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Gold: Gefragt, wenn es ungemütlicher wird

Goldreport

Griechenland-Pleite, Bargeldverbot und Rentenmarktturbulenzen – an den Finanzmärkten war es im Mai zeitweise ziemlich ungemütlich. Der Goldpreis hat davon aber nur vorübergehend profitiert und konnte die Marke von 1.200 Dollar bislang nicht dauerhaft überwinden. 

An den Rentenmärkten brauchten die Anleger im Wonnemonat Mai vor allem eines: robuste Nerven. Insbesondere in der ersten Monatshälfte waren zum Beispiel beim Anleihe-Barometer Bund-Future Tagesschwankungen von über 100 Basispunkten die Regel. Am 7. Mai war zwischen Tagestief und Tageshoch sogar eine Bandbreite von 300 Basispunkten zu beklagen. An diesem Tag verlor er gegenüber seinem Aprilhoch in der Spitze bis zu 925 Punkte – was für Anleihen durchaus als mittelschweres Kursbeben bezeichnet werden kann. Selbst die Stützungskäufe der Europäischen Zentralbank von 60 Milliarden pro Monat konnten den enormen Absturz der Bundesanleihen zunächst nicht aufhalten. Doch die helfenden Hände bzw. Worte der EZB ließen nicht lange auf sich warten. Wegen der geringeren Handelsaktivität in den Sommermonaten und der erhöhten Marktschwankungen kündigte die Notenbank an, einen Teil der milliardenschweren Käufe vorzuziehen.

Robert Hartmann, Gründer und Geschäftsführer von pro aurum, geht davon aus, dass die EZB weiterhin alles versuchen wird, dass die Investoren nicht das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit der Notenbanken verlieren werden. In diesem Zusammenhang stellt er klar: „Eine Steigerung der Zinssätze würde zu höheren Zinslasten führen, die per Saldo nur durch höhere Steuereinnahmen geschultert werden könnten. Das wiederum wäre kontraproduktiv für die Konjunktur.“ Für ihn lässt dies nur einen Schluss zu – er meint: „Die Zentralbanken werden unter allen Umständen versuchen, steigende Zinsen zu verhindern – wie lange das gelingt, werden wir sehen.“

Zukunft wird „verfrühstückt“

Die Turbulenzen der vergangenen Wochen bei Staatsanleihen bester Bonität haben bei einigen Investoren die „Alarmglocken schrillen lassen“ und bei vielen Anlegern zumindest zu einem „Weckruf“ geführt. Hartmann rät zu einem Blick hinter die Kulissen und stellt folgende Frage in den Raum: „Wer legt eigentlich die Bonität von bestimmten Anleihen fest?“ Seine Antwort fällt nicht sonderlich beruhigend aus. Für ihn sind das nämlich im Wesentlichen dieselben US-Ratingagenturen, die strukturierten Papieren noch kurz vor dem Ausbruch der US-Immobilienkrise im Jahr 2007 die Bestnote AAA verliehen haben. Nur dadurch haben deutsche Banken und Versicherer überhaupt zugreifen können und diese Papiere gekauft, obwohl viele davon – wie wir heute wissen – nicht sonderlich werthaltig waren. 

Analysten streiten sich bereits seit Längerem darüber, wie hoch die Schuldenlast im Vergleich zur wirtschaftlichen Gesamtleistung eines Staates sein darf, um die Bedienung der ausgegebenen Anleihen sicherzustellen. An dieser Diskussion will sich pro aurum Chef Robert Hartmann nicht beteiligen. Er merkt jedoch an, dass die Erholung der Wirtschaftsleistung in wichtigen Wirtschaftsräumen seit Jahren vergleichsweise weniger dynamisch abläuft. Dynamik lässt sich eher beim Aufbau von Schulden ausmachen. Für Hartmann steht deshalb fest: „Hier wird die Zukunft ‚verfrühstückt‘ – zulasten nachfolgender Generationen.“ Mit Blick auf die Rentenmärkte weist er darauf hin, dass fast jeder Deutsche Staatsanleihen besitzt – ohne sich darüber allerdings bewusst zu sein. Denn Anleihen bilden einen wesentlichen Bestandsteil in den Portfolios der Lebensversicherungen, die beim deutschen Sparer traditionell sehr beliebt sind. Bezüglich Investments in Staatsanleihen rät er deshalb zur Zurückhaltung und meint: „Aus meiner Sicht besteht kein Anlass, sich darüber hinaus in Staatsanleihen einzukaufen. Das mittel- bis langfristige Risiko ist einfach zu groß.“

