Lawinengefahr im Frühsommer

Chartanalyse

Die Preisbewegungen der letzten Wochen waren sowohl beim Gold- als auch bei Silberpreis äußerst heimtückisch. Weder die Bullen noch die Bären konnten sich nachhaltig durchsetzen. Auffällig bleibt der weiterhin vorhandene Abwärtsdruck, welcher aber regelmäßig von steilen Kurserholungen unterbrochen und in Frage gestellt wird. Die überzeugendste Erklärung für dieses Verhalten lautet wohl so: Zahlreiche Marktteilnehmer erkennen die schwache Situation am Goldmarkt und tätigen Leerverkäufe, welche sie dann aber mangels weiterer Kurseinbrüche schnell wieder eindecken müssen. Nach den steilen Kurserholungen rücken aber keine neuen Käufer mehr nach, so dass sich der übergeordnete Abwärtstrend erneut durchsetzt. Diese Fehlausbrüche und verwirrenden Bewegungen charakterisieren einen Bärenmarkt.

Ich bleibe daher skeptisch und will mein „worst case“-Szenario einer finalen Kapitulation am Goldmarkt noch nicht streichen. Vielmehr glaube ich, dass die derzeitige Situation doch wesentlich kritischer ist als das Viele wahrhaben wollen. Gold scheiterte in der vergangen Woche erneut an der granitharten Widerstandszone zwischen 1.210,00$ und 1.220,00 US$. In der Konsequenz wurde Gold am letzten Donnerstag deutlich abverkauft. Zum Wochenauftakt konnten sich die Bullen zwar erneut zurückmelden, mittlerweile bereitet aber schon das Überschreiten der Marke von 1.190,00 US$ große Schwierigkeiten. Schritt für Schritt rutscht der Goldpreis unterm Strich also weiter ab. Kurse unterhalb von 1.180,00 US$ könnten nun jederzeit die Lawine lostreten. Da die beiden kommenden Monate traditionell eher schwächere Kurse für die Edelmetalle bereithalten, könnte die Kapitulation tatsächlich bereits Ende Juni ausgestanden sein. In der Folge sollte ein neuer Bullenmarkt für Gold und Silber beginnen.

Da ich jedoch über keine Glaskugel verfüge, muss ich selbstverständlich auch alternative Szenarien bedenken und durchspielen. Natürlich könnten Gold und Silber ihre vierjährige Baisse durchaus mit einer seitwärtsverlaufenden Bodenbildung beenden. Bis jetzt fehlen dafür aber klare charttechnische Signale.

Eine weitere Option wäre, dass der Bärenmarkt einfach nochmal in die Verlängerung geht. Solange sich die Aktienmärkte gut halten können, wird sich der Goldpreis schwer tun. Da sich in China aber eine gewaltige Spekulationsblase entwickelt, müssen wir mittelfristig mit einem fürchterlichen Crash an den gesamten Finanzmärkten rechnen. Wer sich die Charts aus den Jahren 2007/2008 genau anschaut, wird feststellen, dass der damalige deflationäre Zusammenbruch mit dem Top beim chinesischen Aktienmarkt begann. Auch der Goldpreis kam damals zwischenzeitlich deutlich unter die Räder, bevor er sich zum großen Gewinner der Krise entwickelte. Ein ähnliches Szenario könnte also auch auf Sicht der nächsten ein bis zwei Jahren dafür sorgen, dass Gold zunächst weiter seitwärts dümpelt, dann aber doch noch bis auf etwa 1.035,00US$ fällt, bevor die Finanzmärkte getrieben von wilder Panik im sicheren Hafen Gold Zuflucht suchen werden.

Silber wird in jedem der drei Szenarien dem Goldpreis folgen. Im Idealfall hat Silber aber wie schon mehrmals geschrieben sein Tief im letzten November bei 14,15 US$ bereits gesehen und müsste in den kommenden Wochen zwar schwach, aber oberhalb dieser Marke tendieren.

Unabhängig davon welchen Weg die Edelmetalle kurzfristig einschlagen, sollten sie größere Rücksetzer konsequent nutzen, um ihre physischen Bestände auszubauen.

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