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Gold: Angemessene Alternative bei Anlagenotstand

Quer gedacht

Obwohl Sparbücher, Tagesgeld und Staatsanleihen bester Bonität seit Jahren in erster Linie für Magerkost und Nulldiät stehen, sollten Anleger nicht resignieren, sondern angesichts des weiterhin vorhandenen Anlagenotstands verstärkt über Anlagealternativen nachdenken.

Leitzinsen nahe null Prozent in wichtigen Volkswirtschaften und diverse Rettungsmaßnahmen großer Notenbanken haben in den vergangenen Jahren dazu geführt, dass die Notenbankbilanzen der Bank of England, der Schweizerischen Nationalbank und der US-Notenbank Fed von 2008 bis 2015 um jährlich mehr als 20 Prozent angestiegen sind, während bei der Bank of Japan (+13,9 Prozent p.a.), People`s Bank of China (+9,5 Prozent p.a.) und der EZB (+6,9 Prozent p.a.) das geldpolitische Gaspedal bis dato offensichtlich weniger heftig durchgetreten wurde. Zum Vergleich: Bei den Goldbeständen war pro Jahr lediglich ein Plus von 1,6 Prozent registriert worden. Der Grund liegt auf der Hand, schließlich lässt sich physisches Gold nicht beliebig vermehren. Geld, Anleihen oder Aktien kann man diesen Vorteil hingegen nicht attestieren.

Weil die Rezepte der Vergangenheit – also niedrige Zinsen – in Krisenzeiten nicht mehr wirkten, mussten andere Mittel und Wege gefunden werden, die Finanzmärkte zu stabilisieren. Diese fanden die Notenbanker in Form von quantitativen Lockerungsmaßnahmen. Über großvolumige Anleihekäufe versuchte man, der Wirtschaft wieder auf die Beine zu helfen. Noch vor zwei Jahren pumpte zum Beispiel die Fed auf diese Weise Monat für Monat 85 Milliarden Dollar in die Märkte. Seit März 2015 setzt auch EZB-Chef Mario Draghi ziemlich viel auf diese Karte, insgesamt 60 Milliarden Euro pro Monat. Alles in allem hat die Geldflut dies- und jenseits des Atlantiks vor allem eines verursacht: einen erheblichen Anlagenotstand.

Wohin mit dem vielen Geld?

Früher wandte man sich in Geldangelegenheiten vertrauensvoll an die eigene Hausbank. Heute sollte man diese Strategie aus folgenden Gründen überdenken. Erstens: Häufig empfehlen Banker ihren Kunden eine Geldanlage, die nicht dem Anleger den höchsten Nutzen, sondern dem Bankinstitut den höchsten Profit bringt. Zweitens: Viele Banken haben physische Edelmetallinvestments gar nicht auf dem Radar, weil sie sich vor Jahren von diesem Geschäftsbereich meist aus Rentabilitätsgründen getrennt haben und nun ein Defizit an Edelmetallexpertise entstanden ist. Außerdem ist eine objektive und unvoreingenommene Berücksichtigung sämtlicher Anlageklassen bei vielen Bankberatern – bedingt durch systemimmanente Gründe – nicht gewährleistet.

Mit unabhängigen Vermögens- oder Honorarberatern können Anleger einen für das Anlageergebnis möglicherweise nachteiligen Interessenkonflikt der Banken umschiffen. Sie betrachten Gold & Silber in der Regel weniger als spekulative Komponente eines Portfolios, sondern eher als langfristiges Basisinvestment mit dem Charakter einer Versicherung. Viele dieser Anlageexperten raten zu einer Edelmetall-Quote zwischen 10 und 20 Prozent des liquiden Anlagevermögens. 

Staatsanleihen: Zinsloses Risiko

Die Zeiten, in denen man Witwen und Waisen mit gutem Gewissen Staatsanleihen empfehlen konnte, dürften seit der inflationären Erscheinung diverser Finanzkrisen dauerhaft vorüber sein. Als wichtigste Argumente für diese These dienen hier unter anderem die unverschämt niedrigen Renditen. Durch die unverschämt hohen Kurse hat sich im Falle einer einsetzenden Verkaufswelle an den Rentenmärkten – aus welchen Gründen auch immer – erhebliches Rückschlagpotenzial aufgebaut. Die niedrigen Erträge dieser Anlageklasse stehen daher in keinem Verhältnis zum damit verbundenen Risiko. Nach der Explosion der Staatsschulden sollte sich zudem jeder Investor darüber im Klaren sein, dass diese auf Dauer nur über die regelmäßige Aufnahme neuer Schulden zu refinanzieren sind. Ob dies auch im Falle eines markanten Zinsanstiegs gelingen wird, bleibt abzuwarten. Die aktuelle Lage an den Rentenmärkten wird von einigen Kapitalmarktexperten mittlerweile als „Mutter aller Blasen“ bezeichnet.

