Gold: Anlageklasse mit Ankercharakter

Goldreport

An den Aktienmärkten ging es im September ziemlich turbulent zu. Ungeachtet dessen vollzog der Goldpreis auf dem reduzierten Kursniveau bei rückläufiger Volatilität eine Bodenbildung – mehr war bislang nicht drin. 

Negative Korrelation ausgehebelt 

In der Theorie über die Kapitalmärkte wird dem Goldpreis gegenüber Aktieninvestments allgemein eine negative Korrelation zugestanden. Das heißt: Fallen die Aktienkurse, steigt der Goldpreis – und umgekehrt. In diesem Sommer ging diese vermeintliche Gesetzmäßigkeit jedoch nicht auf. Während zum Beispiel der DAX seit seinem Jahreshoch im April einen Kursverlust von 23 Prozent erlitten hat, ging es mit dem gelben Edelmetall im selben Zeitraum nicht nach oben, sondern auf Eurobasis um elf Prozent bergab. Als sicherster Hafen erwies sich während dieser Marktphase aber weder Bundesanleihen noch US-Staatsanleihen, sondern Bargeld.  

Ein bisschen beruhigend wirkte ein Goldinvestments dennoch, schließlich verlief das Auf und Ab in relativ geordneten Bahnen. Während Aktien und Rohstoffe mitunter wilde Kursbewegungen vollzogen, fungierte das Edelmetall in stürmischer See wie ein Anker. Dies lässt sich am besten über die Risikokennzahl Volatilität ablesen. So hat sich zum Beispiel bei Gold in den vergangenen fünf Monaten die historische 100-Tage-Volatilität von 18 Prozent auf knapp 14 Prozent reduziert. 

Als deutlich aussagekräftiger werden an den Terminmärkten aber erwartete (implizite) Volatilitäten betrachtet. Die Chicago Board Options Exchange (CBOE) veröffentlicht fortlaufend zahlreiche Volatilitätsindizes, denen die Optionen auf diverse Basiswerte zugrunde liegen – darunter auch fünf Varianten mit Bezug zum Rohstoffsektor. Besonders interessant: Während die Volatilitätsindizes auf Goldminen-ETFs (56,3 Prozent) und Rohöl-ETFs (49,5 Prozent) derzeit die Nerven der Anleger am meisten strapazieren, kann man das Pendant auf die Gold-ETF-Variante mit 18,3 Prozent fast schon als harmlos bezeichnen. Mit diesem Wert schlägt der „Einzelkämpfer Gold“ sogar die CBOE-Volatiltätsindizes auf breit diversifizierte Aktienindizes wie den S&P-100 (27,9 Prozent), den NASDAQ (29,0 Prozent) sowie den Russell-2000 (27,5 Prozent). 

Gold und der Bremsklotz namens „Fed“ 

An den Goldmärkten wurden im September weniger die Verwerfungen an den internationalen Aktienmärkten diskutiert, sondern eher das von der Fed – gefühlt seit einer Ewigkeit – angekündigte  Anheben der Leitzinsen. Aus Sorge um Chinas Wirtschaft und den damit einhergehenden negativen Folgen für die Weltwirtschaft verzichtete man bei der Sitzung Mitte September wieder einmal darauf. Und das, obwohl sich die US-Wirtschaft derzeit in relativ robuster Verfassung präsentiert und somit ein Anheben des Zinsniveaus durchaus gerechtfertigt wäre. 

Der Terminbörsenbetreiber CME Group bietet auf seiner Website übrigens ein sogenanntes „FedWatch Tool“ an, mit dem aus den handelbaren Fed-Fund-Futures die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung abgeleitet wird. Ende September wies dieses „Pendel“ für die Sitzung am 28. Oktober einen Wert von elf Prozent und für die Sitzung am 16. Dezember einen Wert von 35 Prozent aus. Man darf daher gespannt sein, ob es das von Yellen & Co für dieses Jahr fast schon versprochene Anziehen der Zinszügel überhaupt geben wird. Besitzer von physischem Gold sollten sich darüber nicht allzu sehr aufregen, schließlich kann man die aktuelle Diskussion auch auf folgenden Nenner bringen: Lieber keine Zinsen oder Dividenden auf Gold als etwas höhere Zinsen bei mit erheblichen Risiken behafteten Staatsanleihen bester Bonität. 

