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Gold wird von der EZB-Entscheidung mittelfristig profitieren

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Kurz vor der historischen Entscheidung der Europäischen Zentralbank zum Kauf von Staatsanleihen wollen sich weder Bullen noch Bären allzu weit nach vorne wagen – der DAX hat sich in den vergangenen Tagen rund um das Allzeithoch bei 10.278 Punkten kaum weiterbewegt und auch beim Währungspaar Euro/Dollar sind nur minimale Bewegungen zu erkennen – dies dürfte sich heute um 14.30 Uhr jedoch schlagartig ändern. Doch wie reagieren Gold und Aktien auf die EZB-Entscheidung?

Darüber hat Benjamin Summa, Unternehmenssprecher von pro aurum, für das große Finanzportal „finanzen.net“ mit Robert Halver gesprochen. Der Leiter der Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank zählt zu den vielen Kritikern der EZB-Anleihekäufe: „Mit diesem Schritt betreibt die EZB eine verdeckte Staatsfinanzierung – indem sie die Zinsen künstlich drückt, ermöglicht sie den Ländern eine günstigere Refinanzierung“, bemängelt Robert Halver. Er findet im Gespräch mit „finanzen.net“ deutliche Worte: „Die EZB lässt auch noch die letzten Stabilitätshüllen fallen und steht jetzt in ihrer prallen, nackten Schönheit vor uns. Das stört sie offensichtlich wenig, kann sie doch argumentieren, dass die anderen Notenbanken schon längst stabilitätspolitische Freikörperkultur zeigen.“

Am heutigen Donnerstag steht also eine historische Entscheidung bevor – und an den Finanzmärkten hat das Zittern bereits begonnen. Dax und Euro bewegen sich kaum von der Stelle, für die Zeit nach der EZB-Entscheidung müssen nach Einschätzung von Robert Halver deutliche Kursschwankungen einkalkuliert werden. „Denn nach der Bekanntgabe der Aufkäufe von Staatspapieren könnte für Aktien vorübergehend die Luft raus sein. Die Katze ist sozusagen aus dem Sack“, erklärt Halver. Weil damit aber der Weg für noch mehr Liquiditätsausstattung offen sei und der konjunkturelle Effekt der Liquiditätspolitik der EZB mittelfristig für steigende Umsätze und Gewinne sorgen dürfte, sieht Halver langfristig noch deutliches Aufwärtspotenzial für Aktien.
Noch besser ist Robert Halver derzeit auf Gold zu sprechen. In Euro gerechnet hat der Goldpreis im vergangenen Jahr eine gute Performance geboten – plus neun Prozent. Und auch im Jahr 2015 geht es weiter bergauf. Für Halver bleibt Gold als Bestandteil der Vermögensstruktur eine grundsätzlich gute Absicherung gegen Stabilitätsrisiken. „Bei Gold geht es um die langfristige Werterhaltungsfunktion. Denn für die zuckersüße Rettung der Finanz- und Konjunkturwelt über Schulden mit geldpolitischem Segen werden wir irgendwann die Rechnung erhalten“, warnt Halver. Für ihn zählt bei Gold vor allem der langfristige Besitz, nicht die kurzfristige Rendite: „Wir werden noch dankbar sein, neben Aktien und Immobilien auch Gold zu besitzen.“ Fundamental hält Halver eine Kursbefestigung bei Gold für völlig angebracht, Gegenwind dürfte allenfalls von den Notenbanken kommen, die dem berechtigten Aufwertungsdruck mit konzertierten Aktionen über die Terminmärkte einen Riegel vorschieben.

Nach jüngsten Medienberichten plant die EZB, dass die nationalen Notenbanken jeweils nur die Staatsanleihen ihres eigenen Landes kaufen. Sollte sich die EZB tatsächlich zu diesem Vorgehen entschließen, hält Robert Halver eine enttäuschte Reaktion der Märkte für wahrscheinlich: Die deutsche Bundesbank werde sich dann mit dem Hinweis, doch erst einmal die finalen Urteile des Bundesverfassungsgerichts und des Europäischen Gerichtshofes im Oktober in punkto Staatsanleiheaufkäufe abzuwarten, erst einmal weigern. In jedem Fall steht jedoch eine liquiditätspolitische Schwächung des Euros zur künstlichen Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der Eurozone bevor. Und weil ein starker Dollar die US-Wirtschaft schwächt, dürfte Fed-Präsidentin Janet Yellen keine scharfe Zinswende vollziehen. 

Im Interview mit „finanzen.net“ macht Robert Halver die Tragweite der bevorstehenden Entscheidung der Europäischen Zentralbank deutlich: Selbst wenn die EZB zunächst eine nur „kleine“ Aufkaufsumme nennt, werde sie eine Tür öffnen, die sie kaum mehr schließen kann. „Denn die Finanzmärkte werden sich an diese warmen Liquiditätsspritzen gewöhnen. Wirtschaftsreformen in der Eurozone werden ganz zum Erliegen kommen, was bedeutet, dass die EZB immer mehr Liquidität in die Märkte pumpen wird“, prognostiziert Halver. 


Das ganze Interview können Sie hier lesen

Ansprechpartner

 Robert Halver

Herr Robert Halver

Leiter der Kapitalmarktanalyse Baader Bank


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