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Gold und der Kampf gegen das Bargeld

Ad-hoc Meldungen

Der Abgesang auf das Bargeld ist in vollem Gang. Wer die Medien in den vergangenen Wochen zu diesem Thema verfolgt hat, kann zumindest zu diesem Schluss gelangen. Deutsche-Bank-Chef John Cryan geht zum Beispiel davon aus, dass es in zehn Jahren keinen Bedarf für Bargeld mehr geben wird. Die Zahl der Befürworter für eine Einschränkung des Bargelds wird immer größer – das Bundesfinanzministerium gehört mittlerweile ebenfalls dazu.

Warum Bargeld zur bedrohten Spezies wird

Medienberichten zufolge plant die Bundesregierung, Bargeldzahlungen auf maximal 5.000 Euro zu limitieren. Als Vorreiter kann man Merkel und Co. auf diesem Gebiet aber nicht bezeichnen, denn in einigen skandinavischen und europäischen Ländern ist der Kampf gegen das Bargeld bereits weiter fortgeschritten als in Deutschland. Als Grund werden hierzulande natürlich hehre Ziele wie das Bekämpfen von Terror, Schwarzarbeit, Steuerhinterziehung und organisierter Kriminalität genannt. Für hochverschuldete Staaten und die Bankbranche im Allgemeinen sind die Vorteile des bargeldlosen Zahlungsverkehrs offensichtlich: Banken sparen dadurch enorme Kosten, und Staaten könnten ihre Bürger durch hohe Negativzinsen zum Konsumieren zwingen und durch Sonderverordnungen leichter enteignen. Zur Erinnerung: Bereits im Herbst 2013 hat der Internationale Währungsfonds über eine 10%ige Sondersteuer auf Vermögen zur Reduktion der Staatsschulden „ungeniert und laut“ nachgedacht.

Auf der Strecke bleiben würden beim Umstieg auf digitales Bezahlen allerdings die Privatsphäre und der Datenschutz der Verbraucher. Bundesbankpräsident Jens Weidmann, dem in Sachen Geld ein besonders hohes Maß an Expertise zugestanden wird, glaubt allerdings nicht, dass kriminelle Handlungen deshalb unterbleiben, weil Barzahlungen limitiert werden oder – wie von der SPD vorgeschlagen – 500-Euro-Scheine verboten werden. Mirko Schmidt, Gründer und Geschäftsführer von pro aurum, sieht die Diskussion um das Bargeld ähnlich kritisch und meint: „In vielen Ländern wird zwar am liebsten mit Karte bezahlt und auf Bargeld kein großer Wert gelegt, Deutschland tickt da allerdings anders. Ich betrachte die vorgeschlagenen Einschränkungen der Bargeldfunktion vor allem als einen weiteren drohenden Verlust von Freiheit.“

Deutsche möchten auf Bargeld nicht verzichten

In einer im Mai 2015 veröffentlichten repräsentativen Umfrage des Online-Marktforschers YouGov sprachen sich übrigens 74 Prozent der Befragten gegen eine Abschaffung des Annahmezwangs von Bargeld in Deutschland aus. Dabei kristallisierte sich heraus, dass Bargeld die Übersicht über die eigenen Finanzen erleichtert (75 Prozent), Zahlungen mit Bargeld grundsätzlich sicherer (72 Prozent) und praktischer seien (52 Prozent) als die Kartenzahlung. Da es nicht das erste Mal wäre, dass der Wille des Volkes von den Regierenden missachtet wird, sollten Anleger auf Einschränkungen im Bargeldgebrauch vorbereitet sein.

Potenzielle Folgen für den Goldhandel bei pro aurum

Edelmetallhändler wie pro aurum wären vom Einführen einer Bargeldgrenze direkt betroffen. Derzeit können bei pro aurum Edelmetallkäufe im Gegenwert von weniger als 15.000 Euro – diese Grenze schreibt das Geldwäsche-Gesetz vor – ohne Identitätsnachweis in bar als sogenanntes „Tafelgeschäft“ getätigt werden. Bei vielen Banken, die physischen Edelmetallhandel ermöglichen, ist dies bereits heute schon nicht möglich, da sie aus bankinternen Gründen auf eine Abbuchung vom jeweiligen Bankkonto des Kunden bestehen. Sollten Bargeldkäufe in Zukunft tatsächlich begrenzt werden, wäre der Bareinkauf bei pro aurum nur noch bei Edelmetallkäufen von bis zu 5.000 Euro möglich.

Robert Hartmann, ebenfalls Gründer und Geschäftsführer bei pro aurum, macht sich diesbezüglich aber keine großen Sorgen und merkt an, dass eine Absenkung der Bargeldgrenze schon seit Längerem im Gespräch sei und meint: „Ich halte die Begründung der Initiative, man wolle den internationalen Terrorismus damit bekämpfen, jedoch für wenig glaubwürdig. Aus meiner Sicht soll vor allem verhindert werden, dass die Bürger ihr Geld von der Bank im Falle negativer Zinsen abheben können.“ Er stellt klar, dass nach der Umsetzung der Bail-in-Regel und im Falle eines Bargeldverbots staatliche Zugriffe auf Privatvermögen und die Geldsperrung in Krisenzeiten dann nur noch einen Knopfdruck entfernt seien.

Negative Folgen für pro aurum sieht er nicht – im Gegenteil. Er sagt: „Ich glaube, dass sich solch eine Bargeldgrenze mittelfristig eher positiv auf den Handel mit physischen Edelmetallen auswirken wird. Immer mehr Menschen werden nämlich erkennen, dass diese Anlageklasse in Zeiten des Anlagenotstands und der finanziellen Repression unerlässlich ist.“ Im Übrigen geht Hartmann davon aus, dass der Onlinehandel bei den Edelmetallen in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnen wird. Dort spielt die Barzahlung traditionell keine Rolle.


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