Gold: Warten auf den Showdown in Griechenland

Goldreport

Auch im Juni hat sich beim Goldpreis relativ wenig getan. Er pendelte meist unter der Marke von 1.200 Dollar. Heiß diskutiert wurden weiterhin vor allem zwei Themen: die Zinsängste in den USA und die prekäre Finanzlage Griechenlands.

Einen temporären Impuls nach oben erhielt das gelbe Edelmetall aber nicht durch die akut drohende Staatspleite der Griechen, sondern durch die zur Monatsmitte kommunizierten Statements der US-Notenbank Fed. Obwohl die Fed-Chefin wieder einmal konkrete Hinweise bezüglich der ersten Erhöhung der US-Leitzinsen seit 2006 schuldig blieb, interpretierten die Akteure an den Finanzmärkten ihre Aussagen als „relativ locker“. Vor allem die nach unten revidierten Prognosen zum erwarteten Wachstum der US-Wirtschaft in diesem Jahr sorgten für Entspannung. Während die US-Notenbanker im März noch von einem Plus zwischen 2,3 und 2,7 Prozent ausgegangen waren, rechnet man mittlerweile mit einem deutlich weniger dynamischen Wachstum in Höhe von 1,8 bis 2,0 Prozent. Ein Heißlaufen der Wirtschaft, dem mit höheren Zinsen begegnet werden muss, droht demzufolge derzeit eher nicht. 

Schwache Goldnachfrage in den USA  

US-Anleger scheinen von der Werthaltigkeit und Wertbeständigkeit des Dollars gegenwärtig ziemlich überzeugt zu sein. Goldmünzen und Gold-ETFs sind jenseits des Atlantiks zuletzt eher vernachlässigt worden. So rutschte zum Beispiel die gehaltene Goldmenge des weltgrößten Gold-ETFs SPDR Gold Shares im Juni zeitweise unter das Niveau vom September 2008. Nur zur Erinnerung: Vor fast sieben Jahren drohte dem globalen Finanzsystem aufgrund der US-Immobilienkrise und der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers zeitweise der Zusammenbruch. Bis Dezember 2012 gab es dann eine massive Goldflucht zu beobachten, die dem ETF ein Rekordgewicht von über 1.353 Tonnen bescherte. Mit aktuell 705,48 Tonnen ist man davon mittlerweile meilenweit entfernt.

In diesem Zusammenhang weist Robert Hartmann, Gründer und Geschäftsführer von pro aurum, darauf hin, dass die Papierwährungen schon seit geraumer Zeit kranken. Umgerechnet in Gold hätten alle Währungen seit dem Jahrtausendwechsel massiv abgewertet, und für einen Dollar bekäme man heute rund  75 Prozent weniger Gold als damals, gibt er zu bedenken.  „Dank seines Status als Weltreservewährung sehe ich den Dollar als ‚Einäugigen unter den Blinden‘. Angesichts der Probleme in Europa dürfte er sich in den nächsten Monaten gegenüber dem Euro dennoch gut behaupten können“, meint Hartmann. 

Aktuelle forsa-Umfrage über Gold

Deutsche Anleger sind von ihrer eigenen Währung gegenwärtig weitaus weniger überzeugt als die US-Amerikaner. Angesichts der drohenden Staatspleite Griechenlands und möglichen negativen Folgen für den deutschen Steuerzahler stellt dies keine große Überraschung dar. Die von pro aurum in Auftrag gegebene forsa-Umfrage attestierte – trotz der wenig berauschenden Goldpreistendenz der vergangenen Monate – den Deutschen einmal mehr eine positive Einstellung gegenüber dem Krisenschutz Gold. Gefragt nach der Geldanlage, die nach mindestens drei Jahren den höchsten Gewinn erzielen wird, landete das gelbe Edelmetall zum fünften Mal in Folge ganz oben auf dem „Treppchen“.

Trotz rekordhoher Aktienkursniveaus und üppiger Dividendenrenditen schaffte es die Anlageklasse Aktien nicht, Gold von der „Poleposition“ zu verdrängen. In diesem Jahr räumten unter den mehr als 1.000 Befragten 30 Prozent Gold und 23 Prozent Aktien das höchste Gewinnpotenzial ein. Deutlich abgeschlagen entschieden sich 12 Prozent für Fondsanteile, während Festgeld bzw. Termingeld (7 Prozent) und Anleihen (3 Prozent) noch weniger Zuspruch erhielten.

