Buchrezension „Kapitalfehler“ - Bye, bye Finanzkapitalismus

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Die beiden Wirtschafts-Bestsellerautoren und Honorarberater Marc Friedrich und Matthias Weik haben mittlerweile ihr drittes Buch geschrieben und sind damit bereits kurz nach Erscheinen des neuen Werks „Kapitalfehler – Wie unser Wohlstand vernichtet wird und warum wir ein neues Wirtschaftsdenken brauchen“ in der Sachbücher-Bestsellerliste des Spiegel auf Rang 13 gestiegen. Ihre Vorgängerwerke („Der größte Raubzug der Geschichte“ und „Der Crash ist die Lösung“) waren die erfolgreichsten Wirtschaftsbücher der letzten Jahre mit sechsstelliger Auflage. Geheimnis ihres Erfolges ist, dass sie Wirtschaftsbücher schreiben, die ein jeder versteht, und das Ganze gepaart mit Witz, Humor und unkonventionellen Ansätzen – bemerkenswert ist, dass etliche ihrer Prognosen in der Zwischenzeit eingetroffen sind.

Leben im Dauerkrisen-Modus

Trotz deutlich gestiegener Preise für Aktien, Immobilien und Anleihen und angesichts negativer Realzinsen und der Sorgen um die Zukunft von Euro und Bargeld herrscht unter den Deutschen weiterhin ein hohes Maß an Unsicherheit und zugleich ein enorm hoher Informationsbedarf. Deshalb haben Bücher über Finanzkrisen seit Jahren zu Recht Hochkonjunktur. Die beiden waschechten Schwaben Friedrich und Weik kennen sich seit ihrer Kindheit und haben einen Teil ihres Studiums und Berufslebens im außereuropäischen Ausland verbracht und sich dabei ein detailliertes Bild von den globalen Finanzsystemen machen können.

Nichtsdestotrotz haben sie es vorgezogen, ihr neues Buch nicht in Medienhochburgen wie Hamburg oder München oder gar in der Finanzmetropole Frankfurt, sondern im schwäbischen Eislingen vorzustellen – im Herzen des Ländles. Tugenden wie Bodenständigkeit und Sparsamkeit genießen dort häufig noch einen deutlich höheren Stellenwert als im Rest der Welt. Dabei legen die Autoren großen Wert darauf, nicht als Kapitalismusgegner angesehen zu werden – ganz im Gegenteil. Friedrich und Weik outen sich in ihrem dritten Bestseller als überzeugte Kapitalisten, stufen jedoch den gegenwärtigen Finanzkapitalismus als ungerecht und destruktiv ein. Sie sind fest davon überzeugt, dass der Finanzkapitalismus den Realkapitalismus gekapert hat, und wenn diesem jetzt nicht Einhalt geboten wird, der finale Kollaps vorprogrammiert ist. Ihr Credo: Der Crash wird kommen, wobei sich der genaue Zeitpunkt nicht prognostizieren lässt. Zahlreiche Beispiele von Fehlentwicklungen rund um den Globus liefern die besten Anhaltspunkte für diese These.

Finanzwelt: Ohne Regeln geht es nicht

Für Marc Friedrich ist deshalb eines völlig klar – er fordert: „Die Finanzwelt muss definitiv an die Leine genommen werden. Freie Marktwirtschaft ist gut, aber eine Branche muss immer reguliert werden und das ist die Finanzwelt – ansonsten ist die nächste Krise vorprogrammiert.“ Die Finanzbranche neige nämlich durch ihre Gier immer wieder zu Übertreibungen und generiere dadurch Spekulationsblasen. Eine Blase wird durch eine neue, noch größere Blase abgelöst. Friedrich ist sich sicher und erklärt: „Irgendwann können die Steuerzahler und die Notenbanken diese Blasen nicht mehr auffangen. Und dann haben wir ein Desaster mit Riesen-Kollateralschäden – finanziell und gesellschaftlich.“ Außerdem sollte sich jeder darüber im Klaren sein, dass die in den vergangenen Jahrzehnten explosiv gestiegenen Schulden niemals getilgt werden.

