Gold-Futures: Eine riskante Wette auf die goldene Zukunft

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Münzen oder Barren auswählen, Geld auf den Tisch legen, Silber einpacken und zu Hause verwahren – die meisten Edelmetallanleger in Deutschland schwören auf das physische Investment. Dabei hat das Kaufverhalten beim Edelmetallhändler nur bedingt Auswirkungen auf die Preise für Gold – deutlich wichtiger und folgenreicher sind die Transaktionen, die auf dem sogenannten „Futures“-Markt abgewickelt werden. Doch warum bestimmt dieser Markt, auf dem in den allerwenigsten Fällen auch tatsächlich Goldmünzen oder -barren den Besitzer wechseln, den Preis für physische Edelmetalle?

Der Handel mit Futures ist denkbar einfach – der englischsprachige Begriff bezeichnet ein börsengehandeltes Termingeschäft. Mit anderen Worten: Zwei Parteien schließen eine Vereinbarung über den Kauf oder Verkauf eines Rohstoffes zu einem festen Preis in der Zukunft. So kommt ein Terminkontrakt praktisch einer Wette auf zukünftige Wertentwicklungen gleich. Festgelegt sind bei einem Futures-Geschäft der Basiswert, die Laufzeit, der Verfallstermin und die Kontraktgröße. Beim Abschluss eines Futures müssen keine Prämien gezahlt werden.

In der Anleger-Fachsprache wird zwischen zwei verschiedenen Futures-Positionen unterschieden. Während der Verkäufer üblicherweise einen fallenden Kurs des Basiswerts während der Kontraktlaufzeit vermutet, wettet der Käufer auf einen Wertzuwachs. In diesem Fall ist von einer „Short“-Position die Rede – der Verkäufer hat eine offene, also noch ungedeckte Position, eine sogenannte „Leer“-Position oder „Minus“-Position. Der Marktteilnehmer, der eine Short-Position einnimmt, erwartet fallende Kurse. Wenn nun die Kurse steigen, muss er einen Verlust hinnehmen oder mit einem Gegengeschäft den Handel absichern. Entgegengesetzt wird von einer „Long-Position“ gesprochen, wenn ein Marktteilnehmer steigende Kurse erwartet und bis zur Schließung oder Sicherung das Risiko fallender Kurse trägt. In beiden Fällen ist der Gewinn also davon abhängig, wie weit der Future-Kontrakt zum Zeitpunkt der Fälligkeit unter oder über dem Startkurs notiert.

Der Handel mit sogenannten Futures ist nicht unumstritten – insbesondere der Handel mit Futures am Rohstoffmarkt gilt als eine Erklärung für die massive Verteuerung von Lebensmitteln in den vergangenen Jahren. Um eine übermäßige Spekulation mit Futures zu unterbinden, müssen die Vertragspartner daher eine Vorschusszahlung leisten. Diese Sicherheitsleistung wird im Englischen als „Initial Margin“ bezeichnet. Somit soll verhindert werden, dass Zocker ohne tatsächliche Geldreserven auf dem Terminmarkt aktiv werden und die Termingeschäfte später nicht bedienen können.

Tatsächlich ist der Terminmarkt mit einer herkömmlichen Warenbörse kaum zu vergleichen – nur ein Bruchteil der Termingeschäfte wird auch tatsächlich abgewickelt, sodass die Marktteilnehmer in den wenigsten Fällen auch wirklich Gold und Silber zum verabredeten Termin liefern müssen. Die meisten Transaktionen werden kurz vor dem Fälligkeitszeitpunkt durch ein Gegengeschäft „glattgestellt“, sodass die Inhaber einer Short-Position eine Long-Position erwerben und umgekehrt. So entsteht durch die Preise der beiden Kontrakte ein Gewinn oder ein Verlust.

Eine besondere Rolle für Spekulanten spielen die „Margins“, sie haben in der Vergangenheit auch direkt den Goldpreis beeinflusst. Als beispielsweise die COMEX im Jahr 2012 die Sicherheitsleistungen beim Terminhandel mit Silber um bis zu 28 Prozent gesenkt hatte, schossen die Edelmetalle in die Höhe – nachdem die Hürde für den Einstieg in den Futures-Handel gesenkt wurde, konnten mehr Anleger einsteigen. Die entgegengesetzte Bewegung war in den Jahren zuvor wiederholt zu beobachten, als der Comex-Betreiber, die CME Group, die Margins für Silber-Kontrakte in kurzer Zeit mehrfach erhöht und damit die Wertnotierungen für Silber in den Keller geschickt hatte. Immer dann, wenn der Handel durch geringere Sicherheitsleistungen erleichtert wird, wird ein möglicher Preiszuwachs bei den Futures unterstützt.

Das Zentrum des Handels mit Gold- und-Silber-Futures liegt in New York. Hier hat die CME Group, die größte Terminbörse der Welt, ihren Sitz. Sie wird häufig immer noch unter ihrem früheren Namen „Comex“ bezeichnet und bietet neben dem Futures-Handel auch Lagermöglichkeiten an, um die physische Auslieferung von Silberpositionen für Marktteilnehmer zu erleichtern. Die registrierten Bestände werden offiziell von der CME für den Ausgleich von fälligen Kontrakten an der Börse anerkannt. Üblicherweise werden Geschäfte mit Futures in bar oder durch ein Gegengeschäft ausgeglichen, die physische Lieferung von Gold und Silber stellt allerdings eine absolute Ausnahme dar, sodass der Umfang der Comex-Lagerbestände nicht zwangsläufig identisch ist mit dem Wert der gehandelten Futures. Allerdings liegen die Edelmetalle in begrenztem Umfang für die Fälligkeit von Silber-Futures bereit, sodass Händler anstelle einer Barauszahlung auch einen Lagerschein erhalten können.

In den vergangenen Jahren bestand auf dem Futures-Markt wiederholt die Gefahr einer besonderen Situation, die als „Short-Squeeze“ bezeichnet wird. Dabei sehen sich vor allem Leerverkäufer genötigt, größere Mengen an Gold oder Silber zu kaufen, um ihre offenen Positionen „glattzustellen“. Denn wenn nach den Leerverkäufen, die praktisch wie eine Wette auf einen sinkenden Goldpreis funktionieren, wider Erwarten der Goldpreis steigt, müssen die Leerverkäufer das „leerverkaufte“ Gold zurückkaufen, um ihre Verluste zu begrenzen. Und wenn viele Leerverkäufer gleichzeitig Gold oder Silber kaufen, kann ein Nachfrageüberhang entstehen, was den Preis nach oben treibt.


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