Ein etwas überraschendes Ergebnis lieferte allerdings die Frage, welche Geldanlagen die deutschen Bürger derzeit besitzen. Hier führten mit einer Quote von 9 Prozent Goldbarren und -münzen lediglich die untere Tabellenhälfte an. Damit ging es in den vergangenen beiden Jahren zwar leicht bergauf, das Niveau von Juni 2012 wurde aber lediglich zurückerobert. Damals aber notierte Gold mit 1.600 Dollar um mehr als ein Drittel höher. Das heißt: Trotz niedrigem Goldpreis hat sich die Zahl der Besitzer von physischem Gold nicht verringert. Dies lässt den Schluss zu, dass sich physisches Gold in relativ starken Händen befindet.

Erheblich stärker verbreitet als Gold sind jedoch Lebensversicherungen (34 Prozent), Bausparverträge bzw. Bausparpläne (32 Prozent), Tagesgeldkonten (32 Prozent), Immobilien (27 Prozent), Fondsanteile (23 Prozent), Festgeld bzw. Termingeld (19 Prozent) und Aktien (15 Prozent). Ob sich all diese Anlagen im Falle einer neuen Finanzkrise behaupten werden, bleibt abzuwarten und darf auf jeden Fall bezweifelt werden. Während die Niedrigzinspolitik der EZB für Gold aufgrund der geringen Opportunitätskosten (Zinsverzicht) eher von Vorteil ist, wird es für Versicherer immer schwieriger, den bei Kapitalversicherungen maßgeblichen Garantiezins zu erwirtschaften, geschweige denn zu übertreffen.

Griechenland bleibt ein Kaufargument für Gold

Unabhängig davon, ob Griechenland in den kommenden Monaten die (vorläufige) Rettung oder die (endgültige) Staatspleite erleben wird, für Robert Hartmann dürften sich beide Szenarien auf lange Sicht positiv auf den Goldpreis auswirken. Er geht nämlich davon aus, dass eine Staatspleite Griechenlands die Angst der Anleger schüren würde, dass so etwas auch in anderen EU-Staaten passieren kann. Dabei wirft er die Frage auf, wer die dann wertlosen Anleihen Griechenlands am Ende wirklich hält und somit den Verlust realisieren muss. Goldexperte Hartmann meint: „Ein großer Teil liegt sicherlich bei der EZB. Somit haften am Ende die europäischen Steuerzahler für die Pleite Griechenlands.“ Und das, obwohl die Urväter des Euros die Haftungsunion vertraglich ausgeschlossen hatten.

Eine Rettung Griechenlands könnte nach Ansicht von Robert Hartmann für andere Euroländer hingegen ein Signal sein, dass man die Sparpolitik ohne Konsequenzen beenden kann.  Dies würde in diesen Ländern dann zu einem weiteren Anstieg der Verschuldung führen.  Irgendwann könnten Anleger die Schulddienstfähigkeit europäischer Staaten als gefährdet einstufen. „ Eine solche Vertrauenskrise müsste sich dann auf die Entwicklung des Goldpreises erfahrungsgemäß positiv auswirken“, prognostiziert Hartmann. 

Drei Fragen an die Privatkunden von pro aurum 

An der Sentiment-Umfrage von pro aurum beteiligten sich Im Juni über 400 Personen.

Mit der Kauflaune der Befragten ging es gegenüber dem Vormonat erneut bergauf. So erhöhte sich die  Kaufbereitschaft von 33,8 Prozent (Mai) auf 36,8 Prozent recht deutlich. Dies führte bei Anlegern mit abwartender Haltung zu einem Rückgang von 66,2 auf 63,2 Prozent.

Sentiment_Indikator_Aktivitaet_Juni.png

Hinsichtlich der Beurteilung der aktuellen Preise von Edelmetallen gab es im Berichtszeitraum keine sonderlich starken Verschiebungen zu beobachten. So ging der Anteil der Befragten, die Edelmetalle als unterbewertet einschätzen, von 70,3 Prozent (Mai) auf nunmehr 69,6 Prozent zurück. Eine faire Bewertung wurde Edelmetallen von 22,8 Prozent (Mai: 19,3 Prozent) der Anleger attestiert. Eine Überbewertung sahen lediglich 7,7 Prozent der Befragten, nachdem im Monat zuvor diesbezüglich mit 10,3 Prozent noch ein deutlich höherer Wert registriert worden war. 

Sentiment_Indikator_Bewertung_Juli-2015.png

Gefragt nach den Preisperspektiven der Edelmetalle, war die Mehrheit der Befragten wie in den Monaten zuvor von einem Seitwärtstrend überzeugt, wenngleich der Zuspruch von 51,3 Prozent (Mai) auf 50,4 Prozent leicht abgenommen hat. Bei den optimistisch gestimmten Anlegern kam es gegenüber dem Vormonat zu einem marginalen Minus von 28,2 Prozent auf 28,1 Prozent, während bei den Pessimisten ein leichter Anstieg von 20,5 Prozent auf 21,6 Prozent zu Buche schlug.

