Beste Perspektiven für Gold

Ad-hoc Meldungen

Aktien und Gold sind 2017 bislang im Gleichschritt nach oben gelaufen. Die normalerweise übliche negative Korrelation beider Anlageklassen scheint bislang nicht zu greifen. 

Die ersten Wochen nach der Amtseinführung des neuen US-Präsidenten Donald Trump verliefen zu chaotisch und die berechtigten Sorgen um Europa ließen den Krisenschutz ebenfalls glänzen. Mit der Amtseinführung des neuen US-Finanzministers Steven Mnuchin, der jahrelang für die US-Investmentbank Goldman Sachs tätig war, dürfte ein Investment außerhalb des Bankensystems (zum Beispiel Edelmetalle) mehr denn je sinnvoll bleiben. Mnuchin soll nämlich die US-Bankenlandschaft liberalisieren. Für Robert Hartmann, Gründer und Geschäftsführer von pro aurum, spielt diese Deregulierung bislang zwar noch keine Rolle, die Betonung liegt jedoch auf noch. Er geht nämlich davon aus, dass damit frühestens 2018 begonnen werden kann, und meint: „Deregulierung ist für die globalen Finanzsysteme auf jeden Fall kein gutes Signal. Es scheint, als hätte man den Beinahe-Kollaps des Banken- und Finanzsystems im Jahr 2008 schon wieder verdrängt bzw. vergessen.“

Einen starken Einfluss auf die Goldpreise üben traditionell die Terminmärkte und der ETF-Sektor aus. Dort herrscht seit dem Jahreswechsel unisono Kauflaune. So haben zum Beispiel bei Gold-Futures große Terminspekulanten ihre Netto-Long-Position (Optimismus überwiegt) in den ersten beiden Monaten um zwei Drittel von 98.300 auf 163.800 Kontrakte nach oben gefahren und dadurch dem Goldpreis nach oben verholfen. Für erheblichen Rückenwind sorgten aber auch die während dieses Zeitraums registrierten Kapitalzuflüsse im ETF-Sektor, dies- wie jenseits des Atlantiks. Während der weltgrößte Gold-ETF, SPDR Gold Shares, seit Ende Dezember Zuflüsse in Höhe von 18,41 Tonnen auf 840,58 Tonnen verbucht hat, nahm beim deutschen Marktführer XETRA-Gold die gehaltene Goldmenge aufgrund von massiven Käufen institutioneller Anleger sogar um mehr als 43 Tonnen auf über 160 Tonnen zu.

US-Zinssorgen wirken wie ein Bremsklotz

Anfang März setzte beim Goldpreis allerdings eine leichte technische Korrektur ein. Starke US-Konjunkturdaten und „falkenhafte Töne“ diverser US-Notenbanker haben den Dollar gestärkt und das Interesse an Gold leicht schwinden lassen. Das von der US-Terminbörse CME Group entwickelte „FedWatch-Tool“ wies zeitweise eine Wahrscheinlichkeit von fast 80 Prozent aus, dass bereits auf der für Mitte März anberaumten Fed-Sitzung ein Anheben der US-Leitzinsen erfolgen könnte. Für Edelmetallexperte Hartmann stellt dies aber nicht zwangsweise ein Problem für Gold dar. Er sagt nämlich: „Steigende Zinsen sind nur dann eine Gefahr für den Goldpreis, wenn gleichzeitig die Inflation nicht anzieht. Aktuell steigen die Inflationsraten aber mindestens genauso schnell wie die Zinsen.“ Die inflationsbereinigten Realzinsen bleiben daher weiterhin ausgesprochen unattraktiv. Die beiden weltweit wohl wichtigsten Notenbanker, Yellen und Draghi, haben zudem bereits angekündigt, dass sie die Inflationsraten in den kommenden Monaten über den seit Jahren kommunizierten Zielwert von rund zwei Prozent klettern lassen, da sie nicht mit einer dauerhaft erhöhten Teuerungsrate rechnen. Sollte die Teuerung dennoch dynamischer ansteigen als die Renditen, würden die negativen Realzinsen den Anlagenotstand weiter verschärfen. Und dies würde nach Ansicht von Robert Hartmann für Gold sprechen und somit das ideale Umfeld für weiter steigende Edelmetallnotierungen darstellen.

Greenspan zum Goldfan geläutert

Unter den Notenbankern hält sich die Begeisterung bezüglich Investments in Gold normalerweise in Grenzen. Kein Wunder, würde dies doch das Vertrauen in Geld massiv untergraben. Der mittlerweile 91-jährige ehemalige Fed-Vorsitzende Alan Greenspan hat sich in einem Interview für das World Gold Council, einem internationalen Branchenverband der Goldminenindustrie, fast schon als Goldfan „geoutet“. Von 1987 bis 2006 stand er an der Spitze der US-Notenbank und musste während seiner Amtszeit die Crashs im Oktober 1987, im Oktober 1989 und das Platzen der Dotcom-Blase (März 2000) geldpolitisch „regeln“. Nach seiner Amtszeit beriet er zunächst die Deutsche Bank und danach – exklusiv – den Paulson & Co. Hedgefonds, der lange Zeit als größter Einzelinvestor des weltgrößten Gold-ETFs, SPDR Gold Shares, galt, mittlerweile aber auf den siebten Platz abgerutscht ist.

In dem Interview überraschte Greenspan mit interessanten Thesen, die er sich während seiner Amtszeit sicherlich nicht erlaubt hätte. Hinsichtlich der wirtschaftlichen Perspektiven der Industrienationen zeigte sich der erfahrene Geldexperte tief besorgt. Für ihn stellt Gold heutzutage eine ultimative Versicherungspolice dar und deshalb räumt er ihm beste Perspektiven ein. Er geht nämlich davon aus, dass ein signifikantes Anziehen der Inflation letztendlich den Goldpreis ansteigen lassen wird. Investments in Gold seien derzeit eine Versicherung, die sich aber nicht für kurzfristige Gewinne eignet, sondern für einen langfristigen Schutz. Für Greenspan stellt das gelbe Edelmetall eine erstklassige weltweite Währung dar. Weder Gold noch Silber benötigen eine Gegenpartei, wodurch das bei Kreditinstrumenten und ungedeckten Währungen vorhandene Kontrahentenrisiko vermieden wird. Beide Edelmetalle überzeugen durch ihre „inneren“ oder intrinsischen Werte. 

Für uns Europäer dürften aber folgende Greenspan-Statements besonders beunruhigend sein. Er ist nämlich davon überzeugt, dass die EZB weitaus größere Probleme zu bewältigen habe als die Fed. Mit Blick auf die Zukunft des Euro äußerte er gravierende Bedenken und wies darauf hin, dass in den vergangenen Jahren Nordeuropa die Defizite Südeuropas finanziert hat. Dies ließe sich aber nicht ewig fortführen. Der Ex-Notenbanker ist überzeugt, dass die Eurozone nicht funktionieren wird. Aber auch andere wirtschaftliche Großmächte, wie zum Beispiel Großbritannien, Japan und China, würden in Schwierigkeiten stecken. Vor diesem Hintergrund sei es extrem schwierig, künftige geldpolitische Maßnahmen der Notenbanken zu prognostizieren. In solch stürmischen Zeiten sollte Gold daher weiterhin als Anker genutzt werden.

Dirk Müller über Gold, Trump, Fed und die EZB


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