Gold: Es bleibt weiterhin spannend

Goldreport

In den ersten Handelswochen des neuen Jahres ist bei Gold ziemlich viel passiert. Die Schweizer Notenbank und die EZB verhalfen dem gelben Edelmetall zu einem eindrucksvollen Comeback und trieben es zeitweise über die Marke von 1.300 Dollar – den höchsten Stand seit fünf Monaten.

Mitte Januar überraschte die Schweizerische Nationalbank (SNB) die Finanzmärkte mit der Freigabe des Schweizer Franken, nachdem SNB-Präsident Thomas Jordan noch am 5. Januar in einem Fernseh-Interview die Kopplung an den Euro vehement verteidigt hatte. Mittlerweile sind wir alle um einiges schlauer und einige Anleger und Firmen, die auf den Mindestkurs von 1,20 Franken pro Euro vertraut hatten, deutlich ärmer – einige sogar insolvent. Die Reaktion an den Devisenmärkten fiel nämlich besonders heftig aus: So verteuerte sich am Tag der Bekanntgabe der Schweizer Franken gegenüber dem Euro in der Spitze um über 42 Prozent. Mittlerweile gab SNB-Direktoriumsmitglied Fritz Zurbrügg zu, dass den Schweizern das Stützen des Euro zu teuer geworden war. Allein für den Monat Januar taxierte der Notenbanker die hierfür notwendige Interventionssumme auf 100 Milliarden Franken.

Mario Draghi wagt Liquiditätsflut

Auch EZB-Chef Mario Draghi lieferte den Anlegern neue Argumente zum Goldkauf. Was er bereits seit Monaten in Aussicht gestellt hatte, untermauerte er auf der ersten Notenbanksitzung des Jahres mit konkreten Zahlen. Um eine Deflation zu verhindern und die europäische Konjunktur anzukurbeln, kündigte er bis September 2016 monatliche Anleihekäufe im Volumen von 60 Milliarden Euro an. Der Euro wurde gegenüber dem Dollar daraufhin auf das niedrigste Niveau seit elf Jahren gedrückt. Europäische Goldbesitzer profitieren somit nicht nur von der Aussicht auf anhaltend niedrige Zinsen und den damit verbundenen geringen Opportunitätskosten, sondern auch von währungsbedingten Goldpreissteigerungen. Während das Edelmetall auf Dollarbasis seit dem Jahreswechsel um 8,6 Prozent zulegte, stellte sich in Euro umgerechnet ein Plus von über 16,8 Prozent ein. Überraschenderweise hievten der Ausgang der griechischen Parlamentswahlen und die damit verbundenen Risikofaktoren für die Geldgeber der Griechen die Krisenwährung Gold nicht weiter nach oben. Gewinnmitnahmen sorgten zunächst einmal für ein Ende des Höhenflugs.

Markante Verkäufe auch bei pro aurum

Diese Tendenz hat auch Robert Hartmann, Gründer und Geschäftsführer von pro aurum, bestätigt. Seit dem Jahreswechsel haben die Umsätze nämlich spürbar angezogen, wobei einige Anleger den Anstieg des Goldpreises zu Gewinnmitnahmen genutzt haben. Er wies auf Folgendes hin: „In den vergangenen Handelstagen erreichten uns ungewöhnlich viele Verkaufsorders und die durchschnittliche Höhe sämtlicher Aufträge stieg deutlich an.“ Zugleich merkte er an: „Nicht wenige Orders hatten einen Auftragswert  von über 50.000 Euro und auf sieben Käufer kamen zuletzt drei Verkäufer. Zur Erinnerung: Im Jahr 2014 lag dieses Verhältnis bei neun zu eins.“

Zugleich fällt allerdings auf, dass die Nachfrage nach physischem Silber nicht im gleichen Maße mit dem Kaufinteresse für Gold Schritt gehalten hat. Robert Hartmann führt dies teilweise auf die Unkenntnis der steuerlichen Komponente zurück. Im Grunde genommen hat sich nämlich nach der Steueränderung für Silbermünzen am 1. Januar 2014 für deren Käufer kaum etwas geändert. Durch die Einführung der Differenzbesteuerung zahlen die Kunden von pro aurum beim Erwerb von Silbermünzen heute nur rund 10 bis 15 Cent mehr als bei der alten Regelung mit dem ermäßigten Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent. Der Edelmetallprofi bedauert das geringe Interesse der Anleger, schließlich geht er davon aus, dass Silber in den kommenden Monaten relativ besser performen sollte als Gold.