Sentiment_Indikator_Erwartung_Juni.jpg

Chartanalyse: Übergeordnet läuft der Goldpreis bereits seit zwei Jahren seitwärts

Chart-1-Gold-US-Dollar-daily-240615.jpg

Seit März hängt der Goldpreis angeschlagen und lethargisch in einer engen Handelsspanne zwischen grob gesagt 1.170 US-Dollar und 1.220 US-Dollar. Weder kam es zur finalen Kapitulation noch zu einem bullishen Ausbruch nach oben. Jedes Mal, wenn entweder die Bullen oder die Bären nachhaltig die Oberhand zu gewinnen schienen, folgte eine schnelle Gegenbewegung, welche alle vorhergehenden Bemühungen wieder neutralisierte. Insgesamt ein sehr schwieriger, da trendloser Markt.

Übergeordnet läuft der Goldpreis bereits seit zwei Jahren seitwärts. Damit bleibt ungeklärt, ob es sich bei dieser Bewegung um eine Bodenbildung mit anschließendem neuem Aufwärtstrend handelt oder ob die Bären lediglich pausieren und konsolidieren, bevor der finale Ausverkauf Richtung 1.035 US-Dollar ansteht. Fundamental spricht natürlich vieles für unmittelbar steigende Preise, charttechnisch überwiegen aber weiterhin die eher die bärischen Signale. Vor allem die intakte Serie tieferer Hochs muss hier genannt werden. Nach zwei Jahren seitwärts laufender Kurse hält sich die Aussagekraft der Charts aber momentan ganz klar in Grenzen. 

Kurzfristig jedenfalls muss die Marke von 1.170 US-Dollar auf Tageschlusskursbasis halten, sonst dürfte der Goldpreis schnell bis 1.140 US-Dollar oder tiefer abrutschen. Da jedoch ab jetzt die saisonal beste Phase des Jahres für die Edelmetalle beginnt, gleichzeitig die professionellen Spieler ihre Leerverkäufe sowohl am Gold- als auch am Silberterminmarkt zuletzt deutlich reduziert haben und zudem das Sentiment exzessiven Pessimismus meldet, stehen die Chancen für eine überraschende Erholung in den kommenden Wochen und Monaten durchaus ganz gut. Als Kursziel sind zumindest 1.235 US-Dollar denkbar. 

Chart-2-Gold-Euro-daily-240615.jpg

Übergeordnet sieht es aber trotz der kurzfristigen antizyklischen Erholungschance mittlerweile doch immer mehr danach aus, als ob der Bärenmarkt noch einmal in die Verlängerung geht und wir erst im Jahre 2016 die große Trendwende bei den Edelmetallen erwarten dürfen.

In Euro gerechnet konsolidiert der Goldpreis seit Ende Januar den Ausbruch über die psychologische Marke von 1.000 Euro. Dabei war einiges an Volatilität geboten. Das gesamte Kursgeschehen spielte sich jedoch klar oberhalb der steigenden 200-Tage-Linie (1.033 Euro) ab. Somit bleibt der Aufwärtstrend intakt. Die zu Beginn des Jahres stark überkaufte Gesamtsituation wurde vollständig bereinigt. 

Erst in den letzten zweieinhalb Handelswochen beruhigte sich die Situation deutlich und der Preis pro Feinunze Gold erholt sich aktuell nur langsam und zaghaft vom letzten Tief bei 1.035 Euro. Die Lage bei den Indikatoren ist aber durchaus konstruktiv und stünde einer Sommerrallye nicht entgegen. Auf dem Weg nach oben warten mit der 50-Tage-Linie (1.073 Euro) sowie dem oberen Bollinger Band (1.084 Euro) allerdings bereits zwei starke Widerstände.

Ein finaler Rücksetzer an das Ausbruchslevel um 1.000 Euro ist jedoch weiterhin nicht ganz auszuschließen, würde aber eine hervorragende Nachkaufgelegenheit mit sich bringen. 

Insgesamt bleibt der Chart für den Goldpreis in Euro günstig und im Aufwärtstrend. Die Konsolidierung ist weit vorangeschritten und könnte kurz vor ihrem Abschluss stehen.


Ihr Ansprechpartner bei der pro aurum GmbH: 

Benjamin Summa, Unternehmenssprecher
Telefon: +49 (89) 444 584 344

E-Mail: benjamin.summa@proaurum.de


Verwandte Themen