Gold: Stets das große Ganze im Auge behalten

Goldreport

Im Februar hat das Interesse an Edelmetallen aufgrund der Einigung der Europäer mit Griechenland und wegen des beschlossenen Waffenstillstands in der Ukraine zwar etwas nachgelassen, trotz starkem Dollar und haussierender Anleihe-, Aktien- und Immobilienmärkte blieb ein markanter Rücksetzer dennoch aus.

Robert Hartmann, Gründer und Geschäftsführer von pro aurum, ist mit dem bisherigen Geschäftsverlauf hochzufrieden und meint: „Wir hatten einen fantastischen Start ins Jahr 2015 mit einer Umsatzsteigerung im Januar von rund 60 Prozent. Im Februar hat das Interesse der Kunden zwar etwas nachgelassen, gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum verzeichnen wir dennoch höhere Umsätze.“ Besonders gefragt waren Standardprodukte wie Goldbarren in den Gewichtsklassen von einer Feinunze (31,1 Gramm) bis zu 250 Gramm. Bei Goldmünzen konzentrierte sich das Interesse auf Krügerrand, Philharmoniker, Känguru und Maple Leaf. Daneben hat aber auch das Interesse an Silber wieder leicht angezogen. Hier fragten pro aurum-Kunden vor allem die steuerbegünstigten Silberunzen Maple Leaf und American Eagle sowie die 1,5-Unzen-Silbermünze Polar Bear aus Kanada nach.

Dollarstärke läuft ins Leere

Trotz der in den vergangenen Monaten zu beobachtenden Dollarstärke überzeugt der Goldpreis weiterhin durch ein hohes Maß an relativer Stärke. Normalerweise wird beiden Anlageklassen eher eine negative Korrelation attestiert. Das heißt: Steigt der Dollar, fällt der Goldpreis und umgekehrt. Für Robert Hartmann könnte die Dollarhausse allerdings demnächst enden. Er geht zum Beispiel davon aus, dass die erwartete Zinserhöhung in den USA bereits in der Weltleitwährung eingepreist ist. Zudem könnten schwächer als erwartet ausfallende Konjunkturdaten aus Amerika dazu führen, dass große Marktteilnehmer auf eine zeitliche Verschiebung der Zinserhöhung setzen und Dollars verkaufen. Außerdem gibt Hartmann mit Blick auf die Terminmärkte Folgendes zu bedenken: „Noch nie zuvor in der Geschichte gab es so viele Long-Positionen der Spekulanten. Als Investor bin ich bei solchen Extremwerten stets vorsichtig und erwarte für die kommenden Wochen daher eher einen tendenziell schwächeren Dollar.“

Der Handel im Februar war von mehreren Themenkomplexen geprägt. Im Vorfeld der Feierlichkeiten zum chinesischen Neujahr war in China trotz nicht allzu rosiger Konjunkturaussichten ein ausgeprägter Goldappetit registriert worden. Allein in der siebten Kalenderwoche wurden im besonders liquiden Segment der Ein-Kilogramm-Barren fast 200 Tonnen umgesetzt. Zur Erinnerung: Mitte des Jahres schwankten die Wochenumsätze häufig zwischen 48 und 75 Tonnen. Daneben sorgten aber auch die Entwicklungen in Griechenland und der Ukraine für ein hohes Maß an Aufmerksamkeit. In beiden Fällen scheint hier aber mittlerweile die Luft etwas raus zu sein – zumindest vorläufig. Dies sieht auch Robert Hartmann so und ergänzt: „Wir raten unseren Kunden immer wieder, sich nicht so sehr auf kurzfristige Entwicklungen zu fokussieren, sondern stets das große Ganze im Blick zu behalten.“ In Japan, Europa und China entstehen Billionen neuer Yen, Euros und Renminbis. Amerika hat gerade sein Anleihen-Kaufprogramm beendet. Die Zinsen verharren seit fünf Jahren nahe null, was zu Blasenbildungen bei Anleihen und Immobilien sowie zu einer Hausse an den Aktienmärkten geführt hat. Goldexperte Hartmann stellt diesbezüglich fest: „Niemand kann sagen, wann diese Blasen platzen. Sicher ist nur: Sie werden platzen! Es gilt, sich für diese Ereignisse vorzubereiten.“ Er rät daher unverändert dazu, rund 20 Prozent des liquiden Anlagevermögens in physischen Edelmetallen zu halten.

