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Nach dem Wahl-Chaos: Griechen stürzen sich auf deutsche Goldhändler

Eigentlich sollte es ganz schnell gehen am Mittwochabend in Brüssel – doch die Meldungen, die eine baldige Einigung zwischen Griechenland und den europäischen Geldgebern ankündigten, stellten sich als falsch heraus. Tatsächlich sind die neue griechische Regierung und die Euro-Finanzminister noch meilenweit von einer Einigung entfernt. Nach mehr als sechsstündigen Beratungen gingen Finanzminister Yanis Varoufakis und seine Euro-Kollegen ohne gemeinsame Erklärung auseinander. 

Für die Griechen läuft nun die Zeit ab: Am kommenden Montag, beim nächsten Euro-Finanzminister-Treffen, hat Griechenland nach Einschätzung von Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem die letzte Chance, eine gemeinsame Position mit seinen Geldgebern zu finden. Am 28. Februar endet das aktuelle Hilfsprogramm – gibt es bis dahin keine Anschlussfinanzierung, könnte Griechenland schon bald in den Staatsbankrott rutschen.

Seit der Machtübernahme der linkspopulistischen Syriza-Partei befinden sich Griechenland und die Euro-Partner auf Konfrontationskurs. Griechenland lehnt die bisherigen Absprachen mit der Gläubiger-Troika ab und will auch kein weiteres Hilfsprogramm abschließen. Die Finanzminister der Eurozone lehnen eine Lockerung der Sparauflagen ohne Gegenleistung jedoch ab. Und bisher ist die neue griechische Führung hauptsächlich mit neuen Ideen zum Geldausgeben aufgefallen, nicht aber mit belastbaren Plänen zur Haushaltskonsolidierung. Auch beim Treffen der Finanzminister am Mittwochabend präsentierte Griechenlands Finanzminister Yanis Varoufakis kein neues Konzept und brüskierte damit seine Kollegen aus ganz Europa.

Während ein Großteil der griechischen Bevölkerung offenbar weiterhin hinter dem Crashkurs seiner neuen Regierung steht, ist bei Edelmetallhändlern wie pro aurum ein gewisses Misstrauen vieler Griechen gegenüber der Führung in Athen zu beobachten. Denn immer mehr Griechen steuern den sicheren Hafen Gold an und sichern ihr Vermögen ab – die Nachfrage von griechischen Käufern, die direkt in Deutschland ihr Gold ordern, hat sprunghaft zugenommen. Wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichtet, ist das Kaufvolumen nach dem Sieg des Bündnisses von Syriza und den Unabhängigen Griechen regelrecht „explodiert“.

Und die griechischen Kunden, die bei pro aurum ihr Geld in Gold umtauschen, stellen sich als versierte Kenner des Edelmetall-Investments heraus. Neben modernen Bullionmünzen kaufen sie vor allem die Goldmünze Sovereign aus dem Vereinigten Königreich. Der Umsatz mit dieser Münze ist „signifikant“ gestiegen, wie Geschäftsführer Robert Hartmann sagt. Der Sovereign ist in Griechenland traditionell beliebt, da er als Handelsmünze auf eine lange Geschichte zurückblickt: Die historische Goldmünze wird seit 1489 geprägt. Mit einem Gewicht von genau 7.98805 Gramm und einem Feingehalt von 22 Karat war diese kleine Goldprägung eine der bekanntesten Handelsmünzen Europas. Seit 1957 wird der Sovereign als Anlageprägung erneut mit dem klassischen Bildnis des heiligen St. Georg im Kampf mit dem Drachen ausgegeben.

Bei pro aurum liegen die Umsätze im Januar um bis zu 70 Prozent höher als die Durchschnittswerte in den drei vorherigen Monaten. Mehrmals pro Woche sind Anfragen über 5.000 bis 10.000 Sovereigns eingegangen. „Das erreichen wir nicht alle Tage“, sagt Robert Hartmann, Geschäftsführer von pro aurum. Die Nachfrage ist bereits in den Wochen vor der Wahl gestiegen, „weil sich das Ergebnis schon abgezeichnet hat und deswegen bei vielen Griechen Unsicherheit über die Sicherheit der Banken und des eigenen Vermögens herrschte“, sagte Hartmann. Und die Royal Mint bestätigt den Trend, den pro aurum beobachtet – auch sie stellt eine deutlich erhöhte Gold-Nachfrage aus Griechenland fest und macht dafür „politische und finanzwirtschaftlich unsichere Zeiten“ verantwortlich.


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