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Ein Geschäftsmodell aus der Krise für die Krise

Quer gedacht

„Ein in der Krise entwickeltes Geschäftsmodell ist das Beste, um die gegenwärtigen Krisen zu meistern.“ Das sagte der pro aurum Geschäftsführer, Johann Gess, beim Gedankenaustausch „Cash vor Crash“ im Goldhaus München. Eindrückliche Belege für diese These lieferte Gess gleich nach. „Ein Blick auf die fast 200-jährige Historie zeigt: Die regionalen Banken stellen bis heute ein enormes Stärken- und Innovationspotenzial unter Beweis.“.

Herr Gess, Sie sind offenbar ein Fan regionaler Banken?

Gess: Sie Ich bin davon überzeugt, dass regionale Kreditinstitute alles an Bord haben, um die stürmischen Wellen, die wir derzeit an den Finanzmärkten erleben, erfolgreich zu umschiffen.

… und die Besatzung inklusive Güter heil ans rettende Ufer bringen?

Gess: Auch das, wenn sich die Crew auf die wesentlichen Herausforderungen konzentriert und die Segel richtig setzt.

Wo sehen Sie aktuell die wesentlichen Herausforderungen?

Gess: Es gibt eine ganze Reihe von Herausforderungen, die auf die Finanzinstitute einwirken. Mithilfe von Marktumfeldanalysen teilen wir die Einflussfaktoren in vier Ebenen ein: Auf ökonomischer Ebene sind es die wachsenden Regularien und die niedrigen Zinsen, die Bankhäuser und Sparkassen aktuell vor prekäre Einnahmensituationen stellen. In sozialer Hinsicht droht eine kollektive Enteignung und Verarmung der Massen, die ihr Vermögen verlieren werden. Technisch gesehen stellt sich die Frage, wie geeignet die vorhandenen Produkte und Prozesse sind, um den Anforderungen ausreichend zu begegnen. Und schließlich erleben wir, dass geldpolitische Entscheidungen zu gesellschaftlichen Unruhen führen können. Die Finanzbranche hat die große Verantwortung, hier zu Lösungen beizutragen. 

Seit der Finanzkrise ist an vielen Fronten nachgebessert worden. Sind wir also wieder auf einem sicheren Weg?

Gess: Wer Gold als Urmeter des Geldes versteht – was bis zum Ende der Golddeckung ja auch der Fall war - denkt nicht in kurzen Zyklen, sondern in großen Zusammenhängen. Schon seit vielen Jahren verlieren Währungen an Kaufkraft. Denn seit der damalige US-Präsident Richard Nixon 1971 den Goldstandard aufhob, kann Geld beliebig vermehrt werden. Die historisch einmalige Geldmengenausweitung, die wir heute erleben, zeigt ihre Konsequenzen u.a. in den niedrigen Zinsen. Zinsen sind der Preis fürs Geld und wenn die EZB inzwischen bei Nullzinsen angekommen ist, wissen Sie, was der Euro heute noch wert ist. Wir sind erst dann auf einem sicheren Weg, wenn das Vermögen vor Wertverlust geschützt und Kapital über die Zeit der Geldvernichtung hinweg gerettet und aufgebaut wird. Die Krisenstrategie für Regionalbanken kann darin liegen, die eigenen Stärken auszuspielen und Innovationen voranzutreiben.

An welche Stärken denken Sie?

Gess: Die Regionalbanken besitzen einen genetischen Code, der sie einmalig und unschlagbar macht. Es ist das Prinzip des Kümmerns; eine Geschäftsphilosophie, die das finanzielle Wohlergehen der Kunden, Kommunen und Mitglieder als zentralen Kompass fokussiert. Kein Quartalsdenken, sondern lebenslange Finanzbegleitung. Diese Geschäftsmodelle kalkulieren lange Zeiträume. Daraus ergibt sich eine völlig andere Handlungsmaxime. In der Praxis bedeutet das eine partnerschaftliche Geschäftspolitik, die auf menschliche Nähe, Verantwortung und Nachhaltigkeit basiert. Wir sprechen heute alle von Sozialen Medien und von der Bedeutung des Netzwerkens. Das machen Regionalbanken schon seit über 150 Jahren so. Sie kennen ihre Kunden und deren soziale Gefüge, wissen um deren Potenziale und fördern sie, weil sie nicht zuletzt im gleichen Wirtschafts- und Kulturraum leben und arbeiten.

