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Folker Hellmeyer: Für mich ist die Aufwärtsbewegung der Edelmetallpreise keinesfalls beendet

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In den letzten Wochen ist es ruhig geworden um den Goldpreis – während sich die Börsen vom Brexit-Schock erholen und ein Hoch nach dem nächsten markieren, legen die Edelmetalle eine Verschnaufpause ein. Folker Hellmeyer, Chefvolkswirt der Bremer Landesbank, stellt dem gelben Metall jedoch ein positives Zwischenzeugnis aus und gibt eine hoffnungsvolle Prognose ab. „Die Edelmetalle haben in diesem Jahr sehr gut performt“, stellt Hellmeyer klar und erinnert daran, dass beim Gold bereits Höchstpreise von 1.380 Dollar erreicht wurden. Ähnlich wie beim Öl sei derzeit eine Korrekturbewegung zu beobachten. „Für mich ist die Aufwärtsbewegung der Edelmetallpreise damit aber keinesfalls beendet“, bekräftigt Hellmeyer. Eine nachhaltige Aufwärtsbewegung werde früher oder später eintreten. Der Anlagestratege empfiehlt, den Anteil der Edelmetalle am frei verfügbaren Vermögen bei mindestens fünf und maximal 20 Prozent anzusiedeln.

Im Gespräch mit „finanzen.net“ geht Folker Hellmeyer auf die aktuellen Gefahren an den Märkten ein – und davon gibt es nach seiner Darstellung einige. Bei Aktien sieht er nach der rasanten Aufholjagd nach dem Absturz infolge des Brexit-Schocks kurzfristig nur bedingt Potenzial auf der Oberseite und hält beim DAX ein Backtesting der 10.000er-Marke für durchaus wahrscheinlich. Besorgt ist Hellmeyer auch über die italienische Bankenkrise, er warnt allerdings vor Übertreibungen bezüglich der Gefahr, die vom italienischen Bankensektor ausgeht. Deutliche Kritik übt Hellmeyer an der Politik der EZB: „Die Destabilisierung des Finanzsektors durch das Niedrigzinsniveau führt dazu, dass die EZB-Zinspolitik auf den Prüfstand gestellt werden muss.“ Folker Hellmeyer geht davon aus, dass die EZB bis 2017/2018 ein Ausstiegsszenario aus der ultralockeren Zinspolitik finden muss – denn spätestens dann dürfte auch die Inflation anziehen. Und diese Entwicklung unterstützt den Goldpreis, denn Gold ist eine klassische Inflationsversicherung.

Kritisch setzt sich Folker Hellmeyer im Gespräch mit „finanzen.net“ auch mit den aufkommenden Zinsfantasien in den USA auseinander. Er bewertet die vermeintlichen Erfolge skeptisch, die mit der Nullzinspolitik in den USA angeblich erreicht wurden: „Der Grund für die zögerliche Haltung der Fed in der Zinspolitik ist eindeutig in der strukturellen Schwäche der US-Wirtschaft zu sehen. Die kleinen Wachstumspflänzchen wurden in der Vergangenheit nur mit drastischer Schuldenausweitung erzielt“, warnt Hellmeyer. Der Konsumaufschwung in den USA sei allerdings nicht aus wiederkehrenden Einkommen erzielt worden, sondern auf Kredit finanziert. Folker Hellmeyer erwartet deshalb eine zögerliche Zinswende in den USA und schließt nicht aus, dass die Federal Reserve sogar wieder quantitative Maßnahmen ergreifen wird.

Ansprechpartner

 Folker Hellmeyer

Herr Folker Hellmeyer

Chefanalyst


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