Diskussion um Bargeldverbot

„Bargeld lacht“ oder „Nur Bares ist Wahres“ – wer kennt diese Redensarten nicht? Der Würzburger Uni-Professor Peter Bofinger gehört seit über elf Jahren dem Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung an und plädierte Mitte Mai in einem Spiegel-Interview für die Abschaffung von Bargeld. Als Gründe lieferte der umgangssprachlich zu den fünf Wirtschaftsweisen gehörende Ökonom einige nachvollziehbare Gründe, schließlich könne man dadurch Schwarzarbeit und Kriminalität eindämmen. Für den anstehenden G7-Gipfel im bayerischen Elmau empfahl er der Bundesregierung, das Thema auf die Agenda zu setzen. Lars Feld, ein anderer Wirtschaftsweiser und Professorenkollege von der Uni Freiburg, war von dem keineswegs neuen Vorschlag weniger begeistert. Für ihn stellt Bargeld weder etwas Anrüchiges noch etwas Überflüssiges, sondern viel mehr dar, nämlich geprägte Freiheit. Für Notenbanken hätte eine Abschaffung von Bargeld durchaus seinen Reiz, schließlich könnte man sich des Themas Fälschungssicherheit galant entledigen und beim Einführen negativer Zinsen könnte niemand mehr durch das Horten von Bargeld die Maßnahmen der Notenbanken torpedieren – es gäbe ja keines mehr. 

In einem solchen Umfeld wären Gold und Silber, neben dem traditionellen Inflationsschutz, ein guter Schutz vor Strafzinsen. Bei pro aurum haben nach dem recht ruhigen Verlauf im April die Mai-Umsätze wieder leicht angezogen, und das Verhältnis von Käufern zu Verkäufern lag bei neun zu eins. Am gefragtesten waren bei den Goldbarren die Gewichtsklassen 50 Gramm und 100 Gramm. Bei den Goldmünzen interessierten sich Anleger vor allem für die Unzenstücke Krügerrand, Maple Leaf und Wiener Philharmoniker. Mit Blick auf den Silberhandel griffen die Kunden besonders oft zu den differenzbesteuerten Silbermünzen aus Kanada, wie den Maple Leaf und die 1,5 Unzen Polar Bären. Wie gut, dass Regierungen und Staaten Gold und Silber nicht per Dekret abschaffen können!

Drei Fragen an die Privatkunden von pro aurum

Im Mai beteiligten sich an der Sentiment-Umfrage von pro aurum 450 Personen. Mit der Kauflaune der Befragten ging es gegenüber dem Vormonat leicht nach oben. Die Kaufbereitschaft erhöhte sich nämlich von 32,6 Prozent (April) auf 33,8 Prozent. Bei Anlegern mit abwartender Haltung kam es im Gegenzug zu einem Rückgang von 67,4 auf 66,2 Prozent.

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Bei der Beurteilung der aktuellen Preise von Edelmetallen waren im Berichtszeitraum leichte Verschiebungen zu beobachten. So waren 70,3 Prozent der Befragten der Meinung, dass Edelmetalle ihrer Meinung nach unterbewertet seien. Im Vormonat lag dieser Wert bei 66,9 Prozent. Als fair bewertet wurden Edelmetalle von 19,3 Prozent (April: 21,0 Prozent) der Anleger. Eine Überbewertung wird weiterhin von einer Minderheit attestiert. Hier sank die Quote von 12,1 Prozent auf 10,3 Prozent.

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Hinsichtlich der Frage nach den Preisperspektiven der Edelmetalle geht die Mehrheit der Befragten von einem Seitwärtstrend aus. Nach 52,1 Prozent im April rutschte die Quote auf 51,3 Prozent allerdings leicht ab. Bei den Optimisten schlug gegenüber dem Vormonat ein Anstieg von 24,3 Prozent auf 28,2 Prozent zu Buche, während der Anteil der pessimistisch gestimmten Privatinvestoren von 23,6 Prozent auf 20,5 Prozent abnahm.