Welche Innovationen erwarten Sie?

Gess: Immer, wenn die Gewinne in den Unternehmen großflächig und dauerhaft zurückgehen, wartet der Markt auf neue Innovationen. Der russische Konsumforscher Nicolai Kondratieff erkannte im Anschluss an solche Phasen das Auftreten einer breiten Basisinnovation, die einen neuen ökonomischen Aufschwung auslöst. Allerdings profitieren nur Diejenigen vom Aufschwung, die die vorangegangene Basisinnovation beherrschten. Seit 1990 befeuert die Informationstechnologie eine globale Innovationswelle und bringt ungeahnte Möglichkeiten mit sich. Neue Produkte und Prozesse, die die gestiegenen Ansprüche der Kunden nach Vermögensschutz und flexiblen Vertriebszugängen bedienen, sind auch für die regionalen Institute alternativlos.

Was macht die Regionalbanken besonders in Krisen stark?

Gess: Die Sparkassen und Genossenschaftsbanken wurden in Krisenzeiten gegründet, beherrschen alle modernen Finanzdienstleistungen, beschäftigen ein hoch kompetentes Finance-Team, sind in ein starkes Partnernetzwerk integriert und konzentrieren sämtliche Ressourcen auf die nachhaltige Vermögensbildung Ihrer Kunden. Vom Schulsparen bis zur Sterbegeldversicherung decken regionale Institute den kompletten Lifecycle an Finanzleistungen ab und erzeugen in den Regionen eine interdisziplinäre Finanzkompetenz über alle Gesellschaftsschichten hinweg – vom einfachen Arbeiter bis zum Hochschulprofessor. Sie fördern das Vereinswesen und die Kultur. Das kräftigt den Zusammenhalt in der Region, der besonders in Krisenzeiten gefragt ist. Sie fördern das Bildungsniveau, das über die Entwicklungspotenziale nach einem Tief entscheiden wird. Ohne Regionalbanken wären die Geschäftsregionen weit weniger stabil aufgestellt.

Beispiele?

Gess: Von den ersten Stunden an waren die regionalen Institute in ihren Regionen verankert und treue Begleiter in schwierigen Zeiten. Das ist bis heute so: Wo sich Investoren zurückziehen, weil erst Mal nichts zu verdienen ist, bleiben sie. Sie trieben Innovationen im Finanzbereich voran, andere zogen nach. Eine fundamentale Entwicklung waren zum Beispiel die ganzheitlichen Finanz- und Beratungskonzepte um die Jahrtausendwende. Sie können dazu beitragen, Menschen in allen Lebenslagen finanziell abzusichern und Kapital aufzubauen. Immer standen starke Persönlichkeiten hinter diesen Innovationen, die einen Blick für die wesentlichen Anforderungen der Zeit hatten.

Und trotzdem verzeichnen auch diese Häuser im Moment prekäre Einkommenssituationen.

Gess: Zeiten wie diese zwingen dazu, die eigenen Stärken wieder zu entdecken, unternehmerisch zu handeln und alle Schritte juristisch abzudecken. Denn die Krise deckt auf, was Wirtschaftsprüfer nicht finden. Die riskante Geldpolitik der Zentralbanken erfordert einen dringenden Handlungsbedarf in Richtung Vermögensschutz und Erschließung neuer Märkte wie etwa den Edelmetallbereich. Wie in zurückliegenden Tagen braucht es dazu Titanen, die ein geniales Geschäftsmodell in die Zukunft projizieren und optimieren.

Vielen Dank!

 Johann Gess

Herr Johann Gess

Mitglied der Geschäftsleitung von pro aurum


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