Wachsender Appetit im ETF-Sektor

Positive Nachfrageimpulse kamen in den vergangenen Wochen aber auch aus dem ETF-Sektor. Allein beim weltgrößten Gold-ETF SPDR Gold Shares war seit dem Jahresultimo ein Anstieg der gehaltenen Goldmenge von 709,02 auf 752,70 Tonnen registriert worden, nachdem 2014 noch ein „Lagerschwund“ von 89,2 Tonnen zu Buche schlug. In diesem Zusammenhang merkt Goldexperte Hartmann an, dass die Terminmärkte seit 2011 die Oberhand bei der Goldpreisfindung haben. In den Jahren zuvor war es angesichts der hohen globalen Nachfrage nach physischem Gold viel gefährlicher, Gold leer zu verkaufen. Laut dem am 23. Januar veröffentlichten Commitments of Traders Report der US-Aufsichtsbehörde CFTC hat sich der Optimismus großer und kleiner Spekulanten deutlich erhöht. Deren kumulierte Netto-Long-Position (optimistische Markterwartung) hat sich in den vergangenen zehn Wochen mit 177.810 Kontrakten um mehr als das Dreifache auf den höchsten Stand seit zwei Jahren erhöht. Für Robert Hartmann hängt die Stimmung an den Terminmärkten aber auch von der weiteren Entwicklung der Goldkäufe im ETF-Sektor ab und er meint: „Hält die Kauflaune bei Gold-ETFs an, ist der Optimismus an den Terminbörsen nachhaltig. Kommt es jedoch hier wieder zu Abflüssen, steht der Aufschwung des Goldpreises kurzfristig auf tönernen Beinen.“

Was macht die US-Notenbank Fed?

Nach der zweitägigen Januar-Sitzung übte sie sich weiterhin in Geduld. Allerdings wurden der US-Arbeitsmarkt und die Konjunktur etwas positiver als bei der letzten Sitzung im Dezember eingeschätzt. Mittlerweile attestiert Fed-Chefin Janet Yellen der US-Wirtschaft ein solides Wachstumstempo, nachdem dieses sechs Wochen zuvor lediglich als moderat bezeichnet worden war. Für Robert Hartmann sind steigende Zinsen und ein weiterhin starker US-Dollar allerdings keine ausgemachte Sache. Aktuell wird die USA zwar als Konjunkturlokomotive dargestellt, aber einige Wirtschaftsdaten der letzten Wochen konnten seiner Meinung nach nicht wirklich überzeugen. Am Arbeitsmarktboom partizipiert zum Beispiel die Bevölkerung nur zum Teil, schließlich können mehr als 50 Millionen Amerikaner nur mit Lebensmittelmarken überleben. Außerdem steigen die US-Löhne nicht. In einer  Volkswirtschaft, die sehr vom Konsum der Bürger abhängt, ist das nicht vorteilhaft. Der Abwertungswettlauf der Währungen der großen Wirtschaftsräume hat nach Ansicht von Hartmann längst begonnen. Für ihn steht fest: „Niemand will wirklich eine starke Währung. Ich kann mir vorstellen, dass den Fed-Verantwortlichen die Aufwertung des Dollars ein Dorn im Auge ist und dass sie dies in Kürze auch verbal kundtun werden.“

Drei Fragen an die Privatkunden von pro aurum

Im Januar nahmen an der Sentiment-Umfrage von pro aurum mehr als 800 Personen teil. 

