Gold: Starker Rebound nach Ausverkauf

Goldreport

Der August bescherte den internationalen Aktienmärkten mitunter heftige Verluste und dem gelben Edelmetall zumindest ein kleines Comeback. Offensichtlich erinnern sich die Investoren wieder an dessen fast schon verloren geglaubte Fähigkeit, Vermögen wirksam zu schützen. Von dem Anfang des Monats markierten Fünfeinhalbjahrestief hat sich der Goldpreis markant erholt.

Die überraschende Abwertung des chinesischen Renminbis sorgte vor allem an den Aktienmärkten für miese Laune. Die Angst vor einem sich beschleunigenden Abwertungswettlauf traf deutsche Blue Chips aufgrund ihrer enormen Exportabhängigkeit besonders hart. Dass dieses Szenario eine realistische Gefahr darstellt, belegten die nachfolgend zu beobachtenden Abwertungsrunden in Vietnam und Kasachstan.

Robert Hartmann, Gründer und Geschäftsführer von pro aurum, betrachtet die starken Korrekturen an den chinesischen Aktienmärkten jedoch als „völlig normal“, schließlich gingen den jüngsten Turbulenzen exorbitante Kurssteigerungen voraus. Er merkt diesbezüglich aber an: „Bedenklicher sind die Maßnahmen, wie der Staat mit Verboten von Leerverkäufen und der Zuführung von Liquidität versucht, der Baisse ein Ende zu setzen. Langfristig sind Staaten und Zentralbanken die schlechteren Unternehmer.“ Mit Blick auf die Abwertung des Renminbis gibt er zu bedenken, dass die chinesische Währung de facto an den US-Dollar gekoppelt ist und somit seit Mitte 2013 eine deutliche Aufwertung gegenüber anderen Währungen in Asien erlebt hat. Dies hat die Konkurrenzfähigkeit der chinesischen Wirtschaft beeinträchtigt. Für ihn ist die Abwertung daher durchaus nachvollziehbar. Er meint allerdings: „Was die Sache dramatisch macht, ist die Tatsache, dass andere Notenbanken nachgezogen haben. Der Abwertungswettlauf des Papiergeldes geht somit in eine neue Runde.“

WGC meldet gedämpfte Goldnachfrage aus Asien

Mitte August meldete der World Gold Council (WGC) aktuelle Daten zur Entwicklung von Angebot und Nachfrage an den globalen Goldmärkten. Diese fielen tendenziell wenig berauschend aus. So sank die Goldnachfrage im zweiten Quartal auf Jahressicht um 12 Prozent auf 914,9 Tonnen, den niedrigsten Wert seit sechs Jahren. In den vergangenen fünf Jahren lag die durchschnittliche Quartalsnachfrage mit 1.118,7 Tonnen zudem deutlich über dem aktuellen Wert. Zwei Bereiche machten dabeibesonders negativ auf sich aufmerksam: der Schmucksektor sowie der Verkauf von Goldbarren und -münzen. Mit einer Schmucknachfrage in Höhe von 513,5 Tonnen wurde der vergleichbare Vorjahreswert um 14 Prozent unterschritten, während das Interesse an Barren und Münzen sogar einen Rückgang um 15 Prozent p.a. auf 201,4 Tonnen hinnehmen musste. Robert Hartmann rechnet auf lange Sicht nicht mit einem nachlassenden Goldappetit der Chinesen und erwähnt, dass laut jüngster Zollstatistik der Schweiz die Goldausfuhren im Vergleich zum Vormonat um 64 Prozent gestiegen sind, wobei das meiste Gold nach China und Indien floss. Auf kurze Sicht sieht er aber folgendes Problem und erklärt: „Viele Chinesen haben sich beim Börsencrash die Finger verbrannt. Da in China gerne auch mit geliehenem Geld spekuliert wird, kann das mittelfristig schon dazu führen, dass weniger Gelder für Goldkäufe bereitstehen.“

Angstkäufe blieben bislang aus

Bei pro aurum verliefen die Geschäfte mit Edelmetallen angesichts der aktuell kritischen Situation an den Aktienmärkten  vergleichsweise ruhig. Im Gegensatz zu den ersten Jahren der Finanzkrise kam es erheblich seltener zu emotional getriebenen Transaktionen. Insgesamt zeigt sich Hartmann aber zufrieden mit den Umsätzen, schließlich lagen sie im August um rund 25 Prozent über dem Vorjahresniveau. 