World Gold Council mit Zahlen für 2014

Mitte Februar veröffentlichte der World Gold Council Jahreszahlen zur globalen Entwicklung von Angebot und Nachfrage bei Gold. Dabei förderte der internationale Verband der Goldminenindustrie einige interessante Erkenntnisse zutage.

Erstens: Während das Angebot mit 4.278,2 Tonnen kaum vom Fleck kam, ging es mit der Nachfrage auf Jahressicht von 4.087,6 auf 3.923,7 Tonnen um vier Prozent spürbar bergab. Dies war im Wesentlichen auf den nachlassenden Appetit der Chinesen und Inder zurückzuführen. Weil aber auf dem Subkontinent (–14 Prozent p. a.) die Nachfrage weniger heftig einbrach als im Reich der Mitte (–38 Prozent p. a.), eroberte Indien den Titel „goldhungrigste Nation“ wieder zurück. Der kumulierten Nachfrage beider Nationen attestiert der World Gold Council für die vergangenen zehn Jahre nichtsdestotrotz ein Wachstum von 71 Prozent. Seit 2005 kletterte ihr Anteil an der globalen Nachfrage von 33 Prozent auf 54 Prozent (2014).

Zweitens: Wieder einmal generierte die Schmuckbranche mehr als die Hälfte der Gesamtnachfrage, wobei gegenüber dem Vorjahr ein zweistelliges Minus auf 2.152,9 Tonnen zu Buche schlug. Deutlich stärker ging es bei der Nachfrage nach Barren und Münzen bergab. Hier war ein Minus von fast 40 Prozent auf 1.063,6 Tonnen zu beklagen. Markant nachgelassen haben 2014 allerdings die Goldabflüsse aus physisch besicherten Finanzprodukten. Von minus 880 Tonnen in 2013 beruhigten sich diese auf minus 159,1 Tonnen.

Drittens: Eine regelrechte „Kaufwut“ war im Notenbanksektor zu beobachten – vorwiegend aus Schwellenländern. Mit Nettokäufen von 477,2 Tonnen wurde dieser Wert in den vergangenen 50 Jahren lediglich einmal übertroffen: 2012 war der Appetit der Notenbanken mit 544 Tonnen noch ausgeprägter. An vorderster Front stand wieder einmal die russische Notenbank, die trotz wirtschaftlicher Sanktionen und Ukraine-Krise ihre Goldreserven innerhalb eines Jahres um 173 Tonnen aufgestockt hat und damit für 36 Prozent der weltweiten Nettokäufe stand. Platz zwei teilten sich Kasachstan und Irak, die ihre Goldbestände um 48 Tonnen nach oben fuhren. Nennenswerte Verkäufe gab es lediglich von der ukrainischen Zentralbank zu berichten, die sich 2014 aufgrund der finanziellen Existenzkrise des Landes von 19 Tonnen Gold getrennt hat. Der Begriff „Krisenwährung“ hat in diesem Zusammenhang eine völlig neue Bedeutung erhalten.

Drei Fragen an die Privatkunden von pro aurum

Im Februar nahmen an der Sentiment-Umfrage von pro aurum mehr als 700 Personen teil. 

Gegenüber dem Vormonat hat die Kauflaune der Befragten nur marginal nachgelassen und mäßigte sich von 37,9 Prozent auf 37,2 Prozent. Bei den Anlegern mit abwartender Haltung kam es somit zu einem leichten Anstieg von 62,1 auf 62,8 Prozent.