Für Robert Hartmann, den Gründer und Geschäftsführer von pro aurum, ist es aber keineswegs eine ausgemachte Sache, dass die Fed die Zinsen erhöhen wird. Dass der Glaube an die Allmacht der Notenbanken erste Risse bekommen hat, ist für ihn offensichtlich, schließlich musste sich bereits im Januar die Schweizer Notenbank dem Druck des Marktes ergeben und die Koppelung des Schweizer Frankens an den Euro aufgegeben. Und auch Chinas Zentralbank vermittelte in den Sommermonaten nicht gerade den Eindruck, alles im Griff zu haben. Die Wirksamkeit der vom Staat ausgesprochenen Verbote von Leerverkäufen bzw. die verordneten Liquiditätshilfen scheint von den chinesischen Investoren mehr und mehr bezweifelt zu werden. Hartmann stellt fest: „Sollte sich an den Weltbörsen die Abwärtsdynamik verstärken, könnte in den USA ein Umdenken stattfinden. Anstatt die Zinsen anzuheben, droht dann eine neue Runde quantitativer Lockerungsmaßnahmen und dies könnte sich als Zündstoff für die nächste Runde der seit 2001 andauernden Goldhausse erweisen.“ 

Pessimismus sollte nicht überbewertet werden 

Unter Analysten und an den Terminmärkten herrschte in den vergangenen Wochen alles andere als ein hohes Maß an Optimismus. Für Robert Hartmann stellt dies allerdings kein sonderlich großes Problem dar – im Gegenteil. Er meint: „Je pessimistischer Spekulanten und Analysten werden, desto höher die Chance, dass der Goldpreis  einen Boden ausbildet. Während eine Baisse in der Euphorie geboren wird, entsteht eine Hausse meist in einem tiefen Tal der Tränen.“ Im Gegensatz zu vielen anderen Anlageklassen befindet sich das gelbe Edelmetall mittlerweile seit über vier Jahren auf einer Talfahrt. Hartmann bemerkt deshalb: „Analysten haben sich beim Bestimmen von Wendepunkten in der Vergangenheit nicht gerade mit ‚Ruhm bekleckert‘, da ihre Prognosemodelle in erster Linie auf Trendfolgeindikatoren basieren.“ 

Einen guten Beleg, dass an den Goldmärkten derzeit keine sonderlich positive Stimmung herrscht, lieferte im September die US-Aufsichtsbehörde Commodity Futures Trading Commission in ihren wöchentlichen Commitments of Traders-Reports.  Obwohl der Optimismus großer und kleiner Spekulanten im September gegenüber dem Vormonat markant zugenommen hat, hinkt er den Anfang des Jahres registrierten Werten noch weit hinterher. Weil an den Terminmärkten traditionell ein Vielfaches des physischen Handels von Goldbarren und -münzen bewegt wird, beeinflussen sie die Preisfindung von Gold in hohem Maße. Wer Gold als Versicherung gegen eine globale Finanzkrise betrachtet, sollte jedoch Papiergold und vor allem Futures auf Gold eher meiden. Letztere haben nämlich ein großes Problem: Die Zahl der offenen Kontrakte übertrifft die physischen Goldbestände der Terminbörse Comex um ein Vielfaches. 

Drei Fragen an die Privatkunden von pro aurum 

An der jüngsten Sentiment-Umfrage von pro aurum beteiligten sich im September insgesamt 527 Personen. 

Bei der Kauflaune der Befragten kam es gegenüber dem vorherigen Update (Juli) zu einem leichten Rückgang von 33,1 auf 32,4 Prozent. Dies führte im Gegenzug bei Anlegern mit abwartender Haltung zu einem Zuwachs von 66,9 auf 67,6 Prozent.

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Markante Veränderungen hinsichtlich der Beurteilung der aktuellen Edelmetallpreise gab es im Berichtszeitraum nicht zu vermelden. Auf der einen Seite sehen immer mehr Anleger eine Überbewertung, was sich am Anstieg von 10,4 auf aktuell 12,9 Prozent ablesen lässt.  Auf der anderen Seite hat sich der Anteil der Befragten, die Edelmetalle als unterbewertet einschätzen, von 71,8 auf 68,2 Prozent reduziert. Bei der Einschätzung, dass Edelmetalle derzeit fair bewertet sind, ist ein leichter Anstieg von 17,9 auf 18,9 Prozent registriert worden.

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Bei der Frage nach den Preisperspektiven der Edelmetalle waren die drei Antwortmöglichkeiten nahezu gleichgewichtet vertreten.  Eine leichte Mehrheit von 34,5 Prozent (Juli: 42 Prozent) prognostizierte fallende Edelmetallpreise, während bei den Optimisten ein massiver Anstieg von 19,9 auf 31,9 Prozent zu beobachten war. Für einen anhaltenden Seitwärtstrend sprachen sich mit 33,6 Prozent rund ein Drittel der Befragten aus (Juli: 38,2 Prozent). 