In dem Buch „Kapitalfehler“ wird aber nicht nur „schwarzgemalt“. Die Autoren machen auf unzählige irrationale Gegebenheiten aufmerksam, die mit gesundem Menschenverstand offensichtlich nichts zu tun haben. Ab und an geben sie dem Leser aber auch zumindest ein bisschen Hoffnung. Geradezu ins Schwärmen kommen Friedrich und Weik, wenn sie aufzeigen, wie das kleine Island seine Finanzkrise bewältigt hat. Dort habe man nämlich die maroden Banken pleitegehen lassen und nicht die Problemkredite in Form von „bad banks“ dem Steuerzahler überlassen. Man hat stattdessen „good banks“ gegründet. Überschuldeten Kreditnehmern wurden zudem die Schulden erlassen und Banker hat man nicht mit fürstlichen Abfindungen entlassen, sondern zumindest in besonders schweren Fällen ins Gefängnis überstellt.

Der Neoliberalismus der vergangenen Jahrzehnte hat die ungerechte Verteilung des weltweiten Vermögens zweifellos begünstigt. Wenn 0,1 Prozent der Weltbevölkerung 80 Prozent des weltweiten Finanzvermögens besitzen, scheint einiges im Argen zu liegen. Dass zu den reichsten Menschen vor allem Unternehmer wie die Besitzer von Aldi Nord und Süd, Lidl-Chef Dieter Schwarz, Ikea-Gründer Ingvar Kamprad oder H&M-Hauptaktionär Stefan Persson gehören, die sich vor allem dem Billigwahn verschrieben haben und dieses Geschäftsmodell bei ihren Angestellten und Lieferanten geradezu perfektioniert haben, sollte jedem Verbraucher allerdings zu denken geben. Nach Ansicht der beiden Autoren könnten Verbraucher diesen „Kapitalfehler“ durchaus beheben, schließlich hat jeder Einzelne die freie Wahl, was er kaufen möchte und was nicht. Durch das Boykottieren solcher Konzerne könne man nämlich demonstrieren, dass man gegen eine Profitmaximierung um jeden Preis auf Kosten des Allgemeinwohls ist.

Ein großes Problem stellt allerdings die Tatsache dar, dass durch das in den vergangenen Jahren zu beobachtende enorme Wachstum im Niedriglohnsektor bei zugleich rückläufiger Tendenz ordentlich bezahlter Vollzeitstellen mit einem Mindestmaß an sozialer Absicherung Konsumenten geradezu gezwungen sind, ihren Lebensbedarf bei den superreichen „Billigheimern“ zu decken. Insgesamt ziehen die Autoren zudem folgendes Fazit: „Wenn weltweit rund neun Millionen Menschen entscheiden, wofür das global verfügbare Kapital investiert wird und wofür nicht, dann hat das nichts mit freien Märkten und mit Wettbewerb zu tun. Im Gegenteil: Finanzkapitalismus ist schlicht und einfach ganz schlechter Kapitalismus!“ Weik und Friedrich sind überzeugt, dass eine absolut freie Wirtschaft nicht funktioniert. Weil aber auch ihr Gegenteil nicht funktioniert, müssen Märkte Regeln an die Hand bekommen. Ohne diese brächen nämlich Chaos und Anarchie aus.

In dem Buch „Kapitalfehler“ werden die bestehenden Missstände des heutigen Finanzsystems aber nicht nur ausgiebig beschrieben und kritisiert, auf dessen letzten Seiten werden in einem umfangreichen Forderungskatalog zahlreiche konstruktive Lösungsvorschläge vorgestellt und erklärt. Dabei dürfte jedem klar sein, dass die bisherige Medizin der Notenbanken nicht zu einer Gesundung führen wird.


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