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Befragt nach den Aussichten der Edelmetalle sahen 70,5 Prozent der Anleger eine Unterbewertung. Im Vormonat fiel diese Quote mit 69,6 Prozent etwas niedriger aus. Eine faire Bewertung wurde ihnen von 20,1 Prozent (Vormonat: 20,9 Prozent) der Befragten attestiert, während – wie einen Monat zuvor – lediglich 9,5 Prozent der Anleger Edelmetalle als überbewertet einstuften.

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Bei der Frage, wohin sich die Preise der Edelmetalle wohl entwickeln werden, gab es nach dem starken Jahresstart von Gold und Co. einen nachlassenden Optimismus zu beobachten. Rechneten im Januar noch 52,5 Prozent der Umfrageteilnehmer mit steigenden Edelmetallpreisen, sank diese Quote nun auf 29,6 Prozent. Erhebliche Zuwächse waren im Berichtszeitraum hingegen bei den neutral bzw. pessimistisch gestimmten Privatinvestoren zu verzeichnen. So erwarten nunmehr 46,8 Prozent (Januar: 33,7 Prozent) einen Seitwärtstrend und 23,6 Prozent (Vormonat: 13,7 Prozent) prognostizieren fallende Edelmetallpreise.

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Charttechnisches Bild hat sich wieder deutlich eingetrübt

Nach einem starken Jahresauftakt hat sich das charttechnische Bild in den vergangenen Wochen leider wieder deutlich eingetrübt. Ende Januar scheiterte der Goldpreis klar an der Marke von 1.300 US-Dollar. Seitdem haben die Bären den Markt erneut unter ihre Kontrolle gebracht und zwischenzeitlich bis an die seit Anfang November gültige Aufwärtstrendlinie zurückgedrängt. Besonders negativ wirkt kurzfristig die Stochastik, die mit beiden Signallinien unterhalb von 20 klebt und den bärischen Trend damit vorläufig festzurrt („embedded“). Erst wenn hier die Befreiung gelingt, kann der Goldpreis eine Erholung starten. Als Ziele kämen dann sowohl die 50-Tage-Linie (1.228 US-Dollar) als auch die 200-Tage-Linie (1.248 US-Dollar) infrage.

In Euro betrachtet präsentiert sich der Goldpreis wesentlich positiver. Dennoch kam es auch hier zu der erwarteten deutlichen Korrektur in den vergangenen vier Wochen. Diese erreichte am Dienstag die genannte Kaufzone unter 1.050 Euro. Letztlich verlief der Test der 50-Tage-Linie (1.054 Euro) jedoch positiv und Euro-Gold konnte sich kürzlich wieder nach oben absetzen. Dadurch konnte sich die Stochastik aus dem „embedded“-Status befreien und hat ein Kaufsignal erzeugt. Der „MACD“-Indikator könnte in Kürze folgen. Der „ParabolicSar“-Indikator hat schon ein Kaufsignal abgegeben. Insgesamt deutet Euro-Gold also eine unmittelbar bevorstehende Erholung an.

Bedingt durch die bis Mai/Juni schwache Saisonalität, die nach wie vor ungünstige Konstellation an den Terminmärkten sowie die charttechnische Lage beim Gold in US-Dollar ist bis zum Frühsommer dennoch mit tieferen Kursen zu rechnen. Möglicherweise entwickelt sich beim Gold in Euro eine Art ABC-Korrekturformation. Demnach müsste nun die Erholungswelle B starten, welche den Euro-Goldpreis durchaus bis 1.108 Euro oder sogar noch etwas höher bis an das fallende obere Bollinger Band (1.132 Euro) führen könnte. Im Anschluss müsste dann der Test des Ausbruchniveaus um 1.010 Euro folgen, bevor im Sommer dann ein neue nachhaltige Rally Richtung 1.200 Euro starten könnte.

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