Felix Zulauf und Uwe Bergold sehen Gold nach SNB-Entscheidung im Aufwind

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Inzwischen sind mehr als 24 Stunden vergangenen seit der Explosion einer fiskalpolitischen Bombe - und der Schock nach der Entscheidung der Schweizerischen Nationalbank (SNB), welche die eigene Währung nicht weiter bei einem Wert von 1,20 Franken zum Euro stützen  und damit die umfangreichen Euro-Käufe einstellen will,  hat die Finanzmärkte massiv durcheinander gewirbelt. Zwar konnte sich der Euro gegenüber dem Franken leicht stabilisieren, unterm Strich steht jedoch eine Abwertung um etwa 20 Prozent. Der Schweizer Aktienmarkt befand sich gestern nach der Entscheidung im freien Fall, der Goldpreis hat sich nach massiven Ausschlägen auf etwa 1100 Franken stabilisiert. Gestern war er nach einem Hoch bei 1.252,39 Franken zwischenzeitlich auf einen Tiefpunkt von 918,48 Franken gerutscht.

Der Goldpreis bekommt durch die Entscheidung der SNB kräftigen Rückenwind - auf Euro-Basis hat der Goldpreis allein am gestrigen Tag knapp fünf Prozent zugelegt. Und viele Marktbeobachter gehen davon aus, dass dies nur der Anfang für ein goldenes Jahr 2015 ist: "Gold war 2014 die zweitstärkste Währung nach dem US Dollar, das vergessen viele. Jeder Russe, der vor einem Jahr Gold gekauft hat, ist froh, weil er damit seine Kaufkraft bewahren konnte während der Rubel sich halbiert hat. Das ist nur ein Beispiel, wie Gold Anleger schützen kann", sagt Felix Zulauf, Vermögensverwalter mit Sitz in der Schweiz. Der deflationäre Prozess in der Weltwirtschaft ist aus seiner Sicht zwar nachteilig für Rohstoffe aller Art, dagegen nehmen jedoch auch die Systemrisiken wieder zu - und Gold kann diesbezüglich Schutz bieten: "Deshalb erwarte ich bis gegen Mitte 2015 eine Avance auf mindestens 1350 US-Dollar pro Feinunze", prognostiziert Zulauf.

Viele Experten gehen mit der Entscheidung der Schweizerischen Nationalbank hart ins Gericht – und verstehen sie auch als Signal für den Goldpreis. Uwe Bergold sieht in der Entscheidung der SNB eine regelrechte Kapitulation der geldpolitischen Planwirtschaft: "Hier hat offenbar die erste Notenbank festgestellt, dass ihre Eingriffe auf Dauer nicht funktionieren. Keine Notenbank der Welt kann sich dauerhaft gegen den Markt stellen." Bergold glaubt, dass diese Einsicht sich früher oder später auch bei anderen Nationalbanken durchsetzen dürfte: "Wir erleben hier den ersten Black Swan des Jahres", sagt Bergold und vermutet, dass weitere unvorhergesehene Ereignisse dieser Art (im Finanzjargon auch als "Black Swan" bekannt) im Jahr 2015 bevor stehen und die Finanzmärkte durcheinander rütteln werden. Er erinnert daran, dass die massiven geldpolitischen Eingriffe der Schweizer Notenbank im September 2011 beschlossen wurden - ausgerechnet zu der Zeit, als Gold sich auf dem Höhepunkt der Hausse befand. Jetzt, wo der Wegfall der staatlichen Stütze für den Euro durch die Notenbank eines vergleichsweise kleinen Landes auf den Finanzmärkten derartige Schockwellen auslöst, dürfte endgültig der Startschuss für die nächste zyklische Goldhausse gefallen sein. Die dreijährige Korrektur des Goldpreises neigt sich endgültig dem Ende. Bergold empfiehlt neben physischem Investment auch einen Blick auf die Goldminenaktien: Hier stehen unterm Strich je nach Papier seit Jahresanfang bereits Wertzuwächse von 20 bis 30 Prozent, der Wertzuwachs bei physischem Gold zahlt sich für Besitzer von Goldminenaktien gehebelt mit einem Faktor von 3 bis 4 aus.

Die Entscheidung der Schweizerischen Notenbank hat unterdessen auch viele Verlierer hervor gerufen, die an den Finanzmärkten nicht zu sehen sind: Einem Bericht der Schweizer Boulevardzeitung "Blick" zufolge zahlt der der europäische Fußballverband UEFA dem Schweizer Meister FC Basel demnächst drei Millionen für das Erreichen des Champions-League-Achtelfinals aus - in Euro. Kurz nach Bekanntwerden der SNB-Entscheidung war dieses Preisgeld rund 600 000 Franken weniger wert. Und Immobilienbesitzer in Osteuropa, die ihren Hauskredit in Schweizer Franken aufnahmen und damit von den niedrigen Zinsen in der Ferne profitieren wollten, müssen jetzt einem „Handelsblatt“-Bericht zufolge kräftig draufzahlen.


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