Goldexperte Ronald-Peter Stöferle hat in seiner mehr als 140 Seiten umfassenden diesjährigen Goldstudie „In Gold we trust“ in diesem Zusammenhang interessante Daten zum „Turmbau des Finanzsystems“ veröffentlicht. So wird in einer Auflistung darauf hingewiesen, dass sich die weltweite Verschuldung auf fast 200 Billionen Dollar erhöht hat, die globale Rentenmarktkapitalisierung ein Volumen von 139 Billionen Dollar angenommen hat und die Weltbank die globale Geldmenge auf fast 95 Billionen Dollar geschätzt hat. Hinsichtlich Gold fallen die Größenordnungen erheblich geringer aus: So wurde der Marktwert allen geförderten Goldes mit rund sieben Billionen Dollar, der Wert aller privaten Goldbestände plus Zentralbankbestände mit 2,6 Billionen Dollar und die Goldproduktion der Minen mit 118 Milliarden Dollar angegeben. Sollte auch nur ein kleiner Teil der heutigen Besitzer von Anleihen oder Aktien das Vertrauen in die „schützenden Hände der Notenbanken“ verlieren und in Gold umschichten, wäre die mehrjährige Baisse höchstwahrscheinlich auf einen Schlag beendet. Im Gegensatz zu Geld lässt sich physisches Gold nämlich nicht aus dem Nichts erschaffen. 

Doch lieber in Aktien investieren?

Zweifellos kann man Aktien eher das Attribut „Sachwert“ attestieren als dies bei Staatsanleihen bester Bonität der Fall ist. Letztere stellen nämlich lediglich ein Versprechen dar, vereinbarte Zinsen pünktlich und in voller Höhe zu zahlen und das geliehene Kapital am Ende der Laufzeit vollständig zurückzubezahlen. Außerdem übertreffen Aktien mit ihren Dividendenrenditen häufig den vom Staat gebotenen Zins für das überlassene Kapital und ihr durchschnittliches Kurs/Gewinn-Verhältnis sieht um einiges attraktiver als die vergleichbare Kennziffer bei Staatsanleihen aus.

Eine Aktiengesellschaft bleibt jedoch – allen Lobeshymnen zum Trotz – ein Investment, das im Konkursfall des Unternehmens einen Totalverlust des eingesetzten Kapitals mit sich bringen könnte. Außerdem hängen Aktien derzeit in besonders hohem Maße von der „Gutmütigkeit“ und der „Glaubwürdigkeit“ der wichtigsten Notenbanken der Welt ab. Werden zum Beispiel die Leitzinsen erhöht oder drehen sie den Geldhahn wieder zu, verteuert dies nicht nur die Unternehmenskredite, sondern könnte an den Börsen möglicherweise massiven Verkaufsdruck und damit verbundene Verluste generieren. 

Und wie ist es um die Perspektiven von Betongold bestimmt?

Immobilien werden zwar gerne als „Betongold“ bezeichnet, im Vergleich zum gelben Edelmetall sollten sich Anleger aber über die wichtigsten Unterschiede stets bewusst sein. Ein potenzieller Nachteil kommt bereits im Namen zum Ausdruck. Weil Grundstücke sowie Häuser und Wohnungen immobil sind, können sie weder eingepackt noch in ein anderes Land mitgenommen werden. Auch der Immobilienkauf bzw. -verkauf kann sich aufgrund der heterogenen Struktur und der Illiquidität Immobilienmärkte als schwierig und kostenintensiv erweisen. Außerdem sind Immobilienbesitzer der finanziellen Repression in Form von Grunderwerbsteuern, Grundsteuern, Grundbuchgebühren sowie kommunalen Gebühren besonders stark ausgesetzt. Immobilienpreise können sich nicht nur national, sondern auch regional völlig unterschiedlich entwickeln. Hierzulande lässt sich dieser Umstand besonders gut beim Vergleich der Immobilienpreisentwicklung boomender Großstädte mit infrastrukturschwachen und unter Landflucht leidenden Regionen erkennen.

Letztendlich haben sämtliche Anlageklassen durchaus ihre Existenzberechtigung und ihren Reiz – die eine mehr, die andere weniger. Alles auf eine Karte zu setzen, macht auf Grund des daraus resultierenden Klumpenrisikos allerdings keinen Sinn. Robert Hartmann, Gründer und Geschäftsführer von pro aurum, hält mit Blick auf das liquide Anlagevermögen (ohne Immobilien) einen Anteil von 15 bis 20 Prozent in physischen Edelmetallen – aufgeteilt in 80 Prozent Gold und 20 Prozent Silber – für ein angemessenes Rezept, der weltweit grassierenden ultralockeren Geld- und Schuldenpolitik zu begegnen. In den zweifellos unsicheren Zeiten können Edelmetalle auf das Anlegergemüt zudem sehr beruhigend wirken.


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