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Gold: Krisenstimmung beim Krisenschutz

Goldreport

Der in der zweiten Julihälfte zu beobachtende massive Kurssturz bei Gold ließ asiatische „Schnäppchenjäger“ diesmal kalt. China und Indien, den beiden goldhungrigsten Nationen der Welt, kann man derzeit fast schon einen Käuferstreik attestieren. Nun halten viele Goldanalysten ein Unterschreiten der psychologischen Marke von 1.000 Dollar für möglich.

Von Langeweile oder einem Sommerloch kann man an den Goldmärkten derzeit wahrlich nicht sprechen. Vielmehr fiel der Goldpreis in der zweiten Julihälfte in ein regelrechtes Loch und markierte mit Werten von weniger als 1.100 Dollar neue Fünf-Jahres-Tiefs. Wieder einmal sorgte eine ominöse Verkaufswelle für Aufregung. Diesmal wurde der Kurssturz aber nicht an der US-Terminbörse Comex, sondern im frühen Montagshandel (20. Juli) an der chinesischen Shanghai Gold Exchange losgetreten, als japanische Investoren feiertagsbedingt (Tag des Meeres) fehlten. Wieder einmal wurde zu einer Zeit extrem dünner Umsätze ohne Rücksicht auf Verluste viel Gold verkauft. Und wieder einmal sieht es so aus, als ob der Verkäufer nicht an hohen Transaktionserlösen, sondern eher an einem möglichst hohen Goldpreisrückschlag interessiert war. Wer hinter der Aktion steckt, blieb im Dunkeln. Die zuständige Handelsaufsicht wurde – aus welchen Gründen auch immer – nicht aktiv.

Robert Hartmann, Gründer und Geschäftsführer von pro aurum, stellte mit Blick auf die in den Vorjahren zu beobachtenden ungewöhnlichen Kurseinbrüche einen wichtigen Unterschied fest und meinte: „Die physische Nachfrage hat sich nach dem Kursrutsch zwar etwas belebt, erreichte aber bei Weitem nicht die Umsätze der Jahre 2008 bis 2010. Auch im April 2013 bzw. im November 2014 war das Volumen nach heftigen Preisrückgängen höher als beim jüngsten Flash Crash.“ Hartmann weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass Produzenten und Händler aus der Vergangenheit gelernt und sich größere Lagerbestände aufgebaut haben, um Lieferverzögerungen zu vermeiden. So verkaufte zum Beispiel die US Mint bis Ende Juli 291.000 American Eagle-Goldmünzen mit einem Gesamtgewicht von 161.500 Feinunzen und erreichte damit das höchste Niveau seit April 2013. Zur Erinnerung: Damals brach der Goldpreis innerhalb von lediglich zwei Handelstagen pro Feinunze in der Spitze um mehr als 220 Dollar ein.

Chinesen melden Anstieg der Goldreserven

Verkaufsdruck kam aber auch aus einer anderen Richtung. So meldete zum Beispiel die chinesische Notenbank bereits am Wochenende vor dem ungewöhnlichen Goldpreisabsturz, dass man die Goldreserven in den vergangenen sechs Jahren um 58 Prozent von 1.054,09 auf 1.658 Tonnen aufgestockt habe. Hört sich eigentlich gut an, doch das Problem dabei ist die Tatsache, dass Analysten mit einem noch höheren Wert gerechnet hatten. Da die Chinesen hinsichtlich Marktliberalität und -transparenz nicht gerade zu den Musterschülern zählen, vermuten viele Goldanalysten in der chinesischen Notenbank deutlich höhere Goldbestände. Warum die Notenbanker nach sechs Jahren des Schweigens gerade jetzt ihren Goldbesitz nach oben revidiert haben, liegt auf der Hand. Durch die höheren Goldreserven versucht man, die Chance für eine Aufnahme der chinesischen Währung in den IWF-Währungskorb zu verbessern. Über dessen Zusammensetzung könnte noch in diesem Jahr entschieden werden. Falls der Renminbi als fünfte Komponente neben Dollar, Euro, Yen und Pfund aufgenommen wird und dadurch zur Weltreservewährung aufsteigt, könnte dies die aktuelle Dominanz des Dollars abschwächen.

