Euro-Rebell Frank Schäffler: Ein Ende des Nullzins-Zeitalters ist nicht in Sicht

Quer gedacht

Frank Schäffler ist als der „Euro-Rebell“ bekannt geworden. Doch der FDP-Politiker verdient nicht nur Aufmerksamkeit für seine pointierte Kritik am Euro-Rettungsschirm. Unter dem Dach seiner Denkfabrik „Prometheus – Das Freiheitsinstitut“ publiziert Schäffler regelmäßig lesenswerte Einschätzungen zur Finanzpolitik. In seinem jüngsten Kommentar setzt sich Schäffler kritisch mit der weltweiten Rekordverschuldung auseinander. Er erinnert an eine Berechnung des „Institute of International Finance“, welche für 2016 von einem weltweiten Schuldenberg von 215 Billionen Dollar ausgeht. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren lag der Schuldenstand noch bei „nur“ 144 Billionen Dollar und weitere zehn Jahre zurück waren es lediglich 63 Billionen Dollar. Die Vergleiche, die Schäffler zieht, sind beängstigend: „Die Welt ist mit 325 Prozent zur Wirtschaftsleistung verschuldet“, stellt er klar und erinnert daran, dass nur bei Betrachtung der Staatsverschuldung die Länder mit 89 Prozent zur Wirtschaftsleistung weit oberhalb des Maastricht-Kriteriums von 60 Prozent liegen. Die EU-Staaten ignorieren also die Stabilitätsregeln, die sie sich selbst auferlegt haben. Und dass Europa noch halbwegs gut dasteht, zeigt ein Vergleich mit Japan – der vermeintliche Musterschüler unter den Industrienationen hat eine Staatsverschuldung von 227 Prozent angesammelt.

In seinem Text, der ursprünglich am 8. April 2017 in der Fuldaer Zeitung erschienen ist, beschreibt Frank Schäffler eindrucksvoll die finanzielle Repression, durch die Sparer seit Jahren immer stärker belastet werden. Er macht deutlich, dass zur Finanzierung der gewaltigen Staatsschulden niedrige Zinsen unverzichtbar geworden sind. Selbst bei einem niedrigen Zinssatz von zwei oder drei Prozent wären Insolvenzen von Unternehmen, Banken und auch Staaten die zwingende Folge. „Sie könnten die Zinsbelastung der hohen Schuldenlast nicht mehr tragen“, erklärt Schäffler Er vermutet, dass alle wichtigen Notenbanken auf der Welt den Kreditfluss weiter lockern werden, indem sie die Zinssätze nach unten manipulieren. Dafür ist auch der Ankauf von Staatsanleihen weiterhin notwendig. Und die Japaner machen vor, wie weitere Schritte aussehen könnten: Dort kauft die Notenbank sogar Aktien und befördert damit eine gigantische Blase an den Märkten. Nullzinsen werden also noch lange zum Alltag von Anlegern gehören – daran ändern auch die kleinen Zinsschritte der US-Notenbank nichts. Die Fed ist noch Lichtjahre von ihrem früheren Zinsniveau von über fünf Prozent entfernt.

Neben diesen handfesten volkswirtschaftlichen Verwerfungen beobachtet Frank Schäffler jedoch noch einen weiteren Schaden: den schleichenden Vertrauensverlust in die Papiergeldwährungen. „Solange das Vertrauen in die jeweilige Währung nicht erschüttert ist, kann der Schuldenberg auch noch eine gewisse Zeit weiter wachsen“, erklärt Schäffler. Die Vernichtung des Zinses als Belohnung für Sparer führt nach Einschätzung von Frank Schäffler jedoch zu steigenden Vermögenspreisen für Aktien und Immobilien. Wer über diese Sachwerte nicht verfügt, hat das Nachsehen und wird es immer schwerer haben, selbst in den Besitz eines Hauses oder anderer bleibender Werte zu kommen. Höhere Mieten und niedrigere Renditen für die Lebensversicherung sind nur zwei Folgen für unbescholtene Bürger. Diese müssten die Zeche perspektivisch auch durch steigende Konsumgüterpreise zahlen – es wird also künftig zu starken Vermögensungleichheiten in Deutschland kommen, die offenbar als Kollateralschaden der Staatsfinanzierung durch Inflation von EZB und Co. hingenommen werden.

 Frank Schäffler

Herr Frank Schäffler

Finanzexperte, Politiker


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