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Gold und die steuerrechtliche Gemengelage

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Wussten Sie eigentlich, dass man den Kauf von physischem Gold grundsätzlich auch als völlig legales Steuersparmodell interpretieren kann? Und das auf gleich zwei rechtlichen Ebenen – dem Umsatz- und dem Einkommensteuerrecht. Alles in allem überwiegen dabei die Vorteile. Wir zeigen Ihnen auf, warum.

Augen auf bei der Goldauswahl

Bei Goldinvestments müssen Anleger unter steuerlichen Aspekten genau aufpassen, denn in Abhängigkeit vom konkreten Goldprodukt bzw. der Haltedauer zwischen dem Kauf und dem Verkauf können Steuern anfallen, welche die Rendite des Investments unter Umständen spürbar belasten. Beim Thema Umsatzsteuer ist die Lage relativ eindeutig – zumindest bei börsengehandelten Wertpapieren, die sich – in welcher Form auch immer – auf Gold beziehen. Hier muss beim Kauf keine Umsatzsteuer und trotz immer wieder aufkommender diesbezüglicher Diskussionen auch keine Börsentransaktionssteuer bezahlt werden. Etwas komplizierter sieht die Lage bei Goldmünzen bzw. -barren aus. Seit 1998 gilt in diesem Zusammenhang für die Europäische Union die „Sonderregelung für Anlagegold“. Keine Mehrwertsteuerpflicht liegt zum Beispiel bei Gold in Barren- oder Plättchenform vor, wenn der Feingehalt bei mindestens 995 Tausendstel liegt.

Steuersparer präferieren Kapitalanlagegold

Damit bei Goldmünzen keine Umsatzsteuer anfällt, müssen insgesamt vier Bedingungen erfüllt sein. Erstens: Ihr Feingehalt muss bei mindestens 900 Tausendstel liegen. Zweitens: Die Münzen müssen nach dem Jahr 1800 geprägt worden sein. Drittens: Sie sind bzw. waren in ihrem jeweiligen Ursprungsland gesetzliches Zahlungsmittel. Viertens: Der Verkaufspreis darf den aktuellen Marktwert des Goldes nicht um mehr als 80 Prozent übertreffen. In einem für das Jahr 2015 erstellten „Amtsblatt der Europäischen Union“ sind auf insgesamt 24 Seiten sämtliche von der Mehrwertsteuer befreite Goldmünzen aus der ganzen Welt aufgelistet. Darin enthalten sind natürlich auch die weltweit bekannten und bei pro aurum besonders rege nachgefragten Exemplare aus Australien (Känguru), China (Panda), Großbritannien (Britannia), Kanada (Maple Leaf), Mexiko (Libertad), Österreich (Philharmoniker), Südafrika (Krügerrand) und den USA (American Eagle). Wer Gold aus Rentabilitätsgründen verständlicherweise mehrwertsteuerfrei erwerben möchte, sollte beim Kauf die oben erwähnten Exemplare bevorzugen. Das Ziel der „Sonderregelung für Anlagegold“ besteht darin, besonders wertvolle Sammlermünzen aus dem Bereich Numismatik der Umsatzsteuerpflicht zu unterziehen.

Steuerfreie Kursgewinne für Geduldige

Eine große Rolle bei der Rendite nach Steuern spielt beim Kauf von Anlagegold in Form von Barren und Münzen auch das Einkommensteuerrecht. Dabei gilt es aber einige Besonderheiten zu beachten. Ob bei solchen Goldinvestments etwaige Kursgewinne bzw. Kursverluste steuerlich relevant sind, hängt stets von der jeweiligen Haltedauer ab. Ist der Zeitraum zwischen dem Kauf und dem Verkauf des jeweiligen Goldprodukts kürzer als zwölf Monate, liegen steuerpflichtige private Veräußerungsgeschäfte vor. Sollten die dabei anfallenden Gewinne die Freigrenze von 600 Euro übersteigen, sind diese in vollem Umfang zu versteuern. Man beachte daher den Unterschied zu Freibeträgen, bei denen lediglich der über den Freibetrag hinausgehende Betrag zu versteuern wäre.