Terminspekulanten und ETF-Investoren verkaufen

Wenig Lust auf Gold war auch im ETF-Sektor und an den Terminmärkten zu verspüren. Allein beim weltgrößten Gold-ETF SPDR Gold Shares kam es im Juli zu einem regelrechten „Aderlass“. Bis zum 28. Juli reduzierte sich dessen gehaltene Goldmenge nämlich um 4,4 Prozent von 711,44 auf 680,15 Tonnen. Selbst auf dem reduzierten Goldpreisniveau entspricht dieser Goldschwund einem Gegenwert von immerhin 1,1 Milliarden Dollar. 

Erheblicher Verkaufsdruck kommt nach Ansicht von Robert Hartmann aber weiterhin von den Terminmärkten. Hier weist er auf eine besonders auffällige Entwicklung unter den Hedgefondsmanagern hin und meint: „In der Woche zum 21. Juli war diese relativ wichtige Gruppe von Terminmarktakteuren mit 13.556 Gold-Futures netto short – also mehrheitlich pessimistisch gestimmt. Seit Erhebung der Daten im Jahr 2006 war dies noch nie der Fall.“ Er interpretiert dies aber weniger als Verkaufsargument, sondern eher als Kontraindikator. Und die Vergangenheit gibt ihm Recht: Den markanten Goldpreiserholungen war in den vergangenen Jahren stets ein starker Pessimismus dieser Großspekulanten vorausgegangen. 

Neueinsteigern rät Hartmann auf dem aktuellen Niveau zu ersten Käufen. Weitere Investments bieten sich bei 1.050 und 1.000 Dollar an oder alternativ – falls diese Marken nicht mehr erreicht werden – beim Überschreiten von 1.160 Dollar. Als Hauptgrund für seine Zuversicht bezüglich Gold führt er die Geldpolitik der wichtigsten Notenbanken an und sagt: „Die Notenbanken wollen mit allen Mitteln Inflation haben, damit die Schulden im Vergleich zum Bruttoinlandsprodukt weniger werden. Niemand kann sich derzeit vorstellen, dass deren Maßnahmen nicht wie versprochen zum Erfolg führen.“ Und genau darin sieht der erfahrene Goldexperte eine große Gefahr, schließlich haben die Notenbanken weder den Crash an den Technologiebörsen in 1999 noch den Crash am US-Immobilienmarkt verhindern können. 

Drei Fragen an die Privatkunden von pro aurum

An der Sentiment-Umfrage von pro aurum beteiligten sich im Juni mit 580 Personen erheblich mehr als im Vormonat.

Die Kauflaune der Befragten hat im Zuge des schwächeren Goldpreises spürbar nachgelassen. Gegenüber dem Vormonat reduzierte sich die Kaufbereitschaft von 36,8 Prozent (Juni) auf nunmehr 33,1 Prozent. Im Gegenzug führte dies bei Anlegern mit abwartender Haltung zu einem Anstieg von 63,2 auf 66,9 Prozent.

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Hinsichtlich der Beurteilung der aktuellen Preise von Edelmetallen gab es im Berichtszeitraum eine kleine Überraschung: Immer mehr Anleger sehen eine Überbewertung und zugleich wächst aber auch die Zahl derer, die Edelmetalle als unterbewertet einstufen. So kletterte der Anteil der Befragten, die Edelmetalle als unterbewertet einschätzen, von 69,6 Prozent (Juni) auf 71,8 Prozent, während das Attribut „überbewertet“ mittlerweile von 10,4 Prozent (Vormonat: 7,7 Prozent) vergeben wurde. Folgerichtig ging es mit der Einschätzung, dass Edelmetalle derzeit fair bewertet sind, von 22,8 Prozent (Juni) auf 17,9 Prozent deutlich bergab.

