EZB-Entscheid zu Nullzinsen: Gold schützt gegen Enteignung von Sparen

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Viele Sparer hatten geglaubt, dass es nicht noch tiefer gehen wird mit den Niedrig-Zinsen – doch EZB-Präsident Mario Draghi hat Anleger in aller Welt eines Besseren belehrt – mit einer regelrechten Maßnahmen-Bazooka hat er  die Märkte geschockt: Die Anleihenkäufe werden von 60 auf 80 Milliarden Euro monatlich erhöht, Strafzinsen auf Bankeinlagen werden ausgebaut, der Leitzins liegt künftig bei 0,0 Prozent. Die Euphorie über eine Ausweitung der Billiggeld-Flut hielt lediglich ein paar Stunden an, noch am gleichen Tag nach Bekanntwerden der EZB-Entscheidung rauschten die Börsen in aller Welt nach unten. Die Auswirkungen für Sparer sind gewaltig, wie die Tageszeitung „DIE WELT“ zusammenfasst. 

Die Experten, die für „DIE WELT“ interviewt wurden, finden drastische Worte: „Die Zentralbank befindet sich im Endspiel“, sagt der bekannte Investor Max Otte der Zeitung zufolge. Mit der Einführung von Negativzinsen hätten die Währungshüter das Terrain der Geldvernichtung betreten. Tagesgeld-Zinsen dürften nun weiter absacken, bereits jetzt zahlen viele Banken nur noch durch Sonderaktionen einen kleinen Mini-Zins im positiven Bereich. Die Banken haben wegen der Billiggeld-Schwemme der EZB gar keinen Anreiz, weitere Kundengelder „anzulocken“. Im Gegenteil – sie vergraulen ihre treuen Kunden durch höhere Gebühren, beispielsweise für das Girokonto. 

Neben der „WELT“ befasst sich auch die Springer-Boulevardzeitung „BILD“ mit den Auswirkungen der EZB-Entscheidung. Gegenüber der „BILD“ erklärt Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn: „Das ist eine verbotene Subventionspolitik zur Stützung von Zombie-Banken und konkursgefährdeten Staaten.“ ZEW-Präsident Clemens Fuest warnt in der „BILD“ vor Blasen an Immobilien- und Anleihenmärkten und einer Schwächung der Banken. 

Positiv ist die Nullzinspolitik der Notenbanken nur für wenige Gruppen – darunter die Hausbauer. Sie freuen sich über historisch niedrige Finanzierungskonditionen für die eigenen vier Wände. Doch weil der Niedrigzins schon seit einigen Jahren gilt, sind die Immobilienpreise vor allem in den Städten massiv in die Höhe geschossen – hier beobachten viele Finanzexperten die nächste große Investmentblase. 

So ist es kaum verwunderlich, dass Anleger nach echter Sicherheit suchen. Und die finden sie im Gold: Das gelbe Metall notierte im vergangenen Jahr noch unter 1.000 Euro pro Feinunze und ist nun auf 1.145 Euro nach oben geschossen, ein Zuwachs in der Spitze um etwa 17 Prozent. Und die Perspektiven für das gelbe Metall sehen glänzend aus: „Ein Unzenpreis von 2.000 Dollar ist in diesem Umfeld nicht unwahrscheinlich“, sagt der Investor Otte. Gegenwind könnte allenfalls von der US-Notenbank Fed kommen, doch auch hier regiert die Unsicherheit um die nächsten Zinsschritte – und diese Unsicherheit treibt derzeit viele Anleger in den „sicheren Hafen“ Gold.  

Die großen Verlierer der Geldspritzen der Notenbanken sind währenddessen diejenigen, die im vergangenen Jahr ihr Geld in Aktien gesteckt haben – sie sind einfach zu spät auf den Zug aufgesprungen und haben in den vergangenen Monaten empfindliche Wertverluste hinnehmen müssen. Die Börsen befinden sich inzwischen in einem Bärenmarkt, nicht zuletzt weil die Ertragserwartungen der Unternehmen schlechter aussehen als erwartet. Auch Ulrich Stephan, Chefanlagestratege der Deutschen Bank, erwartet kurzfristig keine großen Sprünge an den Börsen. Denn die Maßnahmen der EZB haben in der Vergangenheit keine große Auswirkung auf die „harten Fakten“ der Konjunktur gehabt, die Effekte sind schnell verpufft. 

Die Tageszeitung „DIE WELT“ hat die größten Verzerrungen durch die EZB-Geldpolitik an den Bondmärkten ausgemacht und errechnet, dass rund drei Viertel aller Bundesanleihen und -obligationen rechnerisch bereits einen negativen Ertrag bringen. Wer diese Papiere zeichnet, verliert also Geld. Sogar solide Unternehmensanleihen sind längst keine Renditebringer mehr. Dadurch werden auch Lebensversicherungen nach unten gedrückt, weil sie vor allem in sichere Papiere investieren. 


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