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Inflation kurios: Oktoberfest als Vorbild für die EZB-Politik?

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Seit Jahren versuchen die Notenbanken in aller Welt verzweifelt, etwas zu tun, was auf den ersten Blick sicher nicht im Sinne der breiten Bevölkerung sein dürfte: EZB, Fed und Co. wollen die Inflation befeuern, also zur Preissteigerung beitragen. Doch die Inflation verharrt auf einem Rekordtief – zumindest auf dem Papier. Bei einem genauen Blick lässt sich jedoch feststellen, dass die niedrige Inflation vor allem eine rechnerische Folge der fallenden Energiepreise ist. In vielen anderen Bereichen des täglichen Lebens zahlen Verbraucher weiterhin Jahr für Jahr kräftig drauf.

Ein aktuelles Beispiel rückt der Nachrichtensender „n-tv“ mit einem leichten Augenzwingern in den Fokus: das Münchner Oktoberfest. Hier passiert das, was der Traum von Mario Draghi und Co. sein dürfte: Die Bierpreise steigen seit Jahren verlässlich. In diesem Jahr sind es 10,40 bis 10,70 Euro für eine Maß Bier, im Vergleich zum Vorjahr liegt die Inflation bei Bier also bei einem EZB-Traumwert von 3,11 Prozent. Und der Trend lässt sich noch weiter zurückverfolgen: Im Jahr 1977 war eine Maß noch für umgerechnet unter 1,50 Euro zu haben.

An diesem Rechen-Exempel macht „n-tv“ allgemeinverständlich deutlich, welche Bedeutung die Inflation für die Fiskalpolitik in Europa und anderen Volkswirtschaften hat. Die Theorie: Dauerhaft niedrige Preise könnten Verbraucher und Unternehmen dazu verleiten, Investitionen aufzuschieben – weil die Preise voraussichtlich sogar weiter sinken. Und wenn weniger gekauft wird, leidet die Konjunktur. Nullzinsen, Strafzinsen für Bankeneinlagen und milliardenschwere Anleihen-Kaufprogramme sollen den Konsum anregen – doch die massiven Eingriffe sorgen nicht dafür, dass die Inflation in Richtung der Zwei-Prozent-Marke steigt.

Auf dem Oktoberfest ist die Finanz-Welt dagegen noch in Ordnung – auch wenn dies dem Bierliebhaber womöglich nicht schmeckt. Er muss von Jahr zu Jahr immer mehr Geld für ein erfrischendes Bier berappen und bekommt dafür womöglich von Jahr zu Jahr immer weniger davon. Denn Stichproben ergeben seit Jahren immer wieder, dass sich im Glas weniger Bier befindet als angegeben. Der Grund: Der Schaum zählt nicht mit. Doch aus Sicht der Wirtschafts- und Sozialwissenschaft machen höhere Preise für Bier durchaus Sinn – sie suggerieren, dass die Qualität von teureren Produkten auch höher ist. Außerdem sind teure Produkte auch gleichzeitig Statussymbole – so auch der Maßkrug, gefüllt mit goldenem Gerstensaft?


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