoldbarren liegen bei

• einer Länge von 250 Millimetern mit einer Abweichung von höchstens 40 Millimetern sowie

• einer Breite von 70 Millimetern und einer Abweichung von höchstens 15 Millimetern.

• Ein Good-Delivery-Barren darf maximal 35 Millimeter hoch sein, eine Abweichung um höchstens 10 Millimeter ist erlaubt.

Außerdem sollen die Barren mit einer Seriennummer, einem Stempel des Herstellers, der Angabe der Feinheit sowie dem Herstellungsjahr beschriftet werden.


Für Privatanleger ist der „Good-Delivery“-Standard im Alltag allerdings kaum sichtbar – denn sie greifen auf andere Formate zurück. Ein Beispiel: kleine Barren, die oft auch als „Kinebarren“ bezeichnet werden. Sie weisen ein rückseitig eingearbeitetes Sicherheitsmerkmal in Hologrammform auf, welches auch „Kinegramm“ genannt wird. Eine andere Variante kleiner Barren: „Tafelbarren“ bestehen aus einem Verbund von fünfzig Mini-Barren zu je einem Gramm, die über Sollbruchstellen voneinander getrennt werden könnten. Diese lassen sich im Krisenfall leicht als Tauschmittel und zur Geldsicherung einsetzen.

Die meisten privaten Goldanleger kaufen allerdings, wenn sie sich für einen Barren entscheiden, die Größen ab 100 Gramm. Bevorzugt sind in Deutschland beispielsweise die Barren von Heraeus, ebenso von Umicore oder dem österreichischen Mitbewerber Münze Österreich, Valcambi. Die Barren dieser Unternehmen sind bankengelistet, sie können also weltweit bei Banken gehandelt werden. Die besondere Eignung für den internationalen Handel ist einer der wichtigsten Vorzüge von Goldbarren, zudem ist die Lagerung unkompliziert und die Herstellungskosten sind vergleichsweise gering – dies gilt vor allem für die Gewichte zu 100, 250, 500 und 1000 Gramm. Größen ab 250 Gramm werden üblicherweise gegossen und nicht gestanzt – deshalb sind kleine Barren etwas teurer, sie fallen durch eine glatte Oberfläche und feine Kanten auf. Gegossene Barren haben dagegen eine gröbere Optik und eine raue Oberfläche. Große Goldbarren haben meist auch eine Produktionsnummer.


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