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Die Kauflaune der Befragten hat gegenüber der letzten Erhebung des Jahres 2014 deutlich nachgelassen und rutschte von 43,3 Prozent auf 37,9 Prozent ab. Der Anteil der Anleger mit abwartender Haltung erhöhte sich hingegen von 56,7 auf 62,1 Prozent. Dabei vertraten 69,6 Prozent der Befragten die Ansicht, dass Edelmetalle derzeit unterbewertet sind, während diese Quote im Dezember noch bei 74,1 Prozent lag. Eine faire Bewertung sehen mittlerweile 20,9 Prozent (Vormonat: 18,4 Prozent), während 9,5 Prozent (Dezember: 7,5 Prozent) der Anleger Edelmetalle als überbewertet einstufen.

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Und nun zur „Gretchenfrage“: Wie werden sich die Preise der Edelmetalle wohl entwickeln? Mit 52,5 Prozent der Umfrageteilnehmer prognostizierten erneut mehr Anleger als im Vormonat (39,7 Prozent) steigende Edelmetallpreise. Zugleich erwarten lediglich 33,7 Prozent (Dezember: 44,1 Prozent) einen Seitwärtstrend, während die Quote der Pessimisten im Berichtszeitraum von 16,2 auf 13,7 Prozent zurückging.

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Charttechnisch ließ sich der massive Anstieg des Goldpreises in Euro allerdings bereits seit Monaten prognostizieren

Der Preis für eine Feinunze Gold in Euro ist in den ersten Wochen des neuen Jahres regelrecht nach oben explodiert. Während die Kursentwicklung in US-Dollar gerechnet zwar klar positiv, aber doch noch relativ überschaubar bleibt, gab es für Euro-Gold kein Halten mehr. Hauptursache war natürlich der kollabierende Außenwert des Euros. Mit der Entkoppelung des Schweizer Franken, dem massiven europäischen QE-Programm sowie der Griechenlandwahl gab es drei sehr starke Argumente gegen den Euro. Diese sind nun mehr oder weniger eingepreist. Ob und wann die amerikanische und/oder die japanische Zentralbank im weltweiten Währungskrieg zum Gegenschlag ausholen werden, bleibt abzuwarten. Der Euro jedenfalls ist verhasst und ungeliebt wie noch nie.

Charttechnisch ließ sich der massive Anstieg des Goldpreises in Euro allerdings bereits seit Monaten prognostizieren. Das ganze vergangene Jahr über bastelte Euro-Gold an einem aufsteigenden Dreieck. Während auf der Oberseite die Marke von 1.000 Euro jedes Mal eine unüberwindbare Hürde darstellte, wurden auf der Unterseite kontinuierlich höhere Tiefs erzielt. Damit hatte sich langsam, aber sicher immer mehr Druck im Euro-Goldchart aufgebaut. 

Am 2. Januar war es dann so weit. Mit dem klaren Ausbruch über die monatelange psychologische Widerstandsmarke bei 1.000 Euro startete ein heftiger parabolischer Kursanstieg, welcher erst am vergangenen Montag bei 1.168 Euro sein vorläufiges Ende fand. Seitdem notiert Euro-Gold knapp 30,00 Euro tiefer und läuft seitwärts. Damit wurde das Kursziel der Dreiecksformation auf dem logarithmischen Tageschart in lediglich drei Wochen ziemlich genau erreicht und die Formation ist vermutlich bereits abgeschlossen.

Durch den brachialen Anstieg ist der Tageschart mittlerweile stark überkauft. Alle Indikatoren notieren am Anschlag. Noch bewegt sich die Stochastik mit beiden Signallinien oberhalb von 80 (trendbestätigender Zustand), eine Korrektur bzw. ein Rücksetzer wird aber immer absehbarer. Häufig wird das Ausbruchsniveau aus einem Dreieck auch noch einmal getestet. Insofern wäre es nicht überraschend, wenn Euro-Gold in den kommenden Monaten bis etwa 1.035 bis 1.050 Euro zurücksetzt. Hier würde sich dem langfristig denkenden Investor eine sehr gute Nachkaufgelegenheit bieten, denn übergeordnet hat sich die Lage auf dem Monatschart deutlich verbessert und Euro-Gold müsste nach Bereinigung der überkauften Lage mittel- und langfristig die nächste Widerstandszone um 1.200 Euro ansteuern.

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