Folker Hellmeyer: Gold steht vor mehrjähriger Aufwärtsbewegung

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Verliert Janet Yellen die Geduld oder behält die US-Notenbank ihren geduldigen Kurs bei der Anhebung bei? Seit der jüngsten Sitzung des Fed-Offenmarktausschusses sind die Märkte ein bisschen schlauer, doch die Spekulationen um eine baldige Anhebung der Leitzinsen in den USA bestimmen weiter das Marktgeschehen. Der Chefanalyst der Bremer Landesbank, Folker Hellmeyer, bewertet im Interview mit dem Internetportal „finanzen.net“ die Perspektiven für Edelmetalle in Anbetracht der möglichen Zinswende. Das Gespräch hat Benjamin Summa, Unternehmenssprecher von pro aurum, geführt. Hellmeyer sagt Gold eine glänzende Zukunft voraus – er glaubt, dass es zu einer nachhaltigen Zinswende nicht kommen wird. „Ich denke, dass wir beim Gold kurz vor dem Ende einer fast vierjährigen Korrektur stehen“, sagt Folker Hellmeyer gegenüber „finanzen.net“. Er erwartet eine mehrjährige starke Aufwärtsbewegung und weist auf Länder wie Brasilien, China, Russland und Indien hin, wo physisches Material kontinuierlich aufgekauft wird. „Die Korrektur an den Edelmetallmärkten haben wir einzig und allein den Terminmärkten zu verdanken“, kritisiert Hellmeyer. Langfristig werde sich aber der physische Markt durchsetzen.

Für Gold spricht nach Darstellung von Folker Hellmeyer noch ein weiteres Argument, welches in den vergangenen Jahren an Relevanz verloren hat: die anziehende Inflation. Derzeit erreicht die Notenbank-Geldschwemme den Finanzmarkt, aber noch nicht die Realwirtschaft. „Mit der anspringenden Konjunktur wird aber genau das der Fall sein: Dann laufen wir von einem leicht deflationären Preisniveau in ein zunehmend inflationäres Preisgefüge“, erklärt Hellmeyer. Er sieht mittelfristig eine Bewegung in Richtung drei Prozent Preisinflation. Eine Zinswende im großen Stil werde nicht kommen, bestenfalls seien 0,25 oder 0,5 Prozent drin. „Die US-Konjunkturaussichten sind so enttäuschend wie seit 2011 nicht mehr“, warnt Hellmeyer. Und diese ungemütliche Großwetterlage verträgt nach seiner Einschätzung keine echte Zinswende. 

Neben Gold geht Folker Hellmeyer im Gespräch mit „finanzen.net“ auch auf weitere Anlagealternativen ein. Eine unmittelbare Crash-Gefahr für Aktien sieht Hellmeyer nicht. Zwar seien Konsolidierungen oder wirkliche Korrekturen von fünf bis zehn Prozent im Bereich des Möglichen, durch die extreme Niedrigzinspolitik und die quantitativen Maßnahmen seien die aktuellen Bewertungsniveaus an den Aktienmärkten aber nicht gefährdet. Auch ein möglicher Austritt Griechenlands aus der Eurozone sei keine echte Gefahr für die anhaltende Börsenhausse. Dagegen weist Hellmeyer auf die Ukraine-Krise hin, die inzwischen in der Tagesberichterstattung immer mehr in Vergessenheit gerät. Hier sei eine Teilung Westeuropas von Russland möglich. „Wenn es zu einer nachhaltigen Verschärfung käme, hätte das sicherlich sehr negative Auswirkungen“, warnt Hellmeyer. Die meisten Deutschen lassen sich von den Rekordkursen der Aktien dennoch nicht an die Börse locken. Über 80 Prozent des Vermögens der Deutschen schlummert in Geldwerten. Und Folker Hellmeyer erwartet hier kein wirkliches Umdenken. Die Deutschen nehmen also eine schleichende Entwertung ihres Vermögens durch die negative Realverzinsung in Kauf. Er rät zu europäischen Aktien: „Wir liegen bei der Dividendenrendite aktuell bei 2,5 Prozent, deutlich höher als die USA mit zwei Prozent. Wir haben keine Überbewertung, sondern eine faire Bewertung.“ Der Aufschwung in den 19 Ländern der Eurozone sei nach dem als Frühindikator für Wirtschaftsentwicklung geltenden Einkaufsmanager-Index in Fahrt gekommen.


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