Gold-ETCs: Warum der „erste börsengehandelte Goldbarren“ nicht überzeugt

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Das Investment in Edelmetalle ist auf den ersten Blick eine unkomplizierte Angelegenheit – doch wenn Barren und Münzen gekauft sind, haben Anleger noch lange keine Ruhe. Sie müssen sich beispielsweise um die Lagerung und Versicherung ihrer Schätze sorgen. Eine bequeme Alternative: börsengehandelte Goldprodukte. Doch Minenaktien oder Fonds („Exchange Traded Funds”) sind nicht jedermanns Sache, weil diese Produkte nicht mit physischem Gold hinterlegt sind.

Wer sich hingegen für Produkte wie „EUWAX-Gold“ oder „Xetra-Gold“ entscheidet, erwirbt eine sogenannte „Inhaberschuldverschreibung“ – im Klartext: Die Anteilsscheine sind zu 100 Prozent mit Gold gedeckt, jede Schuldverschreibung verbrieft ein Gramm Gold in Form eines Kleinbarrens. Investoren können also tatsächlich die Auslieferung des Goldes fordern, dies ist ab 100 Inhaberschuldverschreibungen oder einem ganzen Vielfachen von 100 möglich – der Anleger erhält dann einen 100-Gramm-Kleinbarren. EUWAX-Gold wird daher auch als „erster börsengehandelter Goldbarren“ bezeichnet. Wer weniger als 100 Anteile besitzt, kann am Goldpreis partizipieren, sich sein Gold jedoch nicht ausliefern lassen.

Das EUWAX-Gold wird von der Börse Stuttgart Securities GmbH ausgegeben und wurde erstmals im Herbst 2012 angeboten. Und nur vier Wochen nach dem Start hatte die Börse Stuttgart bereits rund 51 Kilogramm platzieren können, was damals einem Gegenwert von 2,1 Millionen Euro entsprach. Ein Jahr danach zog die Börse eine positive Zwischenbilanz: 2013 wurden beim EUWAX-Gold an jedem Handelstag mehr Kauf- als Verkaufsorders ausgeführt. Die Häufung von kleinen Orders versteht die Börse Stuttgart als Zeichen, dass EUWAX-Gold insbesondere für Privatanleger interessant ist. Die Börse Stuttgart lagert 100 Prozent des Gegenwertes in Gold beim Partner Prosegur ein.

Das EUWAX-Gold gehört zu den sogenannten ETCs (Exchange Traded Commodities). Und entsprechende Inhaberschuldverschreibungen werden wie Kredite behandelt. Dies birgt gewisse Risiken: Wenn der Emittent pleitegeht, droht der Totalverlust des Investments – egal, wo der Goldpreis gerade steht und welchen Wert die Inhaberschuldverschreibungen gerade haben. Zudem stehen einzelne Anbieter in der Kritik, weil Zweifel daran besteht, ob die angeblich hinterlegten Barren wirklich in ausreichender Menge in den Tresoren des Fondsbetreibers lagern.

Im Vergleich zum direkten Kauf von Goldbarren hat eine Inhaberschuldverschreibung wie EUWAX-Gold auf den ersten Blick viele Vorteile – es entstehen keine laufenden Kosten, es fallen lediglich die börsenüblichen Transaktionskosten an. Zudem müssen sich Investoren nicht um die Lagerung ihres Goldes in den eigenen vier Wänden kümmern. EUWAX-Gold und Konkurrenzprodukte wie Xetra-Gold gelten als äußerst bequemer Weg zum Goldkauf. Zudem werden ETCs fortlaufend während der Börsenzeiten gehandelt, möglich sind neben dem normalen An- und Verkauf auch Limit- und Stopp-Loss-Orders.

Beim Investment in Exchange Traded Commodities wie EUWAX-Gold sollten Anleger einige Details beachten: Der Preis pro Gramm Gold bezieht sich auf den jeweiligen Barren-Preis, bei dem ein Aufschlag von ein bis zwei Prozent auf den Spot-Preis für Gold fällig wird. Wer diesen Aufschlag umgehen will, sollte eher in Xetra-Gold investieren – dieses Investmentprodukt wird auf Grundlage des günstigeren Spot-Preises berechnet. Für die Auslieferung des Goldes ist eine Auslieferungsadresse in der Bundesrepublik Deutschland nötig. Die Erstauslieferung ist kostenlos, ein zweiter Besuch wird berechnet. Zudem wird das Gold nicht täglich ausgeliefert, sondern die Anträge werden gesammelt und einmal im Monat ausgeführt.

Im Vergleich zum EUWAX-Gold fallen bei Xetra-Gold mehrere wichtige Unterschiede auf: Das Gold kann hier nur an eine Geschäftsstelle einer Bank ausgeliefert werden, nicht jedoch an eine Privatadresse. Allerdings erfolgt die Auslieferung täglich und nicht wie beim EUWAX-Gold nur einmal im Monat. Eine Auslieferung ist bereits ab einem Gramm möglich. Allerdings werden für die Auslieferung Gebühren fällig, hinzu kommt eine jährliche Verwahrgebühr. Unterm Strich bleiben für Anleger also Kosten und Unsicherheiten, die sie mit dem direkten Investment in physische Edelmetalle vermeiden könnten – so könnte beispielsweise in gestörten Marktphasen der ETC-Emittent mit der Auslieferung der Edelmetalle in Verzug geraten. Wer früher oder später Zugriff auf sein Investment haben möchte, sollte also den Umweg über ETCs nehmen – bei spezialisierten Edelmetallhändlern wie pro aurum erhält man sein Gold direkt zum Mitnehmen und kann darauf sofort zugreifen, wenn das nächste Finanzgewitter aufzieht.


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