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Erhebliche Veränderungen gab es bei der Frage nach den Preisperspektiven der Edelmetalle. So führte der Goldpreisabsturz zu einem Schwund unter den Optimisten und zu einem Anstieg der Pessimisten. Besonders stark nahm die Zahl derer zu, die fallende Edelmetallpreise erwarten. Ihr Anteil erhöhte sich gegenüber dem Vormonat von 21,6 auf 42,0 Prozent, während bei der Erwartung steigender Edelmetallpreise ein leichter Rückgang von 21,6 auf 19,9 Prozent registriert worden war. Einen Seitwärtstrend erwarten derzeit 38,2 Prozent der Befragten. Im Juni fiel diese Quote mit 50,4 Prozent noch deutlich höher aus.

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Chartanalyse: Das Drama nahm seinen Lauf…

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Nachdem der Goldpreis Ende Juni erneut unter die Marke von 1.170 US-Dollar gerutscht war, nahm das Drama in den vergangenen Wochen seinen Lauf. Die nächsttiefere Unterstützung bei 1.140 US-Dollar konnte nur noch kurz verteidigt werden. Danach brachen alle Dämme und der Goldpreis stürzte zügig auf den tiefsten Stand seit dem Frühjahr 2010. Erst bei 1.072 US-Dollar fanden sich nach dem Flashcrash wieder mehr Käufer als Verkäufer.

In den letzten zehn Handelstagen nun konsolidierte der Goldmarkt zwischen 1.085 und 1.105 US-Dollar, ohne dabei trotz der überverkauften Lage auch nur ansatzweise bullische Signale zu entwickeln. Vielmehr muss ganz klar festgestellt werden: Die lange erwartete finale Kapitulation ist in vollem Gange. Daher ist in den nächsten Tagen und Wochen mit einer Fortsetzung des Ausverkaufs zu rechnen. Das Kursziel bleibt die extrem starke Unterstützungszone zwischen 980 und 1.035 US-Dollar. Sobald diese Zone erreicht ist, dürfte sich eine spektakuläre Trendwende nach oben hin vollziehen. Eine deutliche Erholung ist dann in jedem Fall zu erwarten, ich gehe jedoch fest vom Ende der vierjährigen Baisse aus, und sehe vielmehr dem Start einer neuen fulminanten und mehrjährigen Aufwärtsbewegung entgegen, welche den Goldpreis in den kommenden Jahren auf neue Allzeithochs führen müsste.

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Sowohl das völlig ausgebombte Sentiment als auch die Konstellation am Terminmarkt (CoT) unterstützen meine These, wonach den Bären nur noch wenige Wochen bleiben, bis der Markt endlich dreht. Auch die Gold-Silber-Ratio bestätigt den Crash der letzten zwei Wochen nicht mehr. Wenn sich nun zudem die Minenaktien nicht mehr in den letzten Abwärtsstrudel mit hineinziehen lassen, ist das Bild fast vollständig. Ideal wäre am Tief noch ein prominent im Mainstream ausgerufenes Kursziel von 600 US-Dollar einer großen internationalen Bank.

In Euro gerechnet ist der Goldpreis nun doch etwas deutlicher eingeknickt und die Marke von 1.000 Euro wurde leicht unterschritten. In Anbetracht des im derzeitigen Umfeld überraschend stabilen Euros, sind daher noch einmal tiefere Notierungen im Bereich um die 950 Euro zu erwarten. Da das letzte Kauflimit bei 1.000 bis 1.015 Euro gegriffen hat, empfiehlt es sich in den kommenden Wochen, das finale Tief mit einem Limit bei 950 Euro und einer möglichst großen Order auszunützen.


Ihr Ansprechpartner bei der pro aurum GmbH: 

Benjamin Summa, Unternehmenssprecher
Telefon: +49 (89) 444 584 344

E-Mail: benjamin.summa@proaurum.de


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