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Chartanalyse: Wackelige Situation am Goldmarkt

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Ausgehend vom Tief Ende Juli bei 1.071 US-Dollar konnte sich der Goldpreis in den letzten zwei Monaten teilweise etwas deutlicher erholen. Insgesamt hat sich die charttechnische Situation durch das höhere Tief Anfang September bei 1.098 US-Dollar leicht verbessert und es steht tatsächlich die Möglichkeit einer übergeordneten Trendwende im Raum. Wie die letzten drei Handelstage aber erneut zeigen, ist hier noch nichts bestätigt, schließlich hat der Goldpreis in wenigen Tagen schon wieder so ziemlich alle Gewinne der Vorwoche abgegeben.

Parallel zur charttechnisch noch immer wackeligen Situation am Goldmarkt geht derzeit vor allem von den weltweiten Aktienmärkten ein stark deflationärer Druck aus, welcher zunächst noch bis Mitte/Ende Oktober anhalten könnte und auch alle anderen Assetklassen in Mitleidenschaft ziehen dürfte. Erst wenn die Zentralbanker wieder mit neuen Liquiditätsmaßnahmen eingreifen, wird sich die Lage am Goldmarkt nachhaltig ändern. Bis dahin schwankt Gold zwischen der Chance auf eine Erholung bis zu seiner 200-Tage-Linie (1.179 US-Dollar) und der Gefahr, dass es doch nochmal abwärts in Richtung 1.035 US-Dollar geht. 

Sentiment und CoT-Daten deuten eher auf eine weitere Erholung hin. Und auch die Saisonalität bleibt den Edelmetallen bis Mitte Oktober wohlgesonnen.

Solange sich Gold über der neuen Aufwärtstrendlinie bei 1.110 US-Dollar halten kann, bleibt die Chance für eine größere Erholung und eine mögliche übergeordnete Trendwende erhalten. Fällt diese Marke jedoch, dürfte es zum finalen Kursrutsch bis in den oft genannten Bereich zwischen 980 und 1.035 US-Dollar kommen.

Bereits seit Mitte Juli pendelt der Goldpreis in Euro gerechnet unter Schwankungen um die Marke von 1.000 Euro. Weder die Bullen noch die Bären konnten bisher einen entscheidenden Stich landen bzw. eine nachhaltige Bewegung etablieren. Allerdings markierte der Goldpreis in Euro im Gegensatz zur Preisentwicklung in US-Dollar Anfang September mit 968 Euro ein tieferes Tief. Das zuletzt empfohlene Nachkauflimit bei 950 Euro wurde damit trotzdem knapp verfehlt. 

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Übergeordnet befindet sich der Euro-Goldpreis seit Ende 2013 in einem neuen Aufwärtstrend. Ende 2014 folgte mit dem Ausbruch über die Widerstandszone um 1.000 Euro ein steiler Anstieg, welcher mittlerweile seit knapp acht Monaten korrigiert wird. Die entscheidende Aufwärtstrendlinie verläuft derzeit bei ca. 970 Euro und wurde trotz der schwachen Sommermonate bisher nicht berührt. 

In der letzten Handelswoche konnten sich die Notierungen kurzzeitig wieder deutlich über die Widerstandszone bis auf 1.033 Euro absetzen. Bis zur steigenden 200-Tage-Linie (1.051 Euro) reichten die Kräfte der Bullen jedoch nicht aus. 

Seit vergangenem Freitag haben die Bären nun aber wieder die Kontrolle übernommen und drücken den Preis zur Stunde erneut auf 1.000 Euro. Ein Rückfall bis an die Aufwärtstrendlinie (derzeit um 970 Euro) wird dadurch sehr wahrscheinlich. Im Anschluss müsste eine neue Aufwärtsbewegung beginnen. Die Chancen dafür stehen gut, schließlich ist die Korrektur zeitlich als auch preislich mittlerweile recht weit gelaufen. Gelingt die Trendwende jedoch nicht, droht die Gefahr eines Kursrutsches in Richtung 900 Euro.

Zusammengefasst bietet sich vermutlich um die 970 bis 985 Euro bereits in den kommenden Tagen bzw. ein bis zwei Wochen eine sehr gute Nachkaufgelegenheit an.


Ihr Ansprechpartner bei der pro aurum GmbH: 

Benjamin Summa, Unternehmenssprecher
Telefon: +49 (89) 444 584 344

E-Mail: benjamin.summa@proaurum.de


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