Aufgrund seiner starken Verwendung als Industriemetall musste der Silberpreis im August ein neues Sechsjahrestief hinnehmen und wurde unter antizyklischem Aspekt dadurch wieder interessant. Seit 2013 vertreibt pro aurum als exklusiver Vertriebspartner der Royal Canadian Mint für Europa mit großem Erfolg deren 1,5-Unzen-Silbermünze „Polarbär“. Seit Sommer dieses Jahres wurde diese exklusive Partnerschaft auf die neue Multi-Maple-Leaf-Silbermünze ausgedehnt. Sie verfügt bei einer Feinheit von 99,99 Prozent ebenfalls über ein Gewicht von 1,5 Feinunzen, ist aber dicker als der klassische Ein-Unzen-Silber-Maple-Leaf – nämlich 4,5 statt 3,2 Millimeter.

Der neue Multi-Maple-Leaf verfügt zudem über ein besonderes Münzmotiv: Auf der einen Seite der Münze sind drei Blätter des Silberahornbaumes zu sehen, die unterschiedlich groß sind und sich auf einem strukturierten Hintergrund befi nden. Auf der anderen Seite der Münze prangt das von Susanna Blunt entworfene Porträt von Queen Elizabeth II, die sich auf den meisten Kapitalanlagemünzen der Kanadier befi ndet. Bei den beiden kanadischen 1,5-Feinunzen-Silbermünzen – egal, ob „Polarbär“ oder „Multi-Maple-Leaf“ – erhalten Anleger übrigens am meisten Münzsilber für ihr Geld. Die Stücke werden in Tubes zu 15

Münzen verkauft, sodass sich 22,5 Unzen in einer Rolle befinden und 20 Tubes in einer Masterbox erhältlich sind. Durch das hohe Prägeaufkommen genießen kanadische Silbermünzen mittlerweile einen hohen Bekanntheitsgrad, was für Anleger einen wichtigen Vorteil darstellt. Pro Jahr stellen die Kanadier zwischen 10 und 30 Millionen Silber-Exemplare her.

Weltgrößter Gold-ETF verliert an Gewicht

Nachdem die gehaltene Goldmenge des weltgrößten Gold-ETFs SPDR Gold Shares in den Monaten Mai, Juni und Juli sukzessive an Gewicht verloren hatte, scheint im August dieser Trend gestoppt zu sein. So hat sich das Gewicht des physisch besicherten Gold-Vehikels seit Ende Juli von 672,7 Tonnen auf aktuell 681,11 Tonnen (Stand: 26. August) erhöht. Einmal pro Quartal veröffentlicht die Wertpapieraufsichtsbehörde U.S. Securities and Exchange Commission (SEC) eine Rangliste der größten Einzelinvestoren. Diese wurde Mitte August veröffentlicht und beinhaltete eine faustdicke Überraschung. Erstmals seit Jahren reduzierte der vom US-Milliardär John Paulson gemanagte Hedgefonds Paulson & Co. seine Position in nennenswertem Umfang. Ende Juni hielt der Großspekulant par excellence „nur noch“ 9,235 Millionen Anteile an dem Gold ETF. Gegenüber Ende März entsprach dies einer Reduktion um 9,8 Prozent. Nichtsdestotrotz rangiert er mit großem Abstand vor der Nummer Zwei, der US-Investmentbank Morgan Stanley. Sie hat ihre Position kräftig aufgestockt und zwar um 36,8 Prozent auf nunmehr 4,708 Millionen ETFs. Zur aktuellen Analystenmeinung von Morgan Stanley passt dies allerdings weniger, schließlich prophezeien sie dem gelben Edelmetall immerhin das Ende einer Ära und erwarten einen Kurssturz auf 800 Dollar.