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Chartanalyse: Erneut lieferte der Goldmarkt in den letzten vier Wochen ein Wechselbad der Gefühle

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Ausgehend von der mittlerweile alles entscheidenden Unterstützungszone zwischen 1.170 US-Dollar und 1.180 US-Dollar konnten die Bullen zunächst einen kurzen Befreiungsschlag landen, welcher jedoch sofort wieder abverkauft wurde und Ende April zu einem neuen Tief bei 1.168 US-Dollar führte. Aufgrund der miserablen Stimmung sowie der zwischenzeitlich stark verbesserten Lage am Terminmarkt gelang dann wenige Tage später aber doch noch der erwartete Sprung bis über die fallende 200-Tage-Linie (1.216 US-Dollar) und sogar ein höheres Hoch bei 1.232 US-Dollar. Zu diesem Zeitpunkt schien der Ausbruch aus der monatelangen Seitwärtszone endlich geglückt. Wenige Tage später ist aber klar, dass es sich bei dieser Bewegung erneut um eine Bullenfalle handelte, denn seit Mitte letzter Woche haben die Bären wieder das Sagen und konnten den Goldpreis gestern bis auf 1.184 US-Dollar drücken. Damit geht der Tanz um die 50-Tage-Linie (1.195 US-Dollar) in die nächste Runde. Solange der Goldpreis grob zwischen seiner 50- und 200-Tage-Linie hin- und herpendelt, lässt sich immer noch ein bullishes Szenario stricken. In diesem Fall arbeitet Gold an einer Basis, von der aus in den starken Sommermonaten ein Anstieg nach oben erfolgen könnte. Noch ist es aber zu früh dafür. Eine erste Bestätigung wäre ein erneuter Anstieg über die 200-Tage-Linie. Dazu darf nun aber die Marke von 1.170 US-Dollar nicht mehr unterschritten werden. Am besten wäre es, wenn sich die Bullen zügig und in den nächsten Tagen oberhalb von 1.180 US-Dollar zurückmelden. Andernfalls rückt die seit Monaten beschriebene Kapitulation unaufhaltsam näher. Überhaupt ist die gesamte Erholung seit Mitte März äußerst wackelig und hinterlässt nicht gerade den Eindruck, dass hier ein junger und hungriger Bulle in die Arena eingelaufen wäre. Vor allem der erneut stärkere US-Dollar als auch die sehr ungünstige Situation am Silber-Terminmarkt lasten auf dem gesamten Edelmetallsektor. Auch die Minenaktien sind aus einem bearishen Keil nach unten ausgebrochen. Gold könnte also ebenso kurz vor einem Rutsch unter die Marke von 1.170 US-Dollar stehen. Sollte es dazu kommen, wird alles sehr schnell gehen, denn die nächste Unterstützung um 1.140 US-Dollar dürfte nur für ein sehr kurzes Aufbäumen der Bullen sorgen. Danach steht die Tür Richtung 1.035 US-Dollar sperrangelweit offen. Wie schon oft geschrieben, gibt es aber keinen Grund, in Panik zu verfallen. Vielmehr würde dieses Szenario wohl endlich das Ende des Bärenmarktes bedeuten und zudem eine ganz hervorragende Kaufgelegenheit mit sich bringen. Eine Entscheidung zugunsten der Bullen oder Bären dürfte mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit im Juni fallen.

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In Euro gerechnet liegt für den Goldpreis weiterhin ein klarer Aufwärtstrend vor. Der fulminante Jahresauftakt wird seit vier Monaten konsolidiert, ohne dass dabei die 200-Tage-Linie (1.025 Euro) bisher erreicht wurde. Lediglich zweimal, und auch nur für kurze Zeit, rutschten die Preise unter die Marke von 1.050 Euro. Seit Anfang Mai verteuerte sich der Preis für eine Feinunze bereits wieder um knapp 50 Euro.

Insgesamt stehen die Chancen für einen Anstieg bis auf zunächst 1.135 Euro recht gut. Hier verläuft die Abwärtstrendlinie der letzten Monate, welche nochmals einen Schwächeanfall erzwingen könnte. Kurzfristig müssten die Notierungen zunächst um die 50-Tage-Linie (1.092 Euro) oszillieren. Solange der US-Dollar wieder Stärke zeigt, bleibt der Goldpreis in Euro gut unterstützt und selbst das mögliche bearishe Szenario beim Gold in US-Dollar könnte dann schlimmstenfalls doch noch für den Test der 200-Tage-Linie und des Ausbruchsniveaus um 1.000 Euro sorgen. Davon sind wir aber noch ein gutes Stück entfernt. Negative Signale kommen bei den Indikatoren lediglich von der überkauften Stochastik. Der MACD hingegen hat erst kürzlich ein neues Kaufsignal erzeugt. Insgesamt also ein etwas gemischtes Bild, übergeordnet spricht aber nach dem Abschluss der fortgeschrittenen Konsolidierung alles für einen Anstieg in Richtung 1.200 Eu

Den kompletten Goldreport als PDF downloaden.


Ihr Ansprechpartner bei der pro aurum GmbH: 

Benjamin Summa, Unternehmenssprecher
Telefon: +49 (89) 444 584 344

E-Mail:benjamin.summa@proaurum.de


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