So schlägt das Finanzamt zu

Ein weiterer wichtiger Unterschied: Es greift nicht – wie bei Investments an der Börse – die pauschale Kapitalertragsteuer von 25 Prozent zzgl. Solidarzuschlag und eine etwaige Kirchensteuer, die von Kreditinstituten direkt ans Finanzamt abgeführt wird und damit abgegolten ist. Vielmehr fällt bei Kursgewinnen physischer Goldinvestments bei einer Haltedauer von weniger als zwölf Monaten der persönliche Grenzsteuersatz plus Solidarzuschlag und ggf. Kirchensteuer an. Das heißt: Zu versteuernde Kursgewinne mit Goldmünzen oder -barren wären in der Einkommensteuererklärung in der „Anlage SO“ anzugeben. In Abhängigkeit vom zu versteuernden Vermögen kann sich dann der Grenzsteuersatz in der Spitze auf bis zu 42 Prozent belaufen. Bei Einkünften von mehr als 250.000 Euro (Ledige) bzw. 500.000 Euro (Verheiratete) wird der darüber hinausgehende Betrag sogar mit der „Reichensteuer“ in Höhe von 45 Prozent belastet.

Ob bei einer unterstellten Haltedauer von weniger als zwölf Monaten unter steuerlichen Aspekten ein physischer Goldkauf (persönlicher Steuersatz) oder ein Investment in börsennotiertes Papiergold (Abgeltungssteuer) rentabler wäre, lässt sich pauschal nicht beantworten. Goldverkäufer mit geringem Einkommen und somit niedrigem Grenzsteuersatz könnten mit Barren und Münzen eine bessere Nachsteuerrendite erzielen, während Durchschnitts- und Großverdiener mit der Abgeltungssteuer das bessere Anlageergebnis realisieren würden. Grund: Bereits bei einem zu versteuernden Einkommen von 19.000 Euro (Ledige) bzw. 38.000 Euro (Verheiratete) entspricht der Grenzsteuersatz mit 26,4 Prozent der pauschalen Abgeltungssteuer (inkl. Solidarzuschlag). Das heißt: Ab diesem Punkt würden innerhalb von 12 Monaten realisierte Kursgewinne aus Goldmünzen und -barren steuerlich höher belastet.

Goldkauf: Steuern – nein, danke!

Wer Goldmünzen oder -barren in erster Linie als langfristiges Investment betrachtet, dürfte mit der 2009 vom damaligen Finanzminister Peer Steinbrück eingeführten Abgeltungssteuer im Falle einer starken Performance des Goldpreises aber viel Freude haben. Der Grund liegt auf der Hand: Weil physisches Gold keine Zinsen oder Dividenden abwirft, sind gemäß aktueller Rechtslage bei einer Haltedauer von mehr als zwölf Monaten sämtliche Kursgewinne steuerfrei.

Wer beispielsweise im Januar 2009 – also nach der Einführung der Abgeltungssteuer – für 630 Euro pro Stück insgesamt 100 Krügerrand-Goldmünzen gekauft hätte und diese zum aktuellen Preis von 1.100 Euro verkaufen würde, dürfte sich nun über einen steuerfreien Kursgewinn in Höhe von 47.000 Euro freuen. Hätte der Anleger denselben Kursgewinn zum Beispiel mit einem Gold-Zertifikat erzielt, das die Entwicklung des Goldpreises 1:1 nachbildet, wäre mehr als ein Viertel des Kursgewinns – also mehr als 11.750 Euro – aufgrund der anfallenden Abgeltungssteuer bei Vater Staat gelandet.

Eines sollten Anleger aber – Steuern hin, Steuern her – ohnehin nicht vergessen: Echter Krisenschutz lässt sich seit Jahrtausenden nur über echtes Gold, das man besitzt und das physisch vorhanden ist, realisieren. 


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