Nun stellt sich die Frage, welchen Umstand Anleger beim Abwägen der gegensätzlichen Meinungen stärker gewichten sollten? Eines steht dabei fest: Die Analysten verlieren bei einer falschen Einschätzung – wenn überhaupt – allenfalls an Renommee, die Bank selbst erleidet hingegen Verluste, falls sie falsch liegen sollte. Und diese können beträchtlich sein, schließlich ist die Ende Juni ausgewiesene Position derzeit mehr als 523 Millionen Dollar wert.

Summa summarum mehrten sich im August die negativen Analystenkommentare. Für Robert Hartmann stellt dies allerdings kein Problem dar. Er meint: „Je schlechter die Stimmung, desto wahrscheinlicher ist es, dass ein tragfähiger Boden bei den Edelmetallen ausgebildet werden kann. Große Investmentbanken sind nicht gerade als erfolgreiche Gurus bei der Bestimmung von Wendepunkten an den Finanzmärkten bekannt, da ihre Modelle eher auf Trendfolgeindikatoren beruhen.“ Nur zur Erinnerung: Vor vier Jahren überschlugen sich die Banker geradezu mit optimistischen Prognosen – das Ende vom Lied ist bekannt. Als Kontraindikator sind sie daher geradezu prädestiniert.


Chartanalyse: Der Abwärtstrend seit Ende Januar ist weiterhin intakt

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Obwohl dem Goldpreis in den letzten Wochen zwischenzeitlich eine Erholung bis fast 1.170 US-Dollar gelang, hat sich die Charttechnik noch nicht wesentlich verbessert. Der Abwärtstrend seit Ende Januar ist weiterhin intakt. Die übergeordnet seit nun vier Jahren laufende Baisse ebenfalls. Das Kursgeschehen der letzten Wochen macht nicht den Eindruck, als ob die finale Kapitulation endlich ausgestanden wäre. Die zwischenzeitliche Dynamik ist bereits wieder der bekannten einlullenden Bärenruhe gewichen. Dennoch sollte man die Bullen im saisonal günstigen Monat September keinesfalls abschreiben. Ein erneuter Anstieg Richtung 1.160 US-Dollar ist jederzeit möglich. Aber erst ein Tageschlusskurs klar oberhalb dieser Marke würde im ersten Schritt ein weiteres Anstiegspotenzial bis zur 200-Tage-Linie (1.186 US-Dollar) freischalten. Gleichzeitig würde sich damit aber wohl das Ende des Bärenmarktes deutlich nach hinten verschieben.

Auf der Unterseite brauchen die Bären einen Tagesschlusskurs klar unterhalb von 1.130 US-Dollar, um den ganz kurzfristigen Abwärtstrend weiter am Laufen zu halten. Kurse unterhalb von 1.115 US-Dollar dürften den Abwärtsdruck dann wieder deutlich erhöhen und sollten zügig den finalen Kursrutsch Richtung 980 bis 1.035 US-Dollar einläuten. Viel fehlt den Bären dazu aktuell nicht mehr. Insofern bleibt die Wahrscheinlichkeit hoch, dass wir in den kommenden Wochen endlich das finale Tief am Goldmarkt vermelden können.

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In Euro gerechnet hängen die Goldnotierungen seit Mitte Juli an der Marke von 1.000 Euro. Mal sind es 20 Euro darüber, mal 20 Euro darunter. Unterm Strich läuft der Preis seitwärts. Das ist eher eine ungünstige Entwicklung, denn damit bleibt die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Ausverkaufswelle im Markt. 

Positiver wird es erst mit einem Anstieg über 1.025 Euro. In diesem Fall dürfte die steigende 200-Tage-Linie (1.047 Euro) schnell zurückerobert werden. Auf der Unterseite wartete die nächste Unterstützung um 955 Euro. Sollte der Goldpreis aber in US-Dollar tatsächlich noch bis auf 980 bis 1.035 US-Dollar fallen, würde das auch in Euro nochmals deutlich tiefere Kurse bedeuten. Es empfi ehlt sich daher für die kommenden Wochen, gestaffelte Orders zwischen 950 und 900 Euro in den Markt zu legen. 


Ihr Ansprechpartner bei der pro aurum GmbH: 

Benjamin Summa, Unternehmenssprecher
Telefon: +49 (89) 444 584 344

E-Mail: benjamin.summa@proaurum.de


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