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Hände weg vom "Autobahngold"

 

Ad hoc Meldungen

20.07.16

Hände weg von „Autobahngold“

Autobahngold - Finger weg!Im Urlaub haben Stempelfälscher Konjunktur – wertvollen Schmuck nur bei renommierten Händlern kaufen 

Die Sonne scheint, die Stimmung ist ausgezeichnet und der Strandverkäufer bietet hübsche Schmuckstücke feil. „Alles echt Gold“, wie er sagt und verweist auf die Stempelung auf der Innenseite. Der entspannte Urlauber mag geneigt sein, dem angeblichen Gütesiegel zu vertrauen und seinen Lieben ein wertvolles Souvenir zum Schnäppchenpreis mit nach Hause zu bringen. Doch Vorsicht, warnt unser Goldschmiedeexperte, Stempel ist nicht gleich Stempel. Und gerade in Urlaubszeiten sind viele Betrüger unterwegs.

„Autobahngold“
nennen sich diese bekannten Betrügerwaren, weil sie gerne an untypischen Orten wie Autobahnraststätten, an der Haustüre oder in Urlaubsorten angeboten werden. Immer da, wo gerade kein Experte zu erwarten ist, der den unfairen Deal entlarven könnte. Organisierte Banden sind unterwegs und bieten Uhren, Ringe, Besteck, Pillendöschen oder Zigarettenetuis zu Schnäppchenpreisen an, die sich hinterher nur allzu oft als Billigramsch herausstellen.

 

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Im Mittelalter waren Stempel oder sogenannten „Punzen“ verbindlich geregelt und dienten als Echtheitszertifikat für die Waren. Der Stempel gab Auskunft über den Hersteller, den Ort oder die Stadt sowie über die Feinheit des Metalls. Kontrolliert wurden sie von den jeweiligen Handwerkszünften, die sich damit ein Qualitätssiegel sicherten. Das in Deutschland geltende Gesetz über den Feingehalt der Gold- und Silberwaren stammt noch aus dem Jahre 1884 und ist sehr liberal. Es besagt, dass eine Verpflichtung zur Stempelung generell nicht besteht, also freiwillig ist. Wenn aber gestempelt wird, müssen die gesetzlichen Vorgaben eingehalten werden.
Das ist aber längst nicht immer der Fall, wie die zunehmenden Betrugsfälle zeigen. Woran also erkennt man ein wertvolles Schmuckstück? Ganz sicher nicht am Stempel allein. Denn hier sind Fälschern Tür und Tor geöffnet. Auf wertlosen Tand werden Stempel als Siegel von hoher Reinheit gedrückt und dem Käufer als wertvolles Goldstück angedreht. Besonders in Urlaubsregionen sind immer wieder organisierte Verbrecherbanden unterwegs und bringen falsch gestempelte Waren in den Umlauf.

„Die landen dann oftmals wieder bei mir auf dem Tisch“, weiß Daniel Schröder, der für die Kunden von pro aurum in München Schmuck- und Edelmetallstücke analysiert und bewertet. Häufig hat es der qualifizierte Goldschmiedemeister mit grobgliedrigen Goldkettchen oder breiten Silberringen zu tun, die den gutgläubigen Käufern als wertvoller Schmuck verkauft worden sind. Ganze Serien davon kursieren auf dem Markt und sind unter Kennern als sogenanntes „Autobahngold“ hinlänglich bekannt.

Für den Laien ist es dagegen weitaus schwerer, einen Stempel als Fälschung er erkennen. Da gibt es vermeintliche Goldringe, die mit einem 750-Stempel versehen sind. Das entspräche einem Goldgehalt von 75 Prozent. In Wirklichkeit handelt es sich aber um ein Double, das lediglich mit einer hauchdünnen Goldschicht überzogen ist. Der Großteil des Materials besteht in diesem Fall aus unedlen Metallen und ist so gut wie wertlos.

Schmuck aus reinem Gold gibt es nicht. Das hat praktische Gründe, weil das Edelmetall in seiner reinen Form zu weich zum Verarbeiten wäre. Also werden andere Metalle wie Silber, Kupfer, Nickel oder Zink beigemischt bzw. legiert, um die Stabilität, die Farbe und die Bearbeitungsqualität zu erhöhen. Der Anteil an Gold wird Feingehalt genannt und in Tausendteilen gestempelt. Früher drückte man den Feingehalt bei Gold in Karat, bei Silber in Lot aus. Goldschmuck mit einer 750-Gelbgoldlegierung beispielsweise besitzt überwiegend Goldanteile. Bei einer 585-Stempelung ist der Goldanteil schon deutlich reduziert und bei einer 333-Legierung sollte man schon gar nicht mehr von Goldschmuck sprechen.

Auf die Stempelung ist also nicht zwingend Verlass. Um den wohlverdienten Urlaub zu genießen und kein Geld in den Sand zu setzen, ist gesundes Misstrauen angebracht. „Ich rate daher dringend, wertvolle Edelmetall-Stücke nur beim Juwelier des Vertrauens oder in einem renommierten Fachgeschäft einzukaufen“, betont Schröder. Für den Experten steht fest, dass niemand etwas zu verschenken hat. „Wenn mir jemand ein Schnäppchen anbietet, wäre ich vorsichtig. Denn keiner hat Grund, Gold oder Silber unter Wert zu verkaufen“.

Die Besuchszeiten im Münchner Goldhaus sind zu den üblichen Öffnungszeiten. 


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20